Davos: Donald Trump droht NATO und EU
- Auftakt mit Eigenlob und Erfolgszahlen
- Grönland als Fixpunkt der Rede
- Historische Begründungen und Irrtümer
- Angriffe gegen Europa
- Kritik an der NATO
- Abschweifungen, Beleidigungen und Widersprüche
Beim 56. Weltwirtschaftsforum in Davos hat US-Präsident Donald Trump (79) mit seiner mit Spannung erwarteten Rede für weltweite Aufregung gesorgt. Rund eine Stunde lang sprach der Präsident über Wirtschaft, Sicherheit und Energie, gewohnt Lob, Provokation und historische Fehlgriffe mischend. So sehr er thematisch gesprungen ist, hat sich diesmal ein Thema wie ein roter Faden durch seine Ausführungen gezogen: der Wunsch, Grönland unter US-amerikanische Herrschaft zu stellen.
Auftakt mit Eigenlob und Erfolgszahlen
Trump hat seinen Auftritt mit einer langen Passage über die amerikanische Wirtschaft begonnen. Die USA seien der „Wirtschaftsmotor des Planeten“, unter seiner Führung sei „die Welt wieder stabil“ geworden. Nach eigenen Angaben sei die Arbeitslosigkeit auf ein Rekordtief gefallen, das Haushaltsdefizit um 27 Prozent gesenkt und die Zahl der Bundesbediensteten um 270.000 reduziert worden.
„Die Leute sind sehr glücklich mit mir“, ist Trump überzeugt. Er preist die (angeblich) gestiegene Kaufkraft der Bevölkerung, den Rückgang der Inflation und die „Rückkehr des Vertrauens in die Märkte“. Seine Regierung habe „mehr erreicht als jede andere seit Roosevelt“.
Auch seine Zollpolitik bezeichnet er als Erfolg: „Ich habe im Schnitt drei Minuten pro Land gebraucht, um gerechte Zölle zu verhandeln“, sagte er.
Grönland als Fixpunkt der Rede
Nach etwa 20 Minuten wandte sich Trump dem Thema zu, das ganz Europa beschäftigt: Grönland. Der Präsident wiederholte seine Absicht, mit Dänemark über einen Kauf der Insel zu verhandeln. „Wir müssen Grönland besitzen, um es verteidigen zu können“, macht er seine Absichten deutlich. Grönland sei strategisch entscheidend für die nationale und internationale Sicherheit der USA. Die Insel liege „an einem der wichtigsten Punkte des Planeten“. Nur Amerika könne sie schützen.
Er sprach auch über seine Pläne, dort einen sogenannten „Golden Dome“ zu errichten – ein symbolisches Schutzsystem, das auch Kanada abdecken solle. „Alles, was die USA wollen, ist ein Ort, der sich Grönland nennt – ein schönes, großes Stück Eis“, sagte er.
Dann wurde er deutlicher: „Sie können Ja sagen, und wir werden sehr zuvorkommend sein. Oder Sie können Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern.“ Die Aussage löste im Saal hörbares Raunen aus. Beobachter werteten sie als diplomatische Drohung, obwohl Trump mehrfach betonte, keine militärische Gewalt anzuwenden: „Ich werde keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich muss keine Gewalt anwenden.“ Stattdessen wolle er verhandeln. „Das ist wahrscheinlich mein größtes Versprechen“, fügt er hinzu.
Historische Begründungen und Irrtümer
Seinen Anspruch auf Grönland begründet Trump mit vermeintlich historischen Argumenten. Im Zweiten Weltkrieg hätten die USA Dänemark und damit auch Grönland „vor den Nazis gerettet“. Nach Kriegsende habe man die Insel „dummerweise freiwillig zurückgegeben“. „Wären wir damals nicht eingeschritten, würdet ihr heute alle Deutsch und Japanisch sprechen“, behauptet Trump.
Zur historischen Einordnung: Die USA haben zu keinem Zeitpunkt die Souveränität über Grönland besessen, sondern lediglich den militärischen Schutz während der deutschen Besatzung Dänemarks übernommen.
Angriffe gegen Europa
Dass Europa nicht daran denkt, Grönland an Trump abzutreten, ist nicht das Einzige, was dem Präsidenten sauer aufstößt. Ein zentraler Teil seiner Rede bestand aus teils wirrer Fundamentalkritik an Europa.
„Europa bewegt sich nicht in die richtige Richtung“, sagt er vor Staats- und Regierungschefs und spricht von „unkontrollierter Migration“, einem „Zusammenbruch der Energieversorgung“ und einer „Selbstschwächung durch grüne Ideologien“. Der Klimaschutz sei laut Trump „der größte Betrug der Geschichte“. Windräder bezeichnete er als „hässlich und unwirtschaftlich“. „China produziert sie, nutzt sie aber nicht. Sie verkaufen sie an Dumme – an euch“, sagte er in Richtung Europa. Überhaupt habe er eine Beobachtung gemacht: Je mehr Windräder ein Land hat, desto schlechter gehe es ihm.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekam eine persönliche Spitze ab: „Tolle Sonnenbrille. Was zum Teufel ist da passiert?“ Den deutschen Kanzler Friedrich Merz lobte Trump hingegen: „Er macht einen großartigen Job, um das Energiechaos zu beenden.“
Kritik an der NATO
Auch das transatlantische Bündnis blieb nicht verschont. „Mark, bist du da?“, fragt er nach NATO-Generalsekretär Mark Rutte, bevor er der NATO erneut mangelnde Unterstützung und Ungleichheit bei den Verteidigungsausgaben vorwirft. „Wir haben von der NATO nie etwas bekommen“, moniert er in Davos. Europa profitiere von der amerikanischen Militärmacht, ohne sich angemessen zu beteiligen.
„Wir kriegen wohl nur dann etwas, wenn ich mit exzessiver Gewalt drohe und da wären wir nicht zu stoppen. Aber das werde ich nicht machen.“ Gleichzeitig bezeichnet er die Allianz als „unverzichtbar, wenn sie gerecht funktioniert“. Und auch hier lässt er nicht vergessen, worum es ihm aktuell geht: „Alles worum ich bitte, ist Grönland.“ Ein Kauf sei gut für Europa und keine Bedrohung für die NATO.
Abschweifungen, Beleidigungen und Widersprüche
Je weiter die Rede fortschritt, desto weiter entfernte sich Trump vom vorbereiteten Text und desto wirrer wurde es.
Trump sprach über Venezuela, das er nach einem „Angriff“ wieder aufgebaut haben will, über China, dessen Präsident Xi Jinping er als „respektierten Mann“ bezeichnete, und über Künstliche Intelligenz: „Vor zwei Jahren hat noch niemand von KI gehört.“
Zugleich beleidigte er ganze Länder: Somalia sei „ein Land, das kein Land ist“, Somalier hätten „einen niedrigen IQ“. Über Biden sagte er: „Biden ist schrecklich“, über Notenbankchef Jerome Powell: „Powell ist dumm.“
Sich selbst hingegen lobte er für seine außenpolitischen Erfolge, sprach von „Frieden im Nahen Osten“ und davon, dass die USA „mehr zur Weltordnung beigetragen hätten als jede andere Nation“.