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Internationaler Frauentag: Eine weibliche Hand in violett reckt die Faust mit dem Zeichen für Frauen.
Der internationale Frauentag am 8. März macht auf die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufmerksam.
Der internationale Frauentag am 8. März macht auf die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern aufmerksam.
Adrian Vidal/istock.com

Internationaler Frauentag: 5 Gründe, warum wir ihn noch immer brauchen

08.03.2026 um 06:15, Stefanie Hermann
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In Österreich haben Frauen alles erreicht? Falsch. Gewalt, Gender Pay Gap und Altersarmut zeigen, warum wir den Internationalen Frauentag noch immer brauchen.

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Der Internationale Frauentag erinnert jedes Jahr daran, dass Gleichberechtigung noch nicht erreicht ist. Fünf zentrale Gründe zeigen, warum der Internationale Frauentag auch heute noch wichtig ist.

Seine Wurzeln hat der Weltfrauentag in den sozialistischen Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Getrommelt wurde damals für die Gleichberechtigung der Geschlechter, das Wahlrecht für Frauen und bessere Arbeitsbedingungen. Seither ist viel Wasser den Fluss hinabgeflossen, vieles wurde erreicht, manches übertroffen.

In etlichen essenziellen Bereichen mahlen die Mühlen aber weiter mürbend langsam. Gewalt gegen Frauen, Gender Pay Gap, unbezahlte Care-Arbeit, Teilzeitfalle, Altersarmut und MeToo: Warum wir mit den Internationalen Frauentag auch in Österreich (leider) noch brauchen.

Internationaler Frauentag: Gewalt an Frauen weiter Thema

Gerade am Internationalen Weltfrauentag wird weltweit auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam gemacht. Frauen sind weltweit in alarmierender Weise von physischer, sexueller und psychischer Gewalt betroffen und Österreich ist hier alles andere als eine Insel der Seligen. Jahr für Jahr werden mehrere Frauen von Partnern oder Ex-Partnern getötet, häufig im privaten Umfeld

Sexuelle Gewalt und Übergriffe gehören zum Alltag vieler Frauen. Drei von vier Frauen sind schon einmal sexuell belästigt worden. Jede dritte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens sexuelle Gewalt, sieben Prozent der Frauen wurden im Laufe ihres Lebens bereits Opfer einer Vergewaltigung. In 80 Prozent der Fälle sind die Täter keine Unbekannten.

Gender Pay Gap klafft in Österreich

Der Gender Pay Gap ist heiß umstritten, nicht nur am internationalen Frauentag. Während die einen in ihm die Wurzel allen Übels orten, sehen andere seine Existenz lediglich in der Berufswahl begründet. Klar, die in einem Mangelberuf arbeitende Fachkraft verdient mehr als beispielsweise im Einzelhandel Beschäftigte. Fakt ist: In Österreich verdienen Frauen laut Statistik Austria 18,4 Prozent weniger, Eurostat zufolge sogar 18,8 Prozent weniger. Selbst wenn man die bereinigte Statistik heranzieht hier werden Faktoren wie Unternehmensgröße, Art des Arbeitsvertrags, Dauer im Unternehmen etc. mitgerechnet , bleibt ein Unterschied von 10,8 Prozent.

Die Ursache vermutet Eurostat im Ausmaß der Arbeitszeit (Teilzeit statt Vollzeit) und Branchenwahl. Aber nein, es ist nicht nur die Berufswahl, die mitspielt. Der Grundstein wird teils bereits in der Kindheit gelegt.

Frauentag macht auf Care-Arbeit aufmerksam

Auch deshalb wird das Thema unbezahlte Care-Arbeit rund um den Internationalen Weltfrauentag immer wieder diskutiert.

Dass der private Raum eine zentrale Rolle spielt, zeigt Mal für Mal die Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria. Sie erhebt, wofür Österreicherinnen und Österreicher ihre Zeit aufwenden von Arbeit, Hobbys und Schlaf bis zur Hausarbeit. 

Gerade bei der Care-Arbeit, unter die auch der Haushalt fällt, klafft eine eklatante Lücke zwischen den Geschlechtern. Kurz zur Erklärung: Unter Care-Arbeit versteht man jegliche Sorgearbeit. Darunter fallen neben Putzen, Waschen und Müll rausbringen auch die Kinderbetreuung und das Pflegen von Familienangehörigen. Während Männer pro Tag 2 Stunden und 26 Minuten dafür aufwenden, sind es bei Frauen satte 3 Stunden und 58 Minuten. Eine Doppelbelastung, die nicht nur seelisch und körperlich zermürbt. Auch in der Einkommensschere spiegelt sich die ungleiche Verteilung wider.

Wer jetzt meint, die Verteilung läge daran, dass Frauen eben öfter in Teilzeit arbeiten und damit natürlich mehr Zeit für die Arbeit daheim hätten, (eine Henne-Ei-Problematik) irrt. Bereits in jungen Jahren festigt sich die Arbeitsverteilung zu Hause und damit die Kluft in der Arbeitsverteilung. Schon 10- bis 14-jährige Mädchen leisten um fast ein Drittel mehr Care-Arbeit als Burschen, wie eine neue Berechnung des Momentum-Instituts zeigt. Bei Jugendlichen steigt die Care Gap bereits auf 49 Prozent. (Bei Müttern mit kleinen Kindern sind es übrigens 130 Prozent, bei Seniorinnen noch immer 73 Prozent.)

Auch Teilzeitfalle Thema am internationalen Frauentag

Wenig wunderlich also, dass vor alle junge Mütter häufig in Teil- statt Vollzeit erwerbstätig sind. Kräftiger als die Haushalts- schlägt hier aber selbstverständlich die Frage nach der Kinderbetreuung zu Buche. Die Teilzeitquote ist bei Frauen fast fünfmal so hoch wie bei Männern. Wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht, ist die Aufteilung nach wie vor klar: 96 Prozent der Elternkarenz werden von Frauen in Anspruch genommen. Nur in rund einem Drittel der österreichischen Haushalte arbeiten beide Elternteile Vollzeit.

Das Problem: Die Teilzeitfalle birgt kurz-, mittel- und langfristig massive Gefahren, die die wenigsten realistisch einschätzen können. Die reduzierte Arbeitszeit führt im Schnitt zu deutlich weniger Einkommen, weniger Aufstiegschancen und weniger Pension.

Gefahr von Altersarmut: Frauen haben geringere Pensionen

Altersarmut – auf die der internationale Frauentag ebenso aufmerksam macht – ist in Österreich weiblich. Einen erheblichen Anteil daran hat die hohe Teilzeitquote bei Frauen. Aktuell bekommen Frauen in Österreich rund 41,1 Prozent weniger Pension als Männer. Während Frauen im Schnitt mit 1.313 Euro auskommen sind, erhalten Männer durchschnittlich 2.229 Euro. 12 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen im Alter über 65 sind in Österreich von Armut betroffen.

 

 

FAQ: Internationaler Frauentag 2026

Der Internationale Frauentag wird jedes Jahr am 8. März begangen und steht weltweit im Zeichen von Gleichberechtigung, Frauenrechten und gesellschaftlicher Teilhabe. Auch 2026 machen Demonstrationen, Veranstaltungen und politische Forderungen darauf aufmerksam, dass Frauen weiterhin mit strukturellen Benachteiligungen konfrontiert sind.

FAQ: Internationaler Frauentag 2026

Wann ist der Internationale Frauentag?

Der Internationale Frauentag findet jedes Jahr am 8. März statt. 2026 wird der Aktionstag weltweit bereits zum 115. Mal begangen.

Warum gibt es den Internationalen Frauentag?

Der Frauentag entstand Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Frauenbewegung. Frauen kämpften damals für grundlegende Rechte wie das Wahlrecht, bessere Arbeitsbedingungen und politische Mitsprache.

Seit wann gibt es den Internationalen Frauentag?

Erstmals wurde der Internationale Frauentag 1911 in mehreren europäischen Ländern begangen, darunter auch in Österreich-Ungarn. Seit 1977 wird der Tag offiziell von den Vereinten Nationen anerkannt.

Wie groß ist der Gender Pay Gap in Österreich?

Laut Statistik Austria beträgt die geschlechterspezifische Lohnlücke in der österreichischen Privatwirtschaft rund 17,6 Prozent.

Welche Veranstaltungen gibt es zum Frauentag in Wien?

In Wien organisiert das Bündnis „Take Back the Streets“ eine Demonstration. Zudem bieten das Haus der Geschichte Österreich und die Albertina spezielle Führungen an, bei denen Frauen in Geschichte und Kunst im Mittelpunkt stehen.

Was ist das Motto des Internationalen Frauentags 2026?

Die Vereinten Nationen stellen den Internationalen Frauentag 2026 unter das Motto „Rechte, Gerechtigkeit und Maßnahmen für alle Frauen und Mädchen“.

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