Helmut Marko: Neue Rolle nach Formel-1-Aus
Inhalt
- Marko bleibt Gesicht des Red Bull Rings
- Vom Machtkampf-Aus zum ruhigeren Motorsport-Leben
- Markos Blick auf Red-Bull-Situation und Lambiase-Abgang
- Verstappens Frust über das Reglement und seine Zukunft
Helmut Marko bleibt dem Motorsport auch nach seinem Abschied aus der Formel 1 eng verbunden. Der 82-jährige Grazer übernimmt weiterhin eine zentrale Rolle als Botschafter des Red Bull Rings in Spielberg. Gleichzeitig analysiert er aus der Distanz die aktuelle Situation bei Red Bull Racing sowie die Zukunft von Max Verstappen.
Marko bleibt Gesicht des Red Bull Rings
Helmut Marko findet nach seinem Aus bei Red Bull Racing eine neue Aufgabe und bleibt der heimischen Motorsport-Szene verbunden. Er tritt weiterhin als Botschafter des Red Bull Rings in Spielberg auf. Die Fans in Österreich können den ehemaligen Red-Bull-Motorsportchef damit auch künftig live erleben.
Ende Juni ist Marko beim Grand Prix von Österreich direkt in Spielberg vor Ort. Das Heimrennen steigt am 28. Juni in der Steiermark. Auch beim neuen September-Termin der MotoGP am Red Bull Ring ist seine Präsenz als Botschafter vorgesehen. Marko ist nicht nur mit der Formel 1 am Ring verknüpft. Er bleibt Ansprechpartner für andere Top-Events wie MotoGP, DTM und weitere Motorsport-Highlights in der Steiermark. Viele niederländische Fans, die seit Jahren als Stammgäste nach Spielberg pilgern, treffen damit auch künftig auf eine ihrer Identifikationsfiguren im Fahrerlager.
Vom Machtkampf-Aus zum ruhigeren Motorsport-Leben
Nach schwelenden Machtkämpfen im Team verabschiedete sich Helmut Marko mit Ende der vergangenen Saison als Boss bei Red Bull Racing und zog sich weitgehend in den Hintergrund zurück. Im Dezember sagte der langjährige Förderer und Mentor von Max Verstappen der Motorsport-Königsklasse endgültig Adieu.
Sein Alltag hat sich seitdem deutlich verändert. Marko beschreibt, er sitze nun bequem zuhause, habe die permanenten Flugreisen und die Zeitverschiebung nicht mehr und erlebe einen angenehmeren, deutlich entspannteren Zugang zu seinem Alltag. Statt Dauereinsätzen an der Rennstrecke genießt er den geringeren Reisestress.
Ganz ohne Motorsport gestaltet er seinen Ruhestand jedoch nicht. Als Botschafter des Red Bull Rings bleibt Marko in die großen Rennserien in der Steiermark eingebunden und beschäftigt sich neben dem Formel-1-Grand-Prix intensiv mit der MotoGP. Diese fasziniert ihn nach wie vor, weil aus seiner Sicht dort noch harter Sport im Vordergrund steht und der Fahrer stark in das Geschehen eingebunden bleibt.
Markos Blick auf Red-Bull-Situation und Lambiase-Abgang
Ohne Helmut Marko bleiben bei Red Bull Racing derzeit die gewohnten Resultate aus. Seit der Regel-Revolution zum Saisonstart fährt das Team hinterher, nach drei Rennwochenenden ist der vierfache Weltmeister Max Verstappen nur WM-Neunter. Für die Mannschaft um Teamchef Laurent Mekies geht es darum, den Rückstand auf das dominierende Mercedes-Team zu verkleinern. Marko führt die sportliche Delle vor allem auf eine technische Fehlentwicklung zurück. Er verweist darauf, dass der Start in Melbourne mit einem dritten Platz von Isack Hadjar im Qualifying aus seiner Sicht noch zufriedenstellend verlaufen sei. Die folgenden Updates, besonders jenes in Japan, hätten das Auto aber in eine falsche Richtung gebracht und verschlechtert. Grundsätzlich traut er Red Bull jedoch zu, sich im Laufe der Europa-Saison wieder an die Spitze heranzuarbeiten, da das Team in der Vergangenheit mehrfach bewiesen habe, Rückstände aufholen zu können.
Als weiteren Rückschlag bewertet Marko den bevorstehenden Abgang von Gianpiero Lambiase. Der langjährige Renningenieur von Max Verstappen arbeitet seit 2016 mit dem Niederländer zusammen, wird Red Bull Racing aber zum Ende der Saison 2027 verlassen und ab 2028 bei McLaren zu deutlich höheren Bezügen tätig sein. Marko schildert, die beiden seien wie ein altes Ehepaar gewesen, hätten ihre Diskussionen und Dispute gehabt und Lambiase sei ein wesentlicher Faktor in der Fahrzeugentwicklung und Abstimmung gewesen, der oft eigene Wege gegangen sei. Für ihn stellt dieser Abgang einen großen Wertverlust dar. Parallel dazu verliert Red Bull in den vergangenen Monaten weitere wichtige Köpfe. Neben Marko selbst verlassen Christian Horner, Stardesigner Adrian Newey, Jonathan Wheatley, Rob Marshall und Will Courtenay den österreichisch-britischen Rennstall. Newey arbeitet inzwischen für Aston Martin, Marshall und Courtenay wechseln zu McLaren. Für Verstappen bedeutet das den Verlust mehrerer Vertrauenspersonen innerhalb kurzer Zeit.
Verstappens Frust über das Reglement und seine Zukunft
Zwischen Helmut Marko und Max Verstappen besteht weiterhin loser Kontakt. Der Grazer, der den Niederländer jahrelang als Mentor und Architekt seiner WM-Titel begleitete, berichtet von gelegentlichem Austausch. Verstappen besitzt bei Red Bull einen Vertrag bis einschließlich 2028, droht aber seit Wochen mit einem Rückzug aus der Formel 1 unter dem neuen Motorenreglement. Marko kann den Frust seines ehemaligen Schützlings nachvollziehen. Aus seiner Sicht ist Verstappen ein Vollblut-Racer, während das aktuelle Reglement stärker auf Energiemanagement ausgelegt ist und nur im engen Zusammenspiel mit den Software-Ingenieuren funktioniert. Dem Fahrer sei damit die dominierende Rolle weitgehend genommen, weshalb der legendäre „Max-Faktor“ derzeit nur eingeschränkt zur Geltung komme. Verstappen benötige ein Auto, zu dem er volles Vertrauen habe, was aus Markos Sicht aktuell nicht der Fall ist.
In der Folge kann Verstappen wegen des Fahrgefühls der neuen Boliden kaum den Unterschied ausmachen und verliert spürbar an Lust. Vor dem Japan-GP startet er daher bei einem Langstreckenrennen am Nürburgring und überzeugt dort mit starken Leistungen. Marko berichtet, Verstappen spreche derzeit mehr über den Nürburgring als über die Formel 1. Am 17. Mai tritt der vierfache Weltmeister auch beim 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife an – ein Projekt, das ihn offenbar stärker reizt als das aktuelle Formel-1-Reglement.
Marko hofft dennoch auf Änderungen, die den Einfluss des Piloten wieder vergrößern. Es seien Adaptionen geplant, doch er kann derzeit nicht beurteilen, ob diese dazu führen, dass wieder der Fahrer den Ausschlag gibt. Ob Verstappen angesichts der technischen Vorgaben und der personellen Umbrüche bei Red Bull langfristig in der Formel 1 bleibt, erscheint seinem ehemaligen Mentor offener denn je.