Goldpreis im Keller: Warum der Kurs plötzlich abstürzt
Anleger an den globalen Rohstoffmärkten erleben derzeit eine herbe Enttäuschung, denn der Goldpreis befindet sich im rasanten Sinkflug. Wer angesichts weltweiter Krisen auf die traditionelle Schutzfunktion des Edelmetalls gehofft hatte, sieht sich mit einem drastischen Kursverfall konfrontiert. Am Freitagnachmittag sackte die Notierung für eine Feinunze des sicheren Hafens auf rund 4.347 US-Dollar ab, im weiteren Handelsverlauf markierte der Kurs sogar Verluste von über 7,6 Prozent und notierte zeitweise bei 4.330,11 US-Dollar. Damit rutschte der Wert auf das niedrigste Niveau seit Ende März und lässt Investoren nun weltweit nach den Ursachen forschen.
US-Arbeitsmarkt schürt Zinsängste: Warum die Fed-Politik den Kurs drückt
Der Hauptauslöser für den aktuellen Einbruch liegt in den überraschend robusten Wirtschaftsdaten aus Übersee. Der US-Arbeitsmarkt hat im Monat Mai die Prognosen von Analysten deutlich übertroffen, da die Zahl der Neueinstellungen weit stärker gestiegen ist als im Vorfeld angenommen. Was für die Wirtschaft positiv klingt, erweist sich für zinslose Anlagen als schwerer Schlag.
Die makroökonomischen Zusammenhänge hinterlassen deutliche Spuren:
- Zinserwartungen steigen: Die boomende Jobsuche in den USA facht die Spekulationen an, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Leitzinsen noch im späteren Jahresverlauf anheben könnte.
- Fehlende Rendite: Höhere Zinsen machen Staatsanleihen für Investoren attraktiver, da physisches Gold und Silber selbst keine Zinsen oder Dividenden abwerfen.
- Starker US-Dollar: Die Daten trieben gleichzeitig den Dollarkurs und die Anleiherenditen nach oben. Da das Edelmetall weltweit in US-Währung abgerechnet wird, vertreuerte sich der Kauf für Anleger außerhalb des Dollar-Raums massiv, was die Nachfrage spürbar drosselte.
Kein Notanker im Iran-Krieg: Wie die Blockade der Straße von Hormus wirkt
In der aktuellen geopolitischen Lage versagt der krisengeschützte Status der Sachwerte weitgehend. Eigentlich gilt das Edelmetall in wirtschaftlich und militärisch volatilen Phasen als absolut krisenfest. Doch die anhaltenden Inflationsrisiken im Zuge des eskalierenden Iran-Krieges belasten die Märkte auf eine ganz neue Art und Weise.
Im Zentrum der wirtschaftlichen Sorgen steht eine strategische Meerenge im Nahen Osten. Wegen der anhaltenden faktischen Blockade der für die Schifffahrt wichtigen Straße von Hormus besteht die Sorge, dass der Ölpreis für längere Zeit auf hohem Niveau notieren und so die Teuerung anheizen könnte.
Diese langanhaltenden Teuerungsrisiken verändern das Verhalten der Großanleger, die ihr Kapital zunehmend in renditestarke Papiere umschichten, anstatt auf den klassischen „Notanker“ zu setzen. Neben dem Goldpreis erwischte es am Freitag auch Silber, dessen Kurs um fast sieben Prozent auf 69 US-Dollar einbrach, sowie die Kryptowährung Bitcoin, die in Richtung ihres Jahrestiefs von rund 60.700 Dollar abrutschte.
Charttechnik schlägt Alarm: Drohen dem Goldkurs nun weitere Verluste?
Neben den fundamentalen Wirtschaftsdaten bereitet nun auch das technische Chartbild den Händlern zunehmend Kopfzerbrechen. Durch den rasanten Ausverkauf ist die Notierung unter eine charttechnisch eminent wichtige Marke gerutscht. Es handelt sich um die viel beachtete 200-Tage-Linie, welche im Fachjargon den langfristigen, positiven Aufwärtstrend einer Anlageklasse definiert.
Finanzanalysten warnen daher vor einer Verschärfung der Abwärtsspirale, sollte eine schnelle Gegenbewegung der Käufer ausbleiben.