Gender Pay Gap im Sport: Diese 4 Disziplinen zahlen fair

Was denken Sie: Fußball, Leichtathletik oder Eishockey? In nur einer dieser drei Sportarten verdienen Frauen gleich viel wie Männer. Denn der Gender Pay Gap ist auch im Profisport nach wie vor die Regel.
Artikel von Passion-Autor: Isabel Folie, 01.08.2022 um 12:57 Uhr

Soeben ging die Fußball-Europameisterschaft der Frauen 2022 feierlich und umjubelt zu Ende. Und auch, wenn der Frauenfußball auf eine lange Geschichte zurückblickt, sind die Bezahlungen im Fußball alles andere als gerecht. Denn während die Fifa 2018 den Männern rund 353,6 Millionen Euro an Prämien ausgezahlt hat, waren es bei den Frauen im Jahr 2019 nur 30 Millionen Euro. Damit ist Fußball die Sportart mit einem der größten Gender Pay Gaps.

Immer lauter werden deswegen die Stimmen, Frauen wie Männer im Spitzensport fair zu entlohnen. Gegenstimmen kontern meist mit dem Argument, dass Männer im Sport mehr Quoten generieren, deswegen für Sponsoren interessanter seien, und es aus diesem Grund gerechtfertigt sei, Frauen weniger Preisgeld auszuzahlen.

Dass dies nicht in allen Sportarten so gesehen wird, und viele Veranstalter zu einer fairen Bezahlung für beide Geschlechter übergegangen sind, beweisen die folgenden vier Disziplinen. Die könnten sich drei der am unfairsten zahlenden Sportarten, zu denen wir später noch kommen, zum Vorbild nehmen.

Tennis

Im Tennis geht es bei den US Open bereits seit 1973 finanziell fair zu, Männer und Frauen erhalten die gleichen Prämien. Bei den vier Grand Slam-Turnieren werden seit 2007 an Damen und Herren die gleichen Preisgelder ausgeschüttet. Doch Achtung, die Tücken lauern im Detail: Bei kleineren Turnieren verdienen Männer nach wie vor rund 40 Prozent mehr.

Doch auch, wenn die großen Turniere beiden Geschlechtern gleich viel zahlen, mussten die Frauen einige Seitenhiebe einstecken. So wurde ihnen allen Ernstes unterstellt, es gäbe im Tennis nur so hohe Prämien, weil die männlichen Spieler den Großteil der Zuschauer anziehen würden.

Tennisbälle auf dem Tennisplatz | Credit: iStock.com/Bobex-73

Leichtathletik

Bei der Leichtathletik wohnt wohl tatsächlich ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, denn seit 1997 werden in dieser Disziplin an Männer und Frauen die gleichen Prämien ausgezahlt: Wer einen Weltrekord aufstellt, kann mit 100.000 Euro rechnen, als Weltmeisterin oder Weltmeister locken 60.000 Euro.

Leichtathletin beim 100 Meter-Lauf | Credit: iStock.com/Comeback Images

Biathlon

Auch hier herrscht Gleichberechtigung – und das, ohne dass dem Sport die Sponsoren oder die Einschaltquoten wegbrechen würden. Wer als Biathletin oder Biathlet einen Sieg einfährt, bekommt 15.000 Euro, wer einen WM-Titel an Land zieht, darf mit 25.000 Euro rechnen.

Biathletin beim Bewerb | Credit: iStock.com/Artur Didyk

Pferdesport

Dieser Sport hat Stil: Beim olympischen Reiten treten Frauen und Männer gemeinsam an. Die Frage, wer nun mehr Publikum und Sponsoren anzieht, ist somit obsolet. Das gemeinsame Antreten zu Wettkämpfen hat natürlich zur Folge, dass das Preisgeld auch geschlechterübergreifend ausgeschüttet wird. Sollte es einmal doch zu einem Wettbewerb kommen, an dem Männer und Frauen getrennt voneinander antreten (z.B. die deutschen Meisterschaften), dann dürfen Frauen auf Wunsch auch bei den Männern mitmachen.

Springreiterin beim Training | Credit: iStock.com/nd3000

Die schwarzen Schafe

So viel zu den guten Nachrichten. Doch wäre die Gleichbehandlung von Frauen in Sportarten wie Biathlon und Reiten keine Erwähnung wert, wenn es nicht auch Disziplinen geben würde, in denen Frauen massiv benachteiligt werden. Und das ohne ersichtlichen Grund, tragen sie doch das gleiche Verletzungsrisiko wie ihre männlichen Kollegen. Fußball ist eine dieser Disziplinen, doch es gibt noch andere Sportarten, in denen Frauen wesentlich weniger verdienen als Männer. Hier drei der rückständigsten Sportarten:

Eishockey

In der nordamerikanischen Eishockey-Liga ist die Lohnschere besonders groß. Dabei sind es bei Olympia stets nordamerikanische oder kanadische Frauenteams, die die Goldmedaille erobern. Frauen der NWHL, der nordamerikanischen National Women's Hockey League, traten deswegen sogar in Streik, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Die NWHL wurde 2015 gegründet, versprochen wurde den Spielerinnen ein Saison-Gehalt von mindestens 10.000 US-Dollar. Doch da Investoren fehlten, erhielten die Spielerinnen gerade einmal die Hälfte.

Auch in den Jahren darauf sah es nicht besser aus: Die bestbezahlte Spielerin erhielt gerade einmal 20.000 US-Dollar pro Saison. Eine Krankenversicherung? Fehlanzeige. Viele der Spielerinnen sind deswegen gezwungen, nebenbei in anderen Berufen tätig zu sein. Dies wirkt sich natürlich alles andere als förderlich auf die sportliche Leistung aus. Top-Spielerinnen gründeten deswegen eine eigene Gewerkschaft, um für die Anerkennung des Sports und eine faire Entlohnung zu kämpfen.

Eishockey-Ausrüstung auf der Eisfläche einer Eishockey-Halle | Credit: iStock.com/ronniechua

Golf

Man könnte meinen, wenn es im Pferdesport fair zugeht, dass auch Golf ein Sport sein könnte, in dem Frauen gleich viel verdienen wie Männer. Weit gefehlt: Bei den US Open im Jahr 2019 durften sich die Männer rund 12,5 Millionen US-Dollar an Preisgeldern teilen. Bei den Frauen fiel der Betrag mit etwa 5,5 Millionen US-Dollar deutlich kleiner aus. So bekam Jeongeun Lee, die erstplatzierte Frau, nur rund die Hälfte des Preisgeldes ihres männlichen Kollegen.

Zwei Golferinnen am Green bei Sonnenuntergang | Credit: iStock.com/gjohnstonphoto

Skispringen

Es ist noch ein langer Flug, bis Frauen und Männer in dieser Sportart gleichberechtigt werden. Zum einen werden für Frauen viel weniger Wettkämpfe angeboten, was die Möglichkeiten, Preisgeld zu erlangen, drastisch verkleinert. Zum anderen gibt es aber auch beim ausgeschütteten Preisgeld erhebliche Unterschiede. Als Beispiel soll die 2021 in Norwegen abgehaltene Raw Air-Tournee dienen, die in der Disziplin des Skispringens den Ruf genießt, Frauen und Männer noch am ebenbürtigsten zu entlohnen. Doch der Unterschied beim Preisgeld ist auch hier gewaltig: Während der beste Mann 60.000 Euro einheimsen konnte, bekam die beste Frau gerade einmal 35.000 Euro.

Skisprung-Schanze | Credit: iStock.com/MiaZeus

Hohe Einschaltquoten nötig

Es gibt noch viel zu tun im Spitzensport. Was den Frauen dabei helfen könnte, endlich gleichberechtigt bezahlt zu werden? Nun ja: Erfreuen sich die Frauenbewerbe einer ähnlich hohen Einschaltquote wie die ihrer männlichen Kollegen, ist das Argument mit den fehlenden Sponsoren endgültig vom Tisch.

Wenn viele also voller Spannung der Frauenfußball-EM gefrönt haben, tragen am Ende auch sie indirekt ein gutes Stück zu mehr Fairness im Profi-Sport bei.

Zur Person

Die aus Südtirol stammende Schriftstellerin Isabel Folie ist Mitglied des intermedialen Kunstkollektiv Grauer Greif. Im Herbst 2021 ist ihr erster lyrischer Kurzprosa-Band "In meiner Mitte Kohle, in meinen Armen der Wind" erschienen. Als "Passion Author" für www.weekend.at schreibt sie regelmäßig über Frauen in der heutigen Gesellschaft.