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Roland Weißmann blickt ernst zur Seite während er nach seinem Rücktritt und Kündigung rechtlich gegen den ORF vorgeht und eine Millionenforderung stellt
Ex-ORF-Chef Roland Weißmann klagt den ORF: Es geht um Millionen-Forderungen.
Ex-ORF-Chef Roland Weißmann klagt den ORF: Es geht um Millionen-Forderungen.
APA-Images / VGN Medien Holding / Lukas Ilgner

Roland Weißmann klagt ORF: Er will Millionen – und seinen Job zurück

16.04.2026 um 07:28, Stefanie Hermann
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Ex-ORF-Chef Roland Weißmann fordert 3,9 Millionen Euro und seinen Job zurück. Der Streit könnte den Sender jahrelang beschäftigen – und teuer werden.

Ex-ORF-Generaldirektor Roland Weißmann geht in die Offensive: Der Ex-Manager geht juristisch gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber, den ORF, vor. Nach seinem Rücktritt am 9. März 2026 fordert er nun rund 3,9 Millionen Euro und will zudem seine Wiedereinstellung beim ORF erreichen. In seiner ersten ausführlichen öffentlichen Stellungnahme seit seinem Rücktritt erhebt der frühere ORF-Chef nun schwere Vorwürfe. „Ich will keine Rache, ich will Gerechtigkeit“, so Weißmann.

Rücktritt unter Druck: Roland Weißmann erhebt Vorwürfe

Der frühere ORF-Chef sieht seinen Abgang nicht als freiwillige Entscheidung. Vielmehr sei er „nicht freiwillig, sondern unter massivem Druck“ zurückgetreten. Vertreter des Stiftungsrats hätten ihn mehrfach zum Rückzug gedrängt, ungeachtet des Ausgangs der Untersuchungen. „Es wurde von Stiftungsräten irrsinniger Druck aufgebaut“, so Weißmann. Mehrfach sei ihm gesagt worden: „Das geht sich nicht aus, du musst zurücktreten. Sonst wird das öffentlich.“

Compliance entlastet Weißmann

Hintergrund der Eskalation ist eine interne Causa, die schließlich öffentlich wurde. Auslöser waren Vorwürfe einer Mitarbeiterin wegen angeblicher sexueller Belästigung. Eine über Jahre geführte Chat-Kommunikation zwischen Weißmann und einer ORF-Mitarbeiterin wurde in Auszügen an den Stiftungsrat weitergegeben. Brisant: Die Vorwürfe wurden in weiterer Folge vom ORF selbst per Presseaussendung öffentlich gemacht, noch bevor die Compliance-Prüfung abgeschlossen war.

Laut Informationen aus dem Umfeld des Ex-General­direktors soll Weißmann sogar bereit gewesen sein, auf Teile seines Gehalts zu verzichten, um eine Veröffentlichung der Vorwürfe zu verhindern.

ORF hält an Weißmann-Kündigung fest

Die anschließende externe Compliance-Untersuchung ist zu einem klaren Ergebnis gekommen: Es liegt keine sexuelle Belästigung vor, weder strafrechtlich noch im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes.

Trotz der Entlastung hält der ORF an der Auflösung des Dienstverhältnisses fest. Begründet wird dies mit dem „Anschein unangemessenen Verhaltens“, der für Führungskräfte besonders schwer wiege.

Eine offizielle Kündigung sei Weißmann laut eigenen Angaben bislang jedoch nicht zugestellt worden. Formal gilt er daher weiterhin als Angestellter des Senders.

Roland Weißmann geht vor Gericht

Gegen seine Kündigung zieht Roland Weißmann nun vor Gericht. Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum spricht von einer eindeutigen Situation und bezeichnet die Kündigung als „klassische Motivkündigung“.

Im Zentrum des bevorstehenden Verfahrens steht damit eine zentrale arbeitsrechtliche Frage: Kann eine sogenannte Motivkündigung auch bei leitenden Angestellten greifen? Während ORF-nahe Juristen dies verneinen, sieht Scherbaum sehr wohl rechtliche Ansatzpunkte für eine Anfechtung, insbesondere dann, wenn keine klassische Personalverantwortung vorliegt.

Ein zentraler Vorwurf richtet sich dabei gegen den Umgang des ORF mit der Causa. Laut Weißmanns Rechtsvertretung könnte der Sender durch die öffentliche Kommunikation der Vorwürfe gegen seine arbeitsrechtliche Fürsorgepflicht verstoßen haben, was den geltend gemachten Schadenersatz begründet. Man habe die Vorwürfe „ungeprüft an die Öffentlichkeit gebracht“, kritisiert Weißmann.

Millionenforderung im Detail

Die finanziellen Forderungen des Ex-ORF-Chefs haben es in sich: Insgesamt macht Roland Weißmann Ansprüche in Höhe von rund 3,9 Millionen Euro geltend. Ein wesentlicher Teil der Forderung basiert auf einer möglichen zweiten Amtsperiode als ORF-Generaldirektor. Diese galt intern als äußerst wahrscheinlich, wodurch Weißmann auch entgangene Einkünfte aus weiteren fünf Jahren geltend macht.

Die von Weißmann geforderte Summe ergibt sich aus mehreren Komponenten und setzt sich wie folgt zusammen:

350.000 Euro für die verbleibende Vertragslaufzeit
2,3 Millionen Euro für eine entgangene zweite Amtsperiode
250.000 Euro aus Pensionsansprüchen
1 Million Euro Schadenersatz

Sollte es zu keiner Einigung kommen, dürfte der Fall das Wiener Arbeits- und Sozialgericht über Jahre beschäftigen.

Anzeige gegen unbekannt

Parallel zum Arbeitsrechtsstreit hat Roland Weißmann auch Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht. In einer umfassenden Sachverhaltsdarstellung wird das Vorgehen rund um seinen Rücktritt aufgearbeitet.

Der Fall liegt inzwischen bei der Staatsanwaltschaft und könnte damit auch strafrechtliche Dimensionen annehmen.

Gleichzeitig warte Weißmann „bis heute auf eine Entschuldigung vom ORF“, wie er betont.

Interne Spannungen im ORF

Die Causa sorgt auch intern für Turbulenzen. Der Redaktionsausschuss hat den Stiftungsräten Heinz Lederer und Gregor Schütze das Misstrauen ausgesprochen. Kritisiert wird insbesondere ihr Umgang mit den Vorwürfen sowie ihre Rolle in der öffentlichen Kommunikation der Causa.

Für den ORF könnte der Konflikt nicht nur rechtlich, sondern auch politisch und finanziell weitreichende Folgen haben.

Langer Rechtsstreit zeichnet sich ab

Ein außergerichtlicher Vergleich gilt derzeit als unwahrscheinlich. Weißmann zeigt sich entschlossen: „Wir werden das durchexerzieren und alle aufmarschieren lassen.“

Sollte Weißmann vor Gericht Erfolg haben, könnten erhebliche Kosten auf den öffentlich-rechtlichen Sender und damit indirekt auf die Gebührenzahler zukommen.

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