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Roland Weißmann vor ORF-Logo in Wien – der ORF-Generaldirektor tritt nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin zurück.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ist nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.
Thomas Ramstorfer / First Look / picturedesk.com

ORF-Knall: ORF-Chef Roland Weißmann tritt mit sofort zurück

09.03.2026 um 09:10, Stefanie Hermann
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ORF-Chef Roland Weißmann tritt nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin mit sofortiger Wirkung zurück. Ingrid Thurnher soll interimistisch übernehmen.

Der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sorgt für ein politisches und mediales Erdbeben in Österreich. Der Generaldirektor des ORF hat am Sonntag mit sofortiger Wirkung seinen Posten aufgegeben. Hintergrund sind Vorwürfe einer ORF-Mitarbeiterin wegen unangemessenen Verhaltens zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen.

Der ORF bestätigt den Schritt am Montag in einer offiziellen Aussendung. Weißmann habe den Vorsitzenden des ORF-Stiftungsrats, Heinz Lederer, sowie dessen Stellvertreter Gregor Schütze über seinen Rücktritt informiert.

Vorwürfe gegen ORF-Chef: Roland Weißmann bestreitet Anschuldigungen

Auslöser des Roland Weißmann Rücktritts sind Vorwürfe einer Mitarbeiterin wegen sexueller Belästigung. Laut ORF wurde der Vorwurf erst in den vergangenen Tagen an den Generaldirektor herangetragen.

Der 57-Jährige weist die Anschuldigungen entschieden zurück. Dennoch habe der Stiftungsrat eine rasche Klärung verlangt. Laut einem Schreiben seines Anwalts sei Weißmann vom Stiftungsrat darüber informiert worden, dass ihm „unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor (2022) vorgeworfen wird“.

Demnach sei ihm eine Frist von wenigen Tagen eingeräumt worden, um seinen Rücktritt zu erklären. Eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe habe zu diesem Zeitpunkt noch nicht stattgefunden. Weißmann habe sich schließlich entschieden, zurückzutreten, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden.

Stiftungsrat fordert transparente Aufklärung von Roland Weißmann

Der ORF-Stiftungsrat betont, dass die Vorwürfe umfassend aufgeklärt werden müssen. Dabei soll eng mit der ORF-Compliance-Stelle zusammengearbeitet werden. „Es ist die Verantwortung des ORF-Stiftungsrats, nun rasch die nötigen Schritte zu setzen, damit die erhobenen Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz aufgeklärt werden können und die reibungslose Fortführung der Geschäftsführung garantiert ist“, so Stiftungsratschef Heinz Lederer.

Auch sein Stellvertreter Gregor Schütze sieht den ORF in einer schwierigen Situation, betont aber die Stabilität der Führung: „Mit der entschiedenen Vorgangsweise zeigt der ORF-Stiftungsrat, dass er auch in schwierigen Momenten eine ruhige Hand bewahrt.“

Weißmann-Nachfolge: Ingrid Thurnher soll ORF vorläufig führen

Nach dem Roland Weißmann Rücktritt muss der ORF nun rasch eine interimistische Lösung finden. Laut ORF-Gesetz übernimmt bei einer Vakanz zunächst eine geeignete Person vorübergehend die Geschäftsführung.

Der Stiftungsrat will deshalb Radiodirektorin Ingrid Thurnher mit der vorläufigen Leitung des Senders betrauen. Die Entscheidung soll bei der nächsten Sitzung des Gremiums fallen.

Lederer und Schütze schlagen Thurnher offiziell als Übergangslösung vor. Sie verfüge über langjährige Erfahrung im ORF und sei daher geeignet, den öffentlich-rechtlichen Sender durch diese schwierige Phase zu führen.

Rücktritt kurz vor wichtigen Entscheidungen im ORF

Der Rücktritt von Roland Weißmann kommt zu einem heiklen Zeitpunkt für den ORF. In Wien steht in wenigen Wochen der Eurovision Song Contest an, gleichzeitig bereitet sich der Stiftungsrat auf die nächste Generalswahl vor.

Am Fahrplan für die Neubestellung der ORF-Geschäftsführung ab 2027 soll sich laut Stiftungsrat allerdings nichts ändern. Die Ausschreibung ist weiterhin für das Frühjahr geplant, die Wahl soll im August erfolgen.

Karriere im ORF: Vom Radiojournalisten zum Generaldirektor

Roland Weißmann arbeitet seit mehr als 30 Jahren im ORF. Nach seinem Publizistik- und Geschichtestudium begann er 1995 im ORF-Landesstudio Niederösterreich.

Später wurde er Chef vom Dienst bei Ö3, anschließend stellvertretender Chronikressortleiter der ORF-Radioinformation. 2012 übernahm Weißmann als Chefproducer Fernsehen die Verantwortung für das größte Programmbudget des Senders.

2021 wurde er schließlich vom Stiftungsrat zum ORF-Generaldirektor gewählt und trat sein Amt Anfang 2022 an. Nun endet seine Amtszeit abrupt mit dem Roland Weißmann Rücktritt.

Quellen und weiterführende Informationen

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