Doskozil zu Rendi-Wagner: "Wie im Kindergarten"

Im innerparteilichen Zwist zwischen SPÖ-Parteiobfrau Pamela Rendi Wagner und dem burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ist die Zeit der Samthandschuhe vorbei. Gekämpft wird jetzt mit harten Bandagen – und in aller Öffentlichkeit. Im Puls4-Sommergespräch hat Rendi-Wagner kürzlich zum nächsten Schlag ausgeholt. Und der sitzt: Inkonsequent und unehrlich sei Doskozil.

Rendi-Wagner wittert taktisches Foul

Ihr hartes Urteil über den burgenländischen Genossen fußt nicht nur auf einer langen Serie von Zwischenschüssen aus Eisenstadt. Zwei Tage nach dem Parteitag habe sie sich bezüglich dem Fall Leonie an Doskozil gewandt. Den Wunsch nach einer gemeinsamen Linie habe Doskozil mit dem Verweis negiert, dass er sich nicht zu dem Mord äußern wolle. Kurz darauf sei er alleine an die Öffentlichkeit gegangen. Ein Vorgehen, dass der Parteichefin sauer aufstößt und das sie im TV als „unehrlich und sehr inkonsequent“ bezeichnet.

Doskozil schlägt zurück

Jetzt hat sich auch Doskozil zu Wort gemeldet und den Auftritt seiner Chefin als Beflegelung verurteilt. „Das ist eine Posse, ich hör’ mir das gar nicht mehr an“, so Doskozil am Rande einer Pressekonferenz. Auf Rendi-Wagners Schilderung zum gemeinsamen Vorgehen geht der rote Landeshauptmann dennoch direkt ein: "Das ist Kindergartenniveau, wenn ich ein persönliches Telefonat im Gedächtnisprotokoll nacherzähle. Auf so ein Niveau begebe ich mich nicht. Wie meine Linie in Migrationsfragen ist, ist jedem klar in Österreich."

Das ist Kindergartenniveau. Auf so ein Niveau begebe ich mich nicht.

Kritik aus Kärnten, Salzburg und Wien

In den anderen Bundesländern beginnt es unterdessen zu rumoren. Während die burgenländische Fraktion Doskozil offensiv den Rücken stärkt, üben andere Verständnis dafür, dass der Parteibofrau der Kragen platzt (Rainer Wimmer, Vorsitzender der sozialdemokratischen Gewerkschater). Der großen Mehrheit der Genossen in den anderen Bundesländern ist der offene Krieg ein Dorn im Auge. Der Salzburger SPÖ-Chef David Egger sprach sogar eine Entschuldigung für das Bild aus, das seine Partei aktuell abgibt. Und auch der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig mahnt, sich auf politische Inhalte zu konzentrieren: "Die SPÖ ist kein Selbstverwirklichungsseminar und kein Sesselkreis."

Besonders deutliche Worte findet der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser. Die Beteiligten wären gut beraten, sich endlich zusammenzureißen.

Diskutieren und ja, auch streiten, solange bis roter Rauch aufsteigt – aber verdammt nochmal intern.

Autor: Stefanie Hermann, 13.07.2021