Offener Krieg in der SPÖ: Rendi-Wagner vs. Doskozil

Die Parteiobfrau wehrt sich. Mit Doskozil nimmt sie ihren schärfsten Kritiker ins Visier.
Autor: Stefanie Hermann, 09.07.2021 um 18:59 Uhr

Pamela Rendi-Wagner reicht’s: Auf die letzten Vorhaltungen des burgenländischen Landeshauptmanns reagiert sie ungewohnt scharf. Hans Peter Doskozil hatte sie kürzlich indirekt als ablösereif bezeichnet und mit Ex-ÖVP-Chef Mitterlehner verglichen. Das lässt sich die Rote Spitzenfrau nicht länger gefallen. Bei einer Diskussion zur Viertrage-Woche reißt ihr endgültig der Geduldsfaden. Sie spricht von Mobbing, Destruktion und vergleicht Doskozil mit dem Scharfmacher der Nation. Der frischgebackene FPÖ-Parteiobmann Herbert Kickl steht in der Kritik seinen Vorgänger Norbert Hofer regelrecht aus dem Amt gemobbt zu haben.

Offenbar will er hier Herbert Kickl imitieren, der durch eine sehr destruktive Art den Parteivorsitzenden der FPÖ gemobbt hat. Er verkennt aber, dass ich nicht Norbert Hofer bin und dieser destruktiven Art keinen Millimeter weichen werde.

„Es ist sehr schade, dass das passiert“, so die SPÖ-Chefin weiter, „ich habe ihn als einstigen großen Hoffnungsträger in unserer Partei gesehen.“ Mittlerweile schade er aber den Zielen der Sozialdemokraten.

Doskozil wittert Befindlichkeiten

Das sieht Doskozil, der die Anwürfe nicht auf sich sitzen lässt, freilich gänzlich anders. Aus dem Burgenland folgt postwendend die schriftliche Gegendarstellung. Für die Sozialdemokratie gäbe es von den wirtschaftspolitischen Folgen der Corona-Krise bis zur Arbeitslosigkeit genug Themen. Aber:

Wenn es der Parteivorsitzenden wichtiger ist, sich weiter mit der Suche nach Schuldigen für ihr Abstimmungsergebnis beim Parteitag zu beschäftigen, ist ihr das unbenommen. Die Menschen erwarten sich von der SPÖ aber sicher etwas anderes als den Austausch persönlicher Befindlichkeiten.

Seine Entscheidung, sich aus sämtlichen Bundesparteigremien zurückzuziehen, sieht Doskozil durch die jüngsten Vorfälle bestätigt.

 

Politische Kommentatoren beobachten die Kommunikations-Strategie der SPÖ-Chefin unterdessen mit Argusaugen.