Skurriler ZiB-Auftritt: Oberösterreich schreibt Corona-Geschichte

In Oberösterreich explodieren die Corona-Zahlen. Die Leiterin der Taskforce weiß wenig Antwort darauf.
Autor: Stefanie Hermann, 03.11.2021 um 07:28 Uhr

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat abgesagt. Die zuständige Gesundheitslandesrätin Christine Haberlander (ÖVP) hat abgesagt. Also schickt man die Leiterin der Corona-Krisenstabs der oberösterreichischen Landesregierung zum Interview in die ZIB 2. Dass es seitens der Politik nicht immer die beste Idee ist, sich hinter Beamten zu verstecken, wenn es unangenehm werden könnte, hat sich auch diesmal gezeigt.

Warum sind die Zahlen in Oberösterreich so hoch?

Aktuell sind die Corona-Infektionszahlen in Oberösterreich um die Hälfte höher als im bundesweiten Durchschnitt. Auch Carmen Breitwieser, Leiterin des oberösterreichischen Krisenstabs kann sich die Entwicklungen nicht so recht erklären. "Es ist ein Mix aus unterschiedlichen Ursachen", so Breitwieser auf Nachfrage von Moderator Armin Wolf. Und auch sonst lässt Breitwieser mit so manch sonderbarer Erklärung aufhören:

Gerade bei den Krankenhauszahlen sind wir immer im Schnitt, unterm Schnitt oder auch über dem Schnitt."

Antigen- statt PCR-Tests

Ganz so will Wolf das nicht stehen lassen. Oberösterreich hat bereits jetzt einen überproportional hohen Anteil an den Hospitalisierungen. Zudem gibt es unterdurchschnittlich viele PCR-Tests. Dies lasse eine noch höhere Dunkelziffer vermuten, so der ORF-Moderator. Salzburg teste dreimal mehr unter Verwendung des deutlich zuverlässigeren PCR-Tests, Wien sogar 15 Mal so viel. Warum dem so sei? Breitwieser: Man setze weiterhin auf Antigentests, das Angebot an PCR-Tests in Oberösterreich auszurollen, sei schwierig. Zur Erinnerung: Gerade bei der Delta-Variante haben sich Antigentests als deutlich unzuverlässiger erwiesen. In nur drei Bezirken wird in Oberösterreich das Gratis-PCR-Test-Programm "Alles gurgelt" angeboten, das neben Wien mittlerweile auch in der Steiermark und in Salzburg am Start ist. Weshalb das Bundesland immer so spät dran sei, möchte Wolf wissen.

Warum macht Oberösterreich nix?

Niedrige Impfquote, keine Motivation für Maßnahmen

"Wir haben seit Freitag die Maske im gesamten Handel ausgeweitet", so Breitwieser. "Natürlich muss die Maßnahme immer dann gesetzt werden, wenn die Bevölkerung sie auch mitträgt." Würde die Bevölkerung die Maßnahmen nicht verstehen, würden sie auch nicht eingehalten werden. Muss man daraus schließen, dass sie in Oberösterreich nicht verstanden werden? Das fragt auch Wolf und fügt an: "Sie haben ja auch die niedrigste Impfquote. Warum ist das so?" Antwort kann Breitwieser darauf freilich keine geben.

Im Netz sorgt das Interview für bares Erstaunen. DerVereinfacher wird seinem Namen gerecht und fasst die Conclusio vieler zusammen: "Ich übersetze "De Leit san hoit deppat. Wos soi ma mochn."

 

Interview sorgt für Fassungslosigkeit

Ihre wenig substanziellen Antworten rufen im Netz deutliche Reaktionen hervor. In den wenigen Erklärungen findet so mancher aber auch die ultimative Erklärung für das Corona-Geschehen in Oberösterreich. So Journalist Thomas Mayer: "Wenn das die Leiterin des Coronakrisenstabs ist, die in der #ZiB2 gerade alle Fakten abstreitet, die es zu Corona gibt, wundert einen nichts mehr. Wer die Pandemiegefahr derart banalisiert, muss die schlechtesten Infektionszahlen haben. Wahnsinn!"

"Antigen-Tests seien so zuverlässig wie PCR-Tests. Sagt die Leiterin des oö. Corona-Krisenstabs. Mehr braucht man über die aktuellen Zahlen in OÖ nicht zu wissen", ist sich auch User mir70 sicher.

Auftritt gibt Rätsel auf: Hat Breitwieser das ernst gemeint?

Und einige können den Auftritt auch nicht so recht glauben. Wie etwa User nedo04: „Wenn die Bevölkerung nicht will, kann man halt nichts machen“ ……ich glaubs ja noch immer nicht, dass Breitwieser das grad gesagt hat…."

Oberösterreich schreibt Corona-Geschichte

Der Spott ist jedenfalls sicher. Oberösterreich dürfte mit seinem aktuellen Vorgehen und der begleitenden Kommunikation jedenfalls schon jetzt Corona-Geschichte geschrieben haben. Oder anders, mit den Worten von Claudia Zettel gesagt:  "OÖ ist das neue Tirol. Alles richtig gemacht."

Und um auch noch die Frage von Userin Vera Lacina zu beantworten: "Kann ein Interview auch cringe sein?" Die Antwort ist ja.