Wissenschaftler: Medien schuld an Corona-Panik und Lockdown

Die Berichterstattung in TV und Presse habe in der Corona-Krise Angst und Schrecken verbreitet und so Lockdowns erzwungen.
Autor: Andrea Schröder, 09.07.2021 um 12:52 Uhr

Diese Kritik richtet sich zwar an deutsche Medien. Inhaltlich lässt sich die Analyse von Medienforscher Stephan Ruß-Mohl auch nach Österreich übertragen. Die Medien hätten, so der Wissenschaftler,  mit einem "grotesken Übersoll an Berichterstattung Handlungsdruck in Richtung Lockdown" erzeugt.

Allein schon die exzessive Menge an Berichten schürte Panik.

Die Zahlen sprechen auch in Österreich für sich.  Im Monat nach der Pressekonferenz vom 13. März 2020 strahlte der ORF 224 Sondersendungen im TV und rund 300 in den Radios aus. Als meistgenutzte Informationsquelle in Österreich erreichte der ORF mit diesen Sendungen sagenhafte 93 Prozent der TV-Bevölkerung.

Bundeskanzler Kurz und Innenminister Nehammer

Medien-Professor Stephan Russ-Mohl hatte  den "Handlungsdruck in Richtung Lockdown" schon Ende 2020 thematisiert.  Als das Magazin "Cicero" jetzt nachhakte, bekräftigte der Forscher seinen Vorwurf an die Medien: "Sie haben eine Mitschuld. Und das ist etwas, was sie partout nicht bereit sind zu konzedieren (zuzugeben, Anm.), worüber ich mich wundere."

Auch der prominente deutsche Virologe Christian Drosten übt Kritik an den Medien. Sein Vorwurf klingt erstmal absurd: Die Berichterstattung sei oft "zu ausgewogen". Selbst exotische Außenseitermeinungen bekämen ihren Platz, nur damit man dem Medium ja keine Einseitigkeit unterstellen kann.

Nicht die Realität

Drostens Argument: Wenn extreme Positionen medial gleich gewichtet würden wie wissenschaftlich fundierte Meinungen ("false Balance"), führe das zu einer einer falschen Abbildung der Realität.

Bundeskanzler Kurz und Virologe Christian Drosten