Medien und Corona: der stärkste Stoff, seit es Nachrichten gibt

Ja, ich habe versucht, von dem Zeug loszukommen. Fast ein Jahr hatte ich es mir schon reingezogen: Morgens online Inzidenzwerte checken, vormittags dann die Regierung live im TV („vor uns liegen jetzt die härtesten Wochen“). Abends ZIB 1 und 2, und vor dem Schlafengehen noch eine Talkrunde mit den immer gleichen Gesichtern. Ich war süchtig nach diesem Corona. Während der Alki an der Supermarktkassa noch schnell drei Fläschchen Schnaps auf das Laufband legte, scannte ich die Headlines im Zeitungsständer nach irgendeiner Neuigkeit, einer Entwicklung, die ich verpasst haben könnte. Stets vergeblich.

Clean, aber nicht lange

Chancen auf einen Entzug boten einzig die US-Wahl und die Vereidigung des neuen Präsidenten. Ich habe es wirklich versucht, viele Stunden mit CNN verbracht und Trump ein herzliches „Auf Nimmerwiedersehen!“ hinterhergerufen. Die cleane Phase hat nicht lange gedauert. Welche Themen könnten es schon mit Corona aufnehmen? Menschenunwürdige Flüchtlingslager, die Klimakrise oder die Grünen, die sich in der Regierung gerade unmöglich machen? Wir brauchen schon Stärkeres. Wie viele Menschen sind eigentlich seit gestern an/mit Corona gestorben? Moment, ich checke das ...

Porträt der Chefredakteurin Andrea Schröder
Autor: Andrea Schröder, 08.02.2021