Cybercrime: So werden Sie im Internet abgezockt

Die nackten Zahlen sprechen eine klare Sprache. Gegenüber 2019 ist die Cyberkriminalität 2020 um mehr als ein Viertel gestiegen. Offiziell! Denn Kriminalisten wie Alexander Riedler vom Landeskriminalamt Oberösterreich gehen von einer sehr hohen Dunkelziffer von nicht angezeigten Delikten aus. Schätzungen zufolge kommen auf ein angezeigtes Delikt rund 17 nicht angezeigte Fälle. Besonders stark gestiegen ist die Kriminalität bei Käufen und Verkäufen übers Internet, rund die Hälfte aller Cyberdelikte entfallen auf diesen Bereich. Und auch uns wurden zwei sehr skurrile Fälle in diesem Zusammenhang zugetragen.

Betrogen beim Laptop-Verkauf auf willhaben

Als der stationäre Handel geschlossen hatte, florierte der Onlinehandel. Sowohl bei Onlineshops, als auch bei Privatverkäufen über Österreichs-Platzhirschen willhaben. Weekend-Leser ­Manfred G. verkauft dort gerne und hatte einen teuren Laptop im Wert von rund 1.700 Euro im Angebot. An einem Samstagnachmittag erhielt er ein Angebot. Der Käufer wollte sich gleich ­treffen, mit Kaufvertrag und Überweisungsbestätigung.Nach dem Austausch der Daten kam es zum Treffen. Der junge Mann wirkte sehr seriös, hatte alles vorbereitet und eine schöne Story. Sein Vater hätte ihm Geld für den Laptop gegeben und den Rest hätte er sich vom Mund abgespart. Weekend-Leser G. wollte zwar noch den Ausweis überprüfen, der junge Mann hatte allerdings keinen mit. Im Vertrauen gab G. dem Käufer seinen Laptop mit. Drei Tage später saß er bei der Polizei, er war betrogen worden. Kaufvertrag und Überweisungsbestätigung waren gefälscht. G. ließ aber nicht locker und stellte dem Betrüger, zusammen mit einem Freund eine Falle. Ein ähnlicher Laptop wurde inseriert, der Betrüger biss erneut an und konnte, zusammen mit der Polizei, festgenommen werden. G. hat aber bis dato weder Geld noch Laptop retour. Denn der jugendliche ­Täter hatte das Gerät bereits weiterverkauft. Und wenn der neue Käufer das Gerät im guten Glauben gekauft hat, bekommt G. es nicht wieder. Ein unsägliches Gesetz, welches zwar den Warenverkehr sicherer machen soll, im Endeffekt aber Hehlerware legalisiert. G. kann sich zwar beim geschnappten Betrüger schadlos halten, das Geld ist aber längst ausgegeben.

Der Postler als Langfinger?

Ja, auch das gibt es! Im zweiten Fall bestellte Weekend-Leser Franz I. ein Smartphone über den neuen Kaufdienst Pay­Livery bei willhaben. Der beinhaltet auch Käuferschutz. I. wiegte sich in Sicherheit. Das Paket wurde vom Verkäufer versendet, kam jedoch leer bei I. an. Zuerst fiel der Verdacht auf den Verkäufer, bald stellte sich jedoch heraus, dass der Inhalt des Pakets am Postweg entnommen wurde. An jenem Tag laut Polizei sogar im großen Stil in einem Verteilzentrum der Post. I. hatte jedoch Glück, dank Käuferschutz bekam er sein Geld retour und auch der Verkäufer wurde von der Post entschädigt.

Cyberkriminelle organisieren sich

Aber nicht nur bei Käufen/Verkäufen kam es zu Problemen. Auch der Diebstahl von sensiblen Daten über E-Mail (Phishing), Kreditkartenbetrug und SMS-Betrug erlebten im Pandemiejahr einen Aufschwung. Die Täter gehen dabei so professionell vor wie nie. Für redliche Bürger ist eine Fake-Seite/-E-Mail/-SMS fast nicht mehr vom Original unterscheidbar.

Aber sind wir hilflos? Nein! Wir müssen nur noch mehr hinterfragen, vorsichtig sein und uns technisch gut absichern. Dann haben es die Diebe nach wie vor schwer, uns zu betrügen. Weitere Tipps gibt Cyberkrime-Experte und Kripo-Beamter Alexander Riedler im Weekend-Interview.

 

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 18.08.2021