Interview: So schützen Sie sich gegen Cybercrime

weekend: War die Pandemie ein ­Beschleuniger für Cyberkriminalität?
Riedler: Wir hatten schon vor 2020 einen stetigen Anstieg an derartigen Delikten. Im Jahr der Pandemie ist jedoch online viel passiert. Die Dunkelziffer, gerade in diesem Bereich, ist sehr hoch.


weekend: Meinen Sie, es wird zu wenig angezeigt?    
Riedler: Auf ein angezeigtes Delikt kommen etwa 17, die nicht angezeigt werden. Mit mehr Anzeigen hätten wir ein klareres Bild, was wirklich passiert.


weekend: Wie erklären Sie sich diese Schieflage?    
Riedler: Ein wesentlicher Faktor ist Scham. Es handelt sich meist um Betrugsdelikte. Vielleicht wird man vom Betrüger mit eindeutigen Fotos erpresst oder man hat einer angeblichen Liebe Geld überwiesen. Oder man schämt sich deshalb, weil man einem im Grunde einfachen Trick aufgesessen ist, zum Beispiel beim Privatkauf. Denn man hört zwar oft von Fällen, aber man glaubt nicht, dass es einen selbst erwischen kann.


weekend: Viele Maschen sind uns aber schon jahrelang ­bekannt, warum nimmt es gerade jetzt wieder so zu?     
Riedler: Vor einigen Jahren waren gefälschte Mails, SMS oder betrügerische Shops im Internet voller Fehler und konnten relativ leicht als „Fake“ enttarnt werden. Bedauerlicherweise haben sich die Täter aber professionalisiert und werden immer besser. Daher wird es für uns redliche Bürger immer schwieriger, solche Fakes zu entlarven. Wir müssen einfach noch mehr auf der Hut sein!

weekend: Wie können wir uns konkret schützen?
Riedler: Bei Betrügereien wie Phishing, SMS-Betrug oder Versprechen vom großen Lotteriegewinn reicht es, einfach zu hinterfragen und die Links nicht anzuklicken. Denn wenn man dem Gauner nicht die Tür öffnet, kann er nicht rein. Schwieriger wird es bei der Absicherung der eigenen IT-Infrastruktur, also PC, Handy und Co.


weekend: Was raten Sie?     
Riedler: Wir haben es selbst in der Hand! Bei Smartphones und Computer unbedingt Updates machen. Antivirensoftware aktuell halten, die Firewall aktivieren und starke Passwörter mit Sonderzeichen, Großbuchstaben und Zahlen wählen. Das WLAN unbedingt absichern und auch bei Geräten wie Überwachungskameras die Standardpasswörter ändern. Wir sichern unsere Häuser und Autos teilweise sehr gut mit Alarmanlagen  oder baulichen Maßnahmen ab, auf unsere IT vergessen wir viel zu oft!


weekend: Und bei Problemen anzeigen?     
Riedler: Für einen Cyber­crime-Verdacht oder für Informationen gibt es vom Bundeskriminalamt auch eine Cybercrime-­Meldestelle im Internet. Wenn allerdings bereits ein Schaden eingetreten ist, unbedingt zur Polizei und Anzeige erstatten!


weekend: Abschließend noch eine Frage: Kleben Sie ihre Kameras ab?     
Riedler: Ja, denn damit eliminiere ich ein Risiko.

Autor: Lukas Steinberger-Weiß, 18.08.2021