Attersee: Darum war die Flugzeugbergung so gefährlich
Die Bergung des abgestürzten Kleinflugzeugs aus dem Attersee war nicht nur technisch kompliziert, sondern auch eine körperliche Extrembelastung für die eingesetzten Spezialtaucher. Das Wrack lag in mehr als 160 Metern Tiefe, weit außerhalb jenes Bereichs, in dem gewöhnliche Einsatztaucher arbeiten. Stundenlange Vorbereitung, spezielle Atemgase und ein extrem langsamer Aufstieg waren notwendig, um die Aktion möglichst sicher durchführen zu können.
Spezialtaucher steigen zum Wrack hinab
Am Montag gegen 10 Uhr begannen zwei speziell ausgebildete Taucher mit dem Abstieg zum Wrack des Kleinflugzeugs. Dieses war nach dem Absturz rund 300 Meter vom Ufer entfernt auf den Grund des Attersees gesunken und in etwa 163 Metern Tiefe lokalisiert worden.
Zuvor waren mehrere Versuche mit einem Tauchroboter gescheitert, eine geeignete Bergeleine am stark beschädigten Flugzeug anzubringen. Deshalb mussten schließlich Menschen in die enorme Tiefe hinabsteigen und die Taue direkt am Wrack befestigen.
Erst danach konnte die Maschine mit Hilfe der vorbereiteten Bergungstechnik Richtung Oberfläche gebracht und schließlich abtransportiert werden.
Warum bei 40 Metern meist Schluss ist
Wie außergewöhnlich der Einsatz war, zeigt ein Vergleich mit den regulären Einsatztauchern der Wasserrettung Salzburg. Diese sind laut Tauchreferent Daniel Bischof, gegenüber SALZBURG24, für Tiefen bis maximal etwa 40 Meter ausgebildet.
Das ist für die meisten Salzburger Seen ausreichend. Tiefere Gewässer wie der Wolfgangsee oder der Zeller See können bei Einsätzen jedoch Spezialkräfte erforderlich machen. Ab etwa 40 Metern beginnt der Bereich des sogenannten technischen Tauchens.
In großen Tiefen steigt außerdem der Druck der Atemgase stark an. Normale Pressluft stößt deshalb an Grenzen. Bei extremen Tieftauchgängen werden spezielle Gasgemische, etwa mit Helium, sowie teilweise sogenannte Rebreather verwendet.
Aufstieg dauert mehrere Stunden
Besonders gefährlich ist nicht nur der Abstieg, sondern auch die Rückkehr an die Oberfläche. Unter dem hohen Wasserdruck nimmt der Körper vermehrt Inertgase wie Stickstoff auf.
Würde ein Taucher anschließend zu schnell auftauchen, könnten sich Gasblasen im Körper bilden. Im schlimmsten Fall droht die sogenannte Dekompressionskrankheit, die schwere gesundheitliche Schäden verursachen kann.
Deshalb mussten die Spezialisten beim Einsatz am Attersee auf dem Weg nach oben zahlreiche längere Stopps einlegen. Der Aufstieg aus der Tiefe dauerte dadurch rund dreieinhalb Stunden. Für einen derartigen Einsatz müssen Gasvorräte, Zeitplan und mögliche Notfallszenarien bereits im Vorfeld exakt berechnet werden.
Druckkammer steht für Notfall bereit
Auch an der Oberfläche waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen vorbereitet. Beim Einsatz stand unter anderem eine mobile Druckkammer bereit. Sollte ein Taucher Symptome einer Dekompressionskrankheit entwickeln, kann darin der Umgebungsdruck wieder künstlich erhöht und anschließend kontrolliert reduziert werden.
Das abgestürzte Kleinflugzeug war am vergangenen Mittwoch kurz nach seinem Start in Salzburg bei Steinbach am Attersee ins Wasser gestürzt. An Bord befanden sich eine 19-jährige Flugschülerin und ihr 24-jähriger Fluglehrer aus Deutschland. Beide kamen bei dem Unglück ums Leben.