Drohnen-Anschlag in Leipzig: Berlin beschuldigt Russland
- Russland soll hinter Sprengstoff-Drohne in Leipzig stecken
- Sprengstoff-Drohne sollte offenbar ukrainisches Flugzeug treffen
- Zweite Drohne und Sprengstoff entdeckt
- Deutschland bereitet Antwort gegen Russland vor
- Diplomaten raus? Diese Maßnahmen gegen Russland stehen im Raum
- Merz kündigt Konsequenzen für Drahtzieher an
Deutschland steht nach dem versuchten Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle vor einer folgenschweren Entscheidung. Nach übereinstimmenden Medienberichten geht die Bundesregierung davon aus, dass ein russischer Geheimdienst hinter der Sprengstoff-Drohne steckt. Damit macht Berlin Russland erstmals direkt für die Attacke verantwortlich. Noch am Dienstag wollen Innenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul die Ermittlungsergebnisse präsentieren.
Was über den Anschlag in Leipzig bekannt ist
- Ort: Flughafen Leipzig/Halle
- Zeitpunkt: Nacht vom 4. auf den 5. August
- Sprengstoff: Rund 600 Gramm befanden sich laut „Bild“ an der Drohne.
- Mutmaßliches Ziel: Eine ukrainische Antonow-Frachtmaschine
- Zünder: Der Sprengsatz detonierte offenbar nicht, weil der Zünder versagte.
- Verdacht: Die Bundesregierung will den Anschlagsversuch einem russischen Geheimdienst zuschreiben.
Russland soll hinter Sprengstoff-Drohne in Leipzig stecken
Die Ermittlungen zum versuchten Sprengstoffanschlag am Flughafen Leipzig/Halle haben offenbar eine entscheidende Wendung genommen. Nach Informationen von „Bild“ und „Spiegel“ haben sich die Erkenntnisse inzwischen so weit verdichtet, dass die Bundesregierung die Attacke einem russischen Geheimdienst zuschreiben will.
Welcher russische Nachrichtendienst konkret hinter dem Anschlagsversuch stehen soll, ist aktuell noch nicht bekannt. US-Medien haben bereits zuvor unter Berufung auf Geheimdienstkreise berichtet, dass Merkmale des Angriffs auf den russischen Militärgeheimdienst GRU hindeuten könnten.
Sprengstoff-Drohne sollte offenbar ukrainisches Flugzeug treffen
Der Anschlagsversuch ereignete sich in der Nacht vom 4. auf den 5. August. Im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle wurde eine mit Sprengstoff präparierte Drohne in unmittelbarer Nähe ukrainischer Antonow-Frachtflugzeuge entdeckt.
Nach „Bild“-Informationen trug die Drohne, deren Zünder versagte, rund 600 Gramm Sprengstoff und sollte offenbar eine ukrainische Frachtmaschine treffen. Teile des Quadrokopters wurden auf der Tragfläche einer Antonow entdeckt, in deren Bereich sich auch Treibstofftanks befinden.
Der Flughafen Leipzig/Halle ist nicht nur ein ziviles Logistikdrehkreuz. Er spielt auch für Transporte der Bundeswehr und der NATO eine wichtige Rolle. Die Bundesanwaltschaft spricht von einem „schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland“.
Zweite Drohne und Sprengstoff entdeckt
Der Fund am Flughafen blieb aber nicht der einzige. Rund zehn Tage später wurde in Kabelsketal im Saalekreis eine weitere Drohne entdeckt. Auch dort stellten Ermittler Sprengstoff sicher.
Im Zuge der Ermittlungen ist zudem eine Substanz gefunden worden, bei der es um Hexogen, auch als T4 bekannt, handeln soll – ein hochexplosiver militärischer Sprengstoff.
In Kursdorf nahe dem Flughafen haben Ermittler außerdem eine technische Konstruktion gefunden, die möglicherweise zur Steuerung einer Drohne verwendet worden ist.
Die Sicherheitsbehörden prüfen darüber hinaus mögliche Verbindungen zu weiteren Vorfällen in Europa. Laut „Bild“ bestehen Verknüpfungen zu Drohnen- und Sprengstofffunden sowie anderen Vorfällen, unter anderem in Rumänien.
Deutschland bereitet Antwort gegen Russland vor
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul wollen noch heute, Dienstag, über die Erkenntnisse und die Konsequenzen informieren.
Wadephul unterbricht dafür seine Reise von Algerien zum EU-Außenministertreffen in Irland und kehrt für Beratungen nach Berlin zurück. Der Außenminister kündigt bereits eine entschlossene, aber überlegte Reaktion an. „Von unserer Seite gibt es keine Überreaktionen, aber Reaktionen, wenn wir angegriffen werden“, sagt Wadephul.
Deutschland lasse sich „in keiner Weise einschüchtern“. „Deutschland muss sich so aufstellen, dass jeder, der uns angreift, weiß, wir finden Antworten. Und das bereiten wir jetzt sorgfältig vor.“
Welche Konsequenzen drohen Russland?
Die Bundesregierung bereitet nach dem versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle eine Reaktion vor. Welche Maßnahmen gegen Russland tatsächlich beschlossen werden, ist noch offen.
- Russischen Botschafter einbestellen: Der Botschafter könnte ins Auswärtige Amt einbestellt werden.
- Diplomaten ausweisen: Die Ausweisung weiterer russischer Diplomaten steht im Raum.
- Weitere Sanktionen: Zusätzliche Maßnahmen gegen Russland könnten mit europäischen Partnern abgestimmt werden.
- Generalkonsulat in Bonn: Eine Schließung des letzten noch geöffneten russischen Generalkonsulats wird diskutiert.
- Russisches Haus in Berlin: Auch Maßnahmen gegen die Einrichtung stehen laut „Spiegel“ zur Debatte.
Diplomaten raus? Diese Maßnahmen gegen Russland stehen im Raum
Welche Konsequenzen Russland konkret drohen, ist aktuell noch offen. Die Bundesregierung will ihre Antwort mit europäischen Partnern abstimmen. Von Beratungen innerhalb der NATO nach Artikel 4 will die Bundesregierung vorerst absehen.
Diskutiert wird unter anderem über die Ausweisung russischer Diplomaten. Auch die Einbestellung des russischen Botschafters ins Auswärtige Amt ist möglich.
Darüber hinaus sind weitere Sanktionen gegen Russland im Gespräch. Laut „Spiegel“ wird innerhalb der Bundesregierung über eine Schließung des letzten noch geöffneten russischen Generalkonsulats in Bonn sowie über Maßnahmen gegen das Russische Haus in Berlin diskutiert.
Merz kündigt Konsequenzen für Drahtzieher an
Bundeskanzler Friedrich Merz hat bereits vor der geplanten öffentlichen Zuschreibung Konsequenzen angekündigt. Zu den Verantwortlichen erklärt er: „Die Bundesregierung erlegt Urhebern hybrider Angriffe einen Preis auf. Sie werden dafür bezahlen.“
FAQ: Russland und der Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle
Steckt Russland hinter dem Anschlag in Leipzig?
Nach übereinstimmenden Medienberichten geht die Bundesregierung davon aus, dass ein russischer Geheimdienst hinter dem versuchten Anschlag am Flughafen Leipzig/Halle steckt. Welcher russische Nachrichtendienst konkret verantwortlich sein soll, ist zunächst nicht bekannt.
Was ist am Flughafen Leipzig/Halle passiert?
In der Nacht vom 4. auf den 5. August ist im Sicherheitsbereich des Flughafens Leipzig/Halle eine mit Sprengstoff präparierte Drohne entdeckt worden. Sie befand sich in unmittelbarer Nähe ukrainischer Antonow-Frachtflugzeuge.
Was war das Ziel der Sprengstoff-Drohne?
Nach den vorliegenden Berichten sollte die mit rund 600 Gramm Sprengstoff bestückte Drohne offenbar eine ukrainische Frachtmaschine treffen. Der Zünder hat jedoch versagt.
Welche Beweise gibt es gegen Russland?
Die Bundesregierung hält die bisherigen Ermittlungsergebnisse laut Medienberichten für ausreichend, um den Anschlagsversuch einem russischen Geheimdienst zuzuschreiben. Einzelheiten zu den Beweisen und zum konkret verdächtigten Nachrichtendienst sind zunächst nicht öffentlich bekannt.
Wie könnte Deutschland auf Russland reagieren?
Im Raum stehen unter anderem die Ausweisung russischer Diplomaten, eine Einbestellung des russischen Botschafters und weitere Sanktionen. Auch Maßnahmen gegen das russische Generalkonsulat in Bonn und das Russische Haus in Berlin werden laut Medienberichten diskutiert. Beschlossen sind diese Schritte zunächst nicht.
Quellen und weiterführende Informationen