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Marko Arnautovic mit nachdenklichem Blick im ÖFB-Teamdress
Mutiges Geständnis: Marko Arnautovic spricht offen über seine Depression und den „Horror“ der Isolation in China.
Mutiges Geständnis: Marko Arnautovic spricht offen über seine Depression und den „Horror“ der Isolation in China.
EXPA / APA / picturedesk.com

"Ich habe Angst": Arnautovic packt über Depression aus

20.04.2026 um 11:59, Marcel Toifl
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Marko Arnautovic spricht erstmals offen über seine Depression während der Zeit in China. Der ÖFB-Star schildert Details und seine Angst vor Tabletten.

Kurz vor dem Start der Weltmeisterschaft 2026 sorgt ÖFB-Rekordtorschütze Marko Arnautovic mit einem höchst persönlichen Geständnis für Aufsehen. Im Podcast „Servus, WM! We are from Austria“ von Servus TV offenbart der 37-Jährige, dass er während seiner Zeit in China schwer an einer Depression erkrankte. Ausgelöst durch die extreme Isolation der Corona-Pandemie, durchlebte der Wiener eine Phase, die er heute als puren „Horror“ beschreibt.

Horror in China: Isolation ohne Fenster und Licht

Die Zeit bei Shanghai Port wurde für Arnautovic zur mentalen Zerreißprobe. Besonders die strengen Quarantäne-Maßnahmen setzten dem Stürmer zu. „Ich musste in ein Hotel für zwei Wochen. Ich durfte die Tür nicht aufmachen. Ich hatte kein Fenster“, schildert er die traumatischen Erlebnisse. Hinzu kamen unzählige medizinische Kontrollen und eine völlige soziale Isolation, die den Profisportler an seine Grenzen brachte.

Depression: „Das, was keiner wusste“

Die psychische Belastung mündete schließlich in eine schwere Phase. Arnautovic erinnert sich mit Schaudern an diese Zeit zurück: „Ich bin dann in so eine Depression reingekommen, über die keiner wusste. Das war schlimm“, gesteht Marko Arnautovic ungefiltert gegenüber Reporterin Julia Kienast.

Er habe sich oft gefragt, ob das hohe Gehalt in China es wert sei, sein Leben und die Zeit mit seiner Familie „wegzuschmeißen“. Gedanken an Suizid habe er jedoch nie gehabt; stattdessen versuchte er, sich mit Dokumentationen und Training im Zimmer über Wasser zu halten.

Keine Medikamente: „Ich habe Angst vor Tabletten“

Trotz der Schwere seiner Depression entschied sich Arnautovic bewusst gegen eine medikamentöse Therapie. Der Grund dafür ist eine persönliche Phobie des Rekordspielers: „Ich habe Angst vor Tabletten. Ich war aber knapp davor, es war richtig schlimm“, offenbart der Stürmer. Statt auf Chemie setzte er auf intensive Gespräche mit seinen Liebsten und harte mentale Arbeit an sich selbst. Er habe sich immer wieder eingeredet, dass nach dem Regen irgendwann wieder die Sonne kommen müsse.

Rettung durch Bologna: Familie als wichtigster Anker

Der Wechsel zum italienischen Erstligisten Bologna markierte schließlich die Wende. Endlich konnte Arnautovic wieder Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern verbringen – Dinge, die er heute mehr schätzt als jedes Millionengehalt. „Es gibt nichts Schöneres, als wenn du eine gesunde Familie hast“, betont er heute. Dass sich seine Kinder streiten oder seine Frau mit ihm diskutiert, sei für ihn das Zeichen, dass er wieder wirklich lebt.

Heute steht Arnautovic wieder voll im Leben: Mit Roter Stern Belgrad greift er nach der serbischen Meisterschaft und blickt voller Vorfreude auf die kommende WM.

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