Olympia-Finale: Anna Gasser geht „all in“
Der große Olympia-Hattrick bleibt aus: Anna Gasser verpasst bei den Olympischen Winterspielen im Big Air ihre dritte Goldmedaille in Folge. Im Finale setzt die Kärntnerin alles auf eine Karte, stürzt jedoch früh und beendet den Bewerb auf Rang acht. Für Anna Gasser ist es ein bitterer Moment bei Olympia.
Ein Finale mit hohem Risiko
Das Big-Air-Finale entwickelt sich rasch zu einem Bewerb der Extreme. Bereits der erste Sprung bringt die Vorentscheidung: Anna Gasser stürzt bei einem Switch Frontside 1260 und gerät sofort unter Zugzwang. Auch im zweiten Versuch kann sie nicht entscheidend Boden gutmachen. Zwar steht sie den Trick, doch die Landung ist nicht sauber genug, um im Kampf um die Medaillen mitzuhalten.
Damit ist früh klar: Der historische Big-Air-Hattrick bei Olympia wird außer Reichweite geraten.
„Wenn ich den ersten Sprung gestanden hätte …“
Nach dem Bewerb zeigt sich Anna Gasser emotional, aber gefasst. „Ich glaube, es wird noch ein bisschen dauern, bis ich das wirklich verdaut habe“, sagt sie im ORF. Die zweifache Olympiasiegerin betont, dass sie nicht als Favoritin ins Finale gegangen sei, auch wegen einer Schulterverletzung, die sie im Sommer monatelang ausgebremst hatte.
„Mit der Verletzung im Vorfeld ist mir einfach Training abgegangen“, erklärt Gasser. Dennoch habe sie bis zuletzt an ihre Chance geglaubt: „Wenn ich den ersten Sprung gestanden hätte, wäre wirklich alles möglich gewesen.“
Bewusst alles auf eine Karte gesetzt
Die Strategie der Snowboard-Ikone ist klar: maximales Risiko. Gasser weiß, dass im hochklassig besetzten Finale nur höchste Schwierigkeit eine Medaillenchance bietet. „Wenn ich etwas Sichereres gemacht hätte, wäre ich vielleicht Fünfte oder Sechste geworden. Das hätte mir dann auch nichts gebracht“, erklärt sie offen.
Bereuen will sie diese Entscheidung nicht. „Ich kann mir nichts vorwerfen. Ich habe alles probiert.“ Besonders stolz sei sie darauf, nach der Verletzung überhaupt wieder dieses Niveau erreicht zu haben.
Ein würdiger Abschluss – vorerst
Im dritten und letzten Versuch zeigt Anna Gasser noch einmal einen Backside Doublecork 1080, einen für sie vergleichsweise sicheren Sprung. Zuvor verbeugt sie sich in Richtung Kamera, ein stiller, emotionaler Moment. „Ich wollte den letzten Versuch einfach noch ein bisschen genießen.“
Für diesen Sprung erhält sie 76,25 Punkte, insgesamt kommt sie auf 121,25 Zähler. Ob es ihr letzter Big-Air-Auftritt bei Olympischen Spielen ist, lässt Gasser offen.
Gold für Murase, Karrer sammelt Erfahrung
Gold geht an Japans Kokomo Murase, die mit 179 Punkten vor Zoi Sadowski-Synnott aus Neuseeland und Yu Seung-eun aus Südkorea triumphiert. Anna Gasser zeigt sich als faire Verliererin: „Es wäre abnormal gewesen, wenn ich das dritte Mal Olympia gewonnen hätte. Ich freue mich, dass ich die Krone weitergeben kann.“
Hanna Karrer beendet ihr Olympia-Debüt auf Rang zwölf. Die 18-Jährige zeigt viel Mut, stürzt jedoch bei ihren schwierigsten Versuchen. „Ich bin im Großen und Ganzen sehr stolz auf mich“, sagt die Steirerin.
Noch eine Chance auf Olympia
Ganz vorbei ist Olympia für Anna Gasser noch nicht. In einer Woche steht in Livigno der Slopestyle-Bewerb an. Dort will sie ein weiteres Kapitel ihrer außergewöhnlichen Karriere schreiben, vielleicht ein letztes.