One Love-Binde bei WM: heftige Reaktionen auf Verbot

Aus dem angekündigten Angriffsspiel wurde ein kleinlauter Rückpass: Sieben europäische Teams knickten vor der FIFA ein. Oder doch nicht?
Autor: Andrea Schröder, 22.11.2022 um 10:27 Uhr

Die erste Mannschaft, die sich dem Verbot durch die FIFA unterworfen hat, ist England:  Kapitän Harry Kane hat im Spiel gegen den Iran auf das Tragen der "One Love"-Kapitänsbinde verzichtet. Stattdessen trug er eine "Anti Diskrimierungs-Binde", die die FIFA zur Verfügung gestellt hat.

Porträt am Platz

Im Vorfeld der WM hatten die Fußballverbände von England, Wales, Belgien, Dänemark, Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz angekündigt, ihre Kapitäne mit der One Love-Binde aufs Spielfeld zu schicken.

Nahaufnahme der Binde

 

Doch nach Drohungen der FIFA, in diesem Fall nicht nur Geldstrafen zu verhängen, sondern etwa auch Spielsperren, machte man einen Rückzieher. Nicht ohne in einer gemeinsamen Erklärung (kraftlos) nachzutreten:

Die FIFA hat sehr deutlich gemacht, dass sie sportliche Sanktionen verhängen wird, wenn unsere Kapitäne die Armbinden auf dem Spielfeld tragen werden. Wir haben unseren Kapitän gebeten, die Armbinde bei den Spielen dieser Weltmeisterschaft nicht zu tragen.

 

Die Teams seien zwar bereit, "Bußgelder zu zahlen, die normalerweise für Verstöße gegen die Ausrüstungsvorschriften verhängt würden, können aber die Spieler nicht in die Situation bringen, dass sie verwarnt oder sogar gezwungen werden, das Spielfeld zu verlassen".

Besonders in Deutschland zeigt man sich angesichts des "Binden-Dilemmas" extrem enttäuscht. So fährt die Tageszeitung Bild eine Kampagne, in der sie den Kapitän der deutschen Nationalmannschaft Manuel Neuer auffordert, am Mittwoch mit der One Love-Binde aufzulaufen.

Hoffnung stirbt zuletzt

Auf Twitter schließen sich viele deutsche Fans diesem Aufruf an. Ihre Hoffnung: dass Neuer beim Spiel gegen Japan für eine Überraschung sorgt und doch die "One Love"-Botschaft verbreitet. Andere fordern einen Abbruch:

Folgen sind kostspielig

Die neueste Entwicklung: Werbepartner wenden sich vom DFB Nationalteam ab. Der Kölner Handelskonzern Rewe beendet wegen der FIFA-Entscheidung zur "One-Love"-Armbinde ab sofort die Kooperation mit dem Deutschen Fußball-Bund.

Das bei Rewe derzeit erhältliche Sammelalbum wird ab sofort gratis abgegeben, die Kosten dafür trage das Unternehmen.