ORF-Knall: Ö3 spielt Kickl-Song
- Chart-Einstieg mit Parteisong
- Spannung vor der Sendung
- Ö3 spielt den Song
- Politische und musikalische Einordnung
Der Titel "Immer vorwärts FPÖ" der John Otti Band "ft. Herbert Kickl" hat es tatsächlich in die Ö3-Charts geschafft. Mit Platz 20 in den "Austria Top 40" tauchte erstmals ein Song einer wahlwerbenden Partei in den offiziellen Verkaufs- und Streamingcharts auf, was für hitzige Diskussionen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sorgte.
Chart-Einstieg mit Parteisong
Zwischen internationalen Größen wie The Killers und dem deutschen Rapper Zartmann fand sich in dieser Woche ein ungewohnter Name in den Charts: „Immer vorwärts FPÖ“. Der Song, veröffentlicht von der John Otti Band, die seit Jahren als inoffizielle Hausband der Freiheitlichen gilt, wurde offiziell als „featuring Herbert Kickl“ geführt. Der Songtext preist den Parteichef und ruft zu „Gerechtigkeit und Frieden“ auf. In einer Zeile heißt es: „Zuerst das Volk und dann der Kanzler, Herbert Kickl geht voran.“
Durch gezielte Aufrufe auf den parteieigenen Kanälen mobilisierte die FPÖ ihre Anhängerschaft: „Ein Song. Ein Ziel. Ein Klick. Hilf dem neuen Hit in die Charts.“ Der Plan ging auf. Laut Ö3 lag der Titel in den Verkaufszahlen vor Weltstars wie Bruce Springsteen oder Bad Bunny. Auf YouTube erreichte das Lied der John Otti Band über 72.000 Aufrufe.
Spannung vor der Sendung
Am Montagvormittag trat FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker gemeinsam mit ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler vor die Presse. Die beiden erklärten, man sei „gespannt“, ob Ö3 den Song tatsächlich spielen werde. Hafenecker sagte wörtlich: „Ich bin gespannt, ob man heute Abend auf Ö3 den Mut hat, den Geschmack der Österreicher abzubilden, oder ob die Zensur-Schere im Kopf der Redakteure siegt.“
Zuvor hatte Ö3 auf Anfrage des Kurier mitgeteilt, man diskutiere intern, ob der Song „Immer vorwärts FPÖ“ im Rahmen der Chartsendung gespielt werden solle.
Ö3 spielt den Song
Am Abend folgte die Entscheidung: Der Titel der John Otti Band wurde gespielt – wenn auch nur in einem kurzen Ausschnitt. Moderatorin Jana Petrik kündigte den Moment mit den Worten an: „Das hat es in dieser Form noch nie gegeben.“ Sie erklärte, dass die Austria Top 40 auf objektiven Verkaufs- und Streamingdaten beruhen. „Das ist das einzige, was zählt“, so Petrik. Danach lief der Song etwa 45 Sekunden lang, bevor Politologe Peter Filzmaier das Phänomen einordnete.
Filzmaier sagte im Interview: „Musik und Songs sind als Wahlkampfmethode durchaus sehr wertvoll. Man kann versuchen, die Leute anzusprechen in einem Umfeld mit einer Feeling-Good-Atmosphäre, wo nicht mit kritischen Fragen zu rechnen ist, sondern man einfach einen Song abspielt.“
Politische und musikalische Einordnung
Hinter dem musikalischen Machwerk steht die John Otti Band, die regelmäßig bei FPÖ-Veranstaltungen auftritt. In „Immer vorwärts FPÖ“ werden Kickl und die Partei als „stark und vereint“ beschrieben, verbunden „durch das blaue Band“. Besonders diskutiert wurde die Passage über eine „Dritte Republik“, die in Österreich historisch aufgeladen ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- APA OTS: FPÖ-Hafenecker: „ORF-Privilegienstadl trockenlegen“