Elefantenrunde: "Das muss man nicht so humorlos sehen, Herr Wolf"

Messias, Staatsverweigerer, Anarchist: Bei ihrem letzten Auftritt haben die Kandidaten noch einmal ihr wahres Gesicht gezeigt.
Autor: Stefanie Hermann, 07.10.2022 um 08:27 Uhr

Kein Vertrauen in den Rechtsstaat, bedrohte Moderatoren, Rücktrittsansagen, Gesetzesbruch: Der letzte Auftitt der Kandidaten hatte es in sich. Nacheinander nahmen die sieben bei Armin Wolf und Susanne Schnabl zum Einzelgespräch Platz. Mit dabei der Herausforderer Alexander Van der Bellen.

Brunner: Grenze zur Staatsverweigerung

Den Auftakt machte Dr. Michael Brunner von der impfkritischen MFG. Sein wichtigstes Anliegen: Die Regierung entlassen, Neuwahlen ansetzen und das Ganze besser gestern statt heute. Dass ihm die Kompetzenz als Bundespräsident dazu fehlen würde, ließ den Juristen gänzlich kalt. Generell ließ der Wiener mit seinem Verständnis von Rechtsstaatlichkeit mehrfach aufhorchen. "Glauben Sie tatsächlich noch an einen funktionierenden Rechtsstaat in Österreich?", will er von Wolf wissen. Konter: "Sind Sie Staatsverweigerer?" Brunner sieht das nicht so eng: "Wenn ich kein Misstrauen hätte, wäre ich kein guter Anwalt", so der MFG-Chef.

>>> Brunner: EU macht Bürger zu Kriegsteilnehmern

Staudinger: Gelebter Anarchismus

Schuhfabrikant Heinrich "Heini" Staudinger geht mit einer klaren Ansage ins Gespräch:  Immer wieder hat er in der Vergangenheit betont, sich nur an Gesetze zu halten, die er auch als sinnvoll erachtet. Würde er sich denn als Bundespräsident an alles halten? Klare Antwort: "Des bring i net zamm." Periphär ging es auch um Inhalte. So hält der Unternehmer mehr Budget fürs Heer für "pervers". Man solle das Bundesheer zwar nicht abschaffen, aber nicht mehr mit Kriegsgerät ausstatten.

Gepostet von Heini Staudinger am Donnerstag, 29. September 2022

Grosz: Polternder Reim-Routinier

Auch im letzten Interview zeigt sich Ex-BZÖ-Politiker Grosz alles andere als gelassen.  Auch er würde die Regierungs schnellstmöglich entlassen, wie er reimend ankündigt: "Wählen Sie Gerald Grosz, sind Sie die Regierung los." Eine Übergangsregierung würde er in der Regierungspräambel das sofortige Ende der Sanktionen festschreiben lassen. Sollte er überraschend nicht in die Hofburg einziehen, könnte es dann einen Neustart mit der FPÖ geben?

Gott erhalte mir meine Unabhängigkeit. Wissen Sie, wie schön das ist, sein Hirn nicht in der Parteizentrale abgeben zu müssen?

Besonders bemerkenswert war das hitzige Duell mit Schnabl. Als diese ihn mit vergangenen Urteilen konfrontiert, verliert Grosz kurzzeitig die Fassung.

Wlazny: Der jüngere Van der Bellen

Dr. Dominik Wlazny hat vor allem mit einem Eignungstest für Minister für Diskussionen gesorgt. Ob er die aktuellen Minister angelobt hätte? "Als Gesundheitsminister muss man sagen, dass Rauch vielleicht nicht das große ganze Corona-Bild im Blick hat", gibt sich der Arzt zögerlich. Auch ansonsten gab sich Wlazny im Finale inhaltlich eher dünn. Vor allem mit der Abgrenzung zu Amtsinhaber Van der Bellen tut sich der Bier Partei-Chef auffallend schwer. Wie er sich unterscheide? "Ich bin jung, unabhängig und politisch unverbraucht."

Gepostet von Marco Pogo am Sonntag, 11. September 2022

Wallentin: Der politische Allheilsbringer

Ginge es nach Dr. Tassilo Wallentin, hätte Österreich keine Probleme mehr: Migrations-, Inflations- und Teuerungskrise würden der Vergangenheit angehören - würde man nur endlich auf den Wiener Juristen hören. Mangelnde politische Erfahrung sei kein Argument gegen eine Kandidatur. "Sie brauchen nicht im Politikbetrieb gewesen sein, denn der ist eigentlich sehr dümmlich." Einmal Bundespräsident will er seine Kommuntikationsmacht nützen, ein Gegegengewicht zum Kanzler darstellen - und Gesetze mit Binnen-I nicht unterschreiben.

>>> Tassilo Wallentin: Man hat uns blamiert und verzwergt.

Rosenkranz: Gelassener Herausforderer

Walter Rosenkranz ist unter den Gegenkandidaten der einzige, der aus einer etablierten Partei entstammt. Selbst positioniert er sich aber gegen das System. Einen EU-Austritt sieht er zwar nicht zwingend notwendig ("Vielleicht implodiert die EU ja davor"), die EU selbst bezeichnet er aber als kriegsgeil. Dass er es in die Stichwahl schafft, daran besteht für Rosenkranz kein Zweifel. Aber: "Sollte das Duell doch Wlazny vs. Van der Bellen heißen, dann würde ich wahrscheinlich daheim bleiben."

WÄHLEN WIR GEMEINSAM DAS SYSTEM AB!💪🏻 Am 9. Oktober habt Ihr die große Chance, mit EUREN Stimmen das System abzuwählen:...

Gepostet von Walter Rosenkranz am Mittwoch, 5. Oktober 2022

Van der Bellen: Stoisch auf Kurs

Dass Amtsinhaber Alexander Van der Bellen während des Wahlkampfs jegliche Diskussion mit seinen Herausfordern verweigert hat, hat ihm massive Kritik eingebracht. Er selbst sieht damit nach wie vor kein Problem - im Gegenteil. Die Würde des Amtes sei zu schützen. Ob es denn würdevoll sei, auf Tiktok ein Interview mit seinem Hund Juli oder im Selbstgespräch zu posten, will Wolf wissen. Van der Bellen nimmt's gelassen. "Das darf man nicht so humorlos sehen, Herr Wolf."

>>> VdB hitziges Finale: "Oida, es reicht!"