Nepp auf Kickls Spuren

Natürlich ist das Verhunzen von Politikernamen ein journalistisches No-Go. Schon gar nicht sollte man alberne Reime bilden – auch, wenn es manchmal noch so verlockend ist. Nun aber zu einem völlig anderen Thema. Dominik Nepp, Wiener FPÖ-Obmann und nicht amtsführender Stadtrat, hat dieser Tage einmal mehr versucht, von sich reden zu machen. Immer etwas Großem auf der Spur fand er heraus, dass die Wiener Spitäler in der Corona-Hochzeit letzten Oktober gar nicht zu 100 Prozent ausgelastet waren, sondern lediglich zu läppischen 75 Prozent. Das hat Herbert Kickls Azubi derart erbost, dass er in einer Presseaussendung seinem Ärger Luft machen musste. Bürgermeister Ludwig habe die Bevölkerung angelogen, die Spitäler seien gar nie an der Belastungsgrenze gewesen, polterte Nepp via OTS. Und somit sei der Lockdown völlig zu Unrecht verhängt worden. So weit so übel. Da steht man dann schon ein wenig fassungslos daneben und fragt sich: Hat der Mann noch nie etwas von exponentiellem Wachstum gehört? Ab welcher Auslastung wären denn für den Herrn Nepp Maßnahmen gerechtfertigt?

Rabauken

Die FPÖ hat eine nicht zu unterschätzende Rolle in unserer Demokratie. Sie holt unter anderem auch jene ab, die oft nur noch einen kleinen Schritt davon entfernt sind, aus dem gesellschaftlichen Leben auszutreten, nicht mehr zu Wahlen zu gehen und ihr einziges Ventil in den Social Media-Plattformen zu sehen. Man erwartet daher auch gar nicht, dass die FPÖ sich besonders staatstragend gibt. In einer Pandemie freilich sollte man zumindest vorübergehend das Rabaukentum zu Gunsten der Vernunft in einer Schublade verschwinden lassen. Dann kommt auch niemand in Versuchung, schlechte Schüttelreime mit Politikernamen zu dichten.

Autor: Robert Eichenauer, 28.08.2021