Liebe Laura Sachslehner!

Es ist beschämend, wie gnadenlos manche Journalisten und Oppositionelle über die Generalsekretärin herfallen. Der Versuch einer Verteidigung.
Autor: Robert Eichenauer, 20.05.2022 um 10:10 Uhr

Sie sind nicht schuld! Sie sind nicht schuld daran, dass man Sie wie ein Stück Vieh am Nasenring durch die Twitter-Arena und damit durch die ganze Republik zieht. Sie sind nicht schuld daran, dass Sie landauf landab von nahezu allen Journalisten mit beißendem Spott und bösartiger Häme überzogen werden. Zugegeben: Ihre Auftritte waren nicht wirklich glücklich, Kritik an den allzu floskelhaften Antworten ist durchaus angebracht. Wirklich schuld sind dennoch andere. Wirklich schuld sind jene, die Sie in ein Amt gehievt haben, dem Sie aufgrund Ihres zarten Alters und Ihrer geringen Erfahrung nicht gewachsen sein können. Schuld sind jene, die anscheinend meinten, ein junges frisches Gesicht würde beim Wähler gut ankommen. Dabei zählte es noch nie zu den Aufgaben von Generalsekretären besonders charming rüberzukommen. Generalsekretäre von Parteien waren immer schon politische Kampfschweine, die keine Gefangenen machen, Rabauken, die nicht zum Florett, sondern zum Bihänder greifen. Nun, der Bihänder ist Ihnen, Frau Sachslehner, definitiv noch zu schwer.

Verrohung

Wirklich schuld ist aber noch etwas anderes. Schuld ist nämlich auch eine Verrohung der politischen Kultur insgesamt. Eingeleitet von Jörg Haider Ende der 80er-Jahre wird Jahr für Jahr noch eine Schippe Bösartigkeit draufgelegt. Es scheint in der Poltikerbeschimpfung keine Grenzen zu geben. Und am Ende wundern wir uns, dass das Personal immer schlechter wird. Liebe Laura Sachslehner! Sie sind in den letzten Wochen durch ein Stahlbad gegangen. Schlimmer kann es nicht mehr kommen. Wenn Sie aber weiter im Amt bleiben wollen, müssen Sie dringend an Ihrem politischen und moralischen Fundament bauen.