Oligarch an Kurz: "Ich brauch nochmal deine Hilfe"

Investor Siegfried Wolf hat beim damaligen Kanzler Kurz für seinen Geschäftspartner interveniert.
Autor: Stefanie Hermann, 25.03.2022 um 07:28 Uhr

Neuaufgetauchte Chats belegen Interventionen von Österreichs Top-Investor Siegfried Wolf bei Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Wolf hat Kurz gedrängt, in den USA gegen die Sanktionen gegen den russischen Oligarchen Oleg Deripaska aufzutreten. Deripaska ist Geschäftspartner und enger Vertrauter Wolfs und steht bereits seit 2018 auf der US-Sanktionsliste. Am 6. November 2018 schreibt Wolf an Kurz:

Sebastian guten Morgen - wenn du heute mit US redest dann sollten die uns bitte sagen was US noch von uns verlangt.

Direkte Interventionsbitte

Ein Monat später bittet er den damaligen Kanzler um einen Anruf bei  US-Finanzminister Steve Mnuchin oder Außenminister Mike Pompeo : "Ich brauche nochmal deine Hilfe in meiner Angelegenheit." Auch Kurz' USA-Reise 2019 gibt Wolf Anlass hartnäckig zu bleiben: "Lieber Sebastian - guten Morgen. Sag konntest du etwas erreichen? Bitte um Info - Danke Sigi", schreibt er am 21. Februar 2019. Die Antwort:

Lieber Sigi! War sehr, sehr gut. Bitte lass uns direkt reden sobald ich in Wien bin. AL

Einblicke in die Bestellvorgänge der ÖBA

Die Chats belegen zudem, dass Wolf spätestens ab den türkis-blauen Koalitionsverhandlungen in die Bestellvorgänge rund um die staatliche Beteiligungsgesellschaft (ÖBAG) eingebunden war. Wolf selbst soll Kandidat für den Chefsessel gewesen sein. In seiner Vernehmung als Zeuge hat der Investor Stellung dazu genommen. Kurz hätte ihn zwar gerne als Verantowrtungsträger gesehen, vereinbart habe man aber nichts. Chats mit dem einstigen Hofer-Chef und späteren ÖBAG-Aufsichtsrat Günther Helm geben tieferen Einblick. Helm ist noch 2019 davon ausgegangen, dass Wolf den Vorsitz erhalte.

schlussendlich hat ja alles so geklappt wie von uns geplant oder? Du Vorsitz. ich mache normales Mitglied