Hans Niessl: Jetzt will er es wissen – auch ohne "links-linke Babler-SPÖ"
- Hans Niessl: Kandidatur offen
- SPÖ-Grande betont Überparteilichkeit
- Amtsverständnis: Präsident „zum Anfassen“
- Zu alt für die Hofburg?
- Wehrpflicht als Kernthema
- Stimmen aus Politik und Partei
- Organisation, Finanzierung, Zeitplan
Der frühere burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) liebäugelt mit einer möglichen Kandidatur bei der Bundespräsidentenwahl 2028. Der 74-Jährige, derzeit Präsident von Sport Austria, erklärt gegenüber der APA, er sei „sehr häufig darauf angesprochen worden, interessanterweise von Vertretern und Sympathisanten aller politischer Parteien“. Die Resonanz sei groß, auch aus anderen Lagern habe er Rückmeldungen erhalten. „Das hat mich dazu bewegt, zu sagen, ich überlege es mir“, sagte Niessl.
Hans Niessl: Kandidatur offen
Eine Kandidatur für das höchste Amt im Staat wolle er derzeit weder bestätigen noch ausschließen. „Ich bin ein politischer Mensch und habe immer gerne Wahlkämpfe gemacht“, so Niessl. Er habe sich in den verg
angenen Jahren politisch zurückgehalten, beobachte das Geschehen aber weiterhin mit großem Interesse.
SPÖ-Grande betonte Überparteilichkeit
Niessl betonte, dass ihn Zuspruch „aus allen politischen Lagern“ erreicht habe – ein Signal, das ihn nach eigenen Worten überrascht habe. Als Landeshauptmann habe er schon mit unterschiedlichen Parteien kooperiert, auch in wechselnden Konstellationen. „Ein Bundespräsident sollte zu allen demokratisch gewählten Parteiobmännern eine Gesprächsbasis haben und den Austausch pflegen“, sagte er.
Die Parteibindung zur SPÖ will er nicht leugnen, seine politische Erfahrung sieht er aber als überparteiliches Kapital. „Ich war natürlich SPÖ-Bürgermeister und Landeshauptmann, aber ich habe als Präsident der Bundessportorganisation gezeigt, dass ich überparteilich agieren kann.“ Auch in dieser Funktion sei er von Menschen angesprochen worden, die nicht der SPÖ angehören. Gegenüber der Kronen Zeitung deutete Niessl an, dass er gegebenenfalls „auch ohne die links-linke Babler-SPÖ, als überparteilicher Kandidat“ antreten würde.
Amtsverständnis: Präsident „zum Anfassen“
Für den Fall eines Antretens hat Niessl eine klare Vorstellung vom Amtsverständnis. Er wolle die Hofburg „durchlüften“ und das Präsidentenamt näher zu den Menschen bringen. „Ich möchte das Präsidentenamt reformieren und viel mehr direkt bei den Menschen im Land sein. Sich bei den Festspielen in Salzburg, Bregenz und Mörbisch zu zeigen, reicht nicht“, sagte er. Der direkte Austausch mit den Menschen sei ihm wichtiger als „repräsentatives Abhaken“ offizieller Termine. „Ich würde monatliche Kontakte haben – zu den Bürgern, den Landeshauptleuten, den Gemeindebund- und Städtebund-Chefs und vor allem zur Bevölkerung.“
Zu alt für die Hofburg?
Kritik an seinem Alter weist Niessl zurück. „Man sollte beurteilen, wie fit man ist in dem Alter“, sagte er. Eine ärztliche Untersuchung habe ihm bescheinigt, dass er fit genug sei. Geistig rege halte ihn seine Arbeit bei Sport Austria, wo er nach wie vor aktiv Projekte leite und politische Schnittstellen betreue.
Niessl, der insgesamt sieben Wahlkämpfe als Spitzenkandidat bestritten hat, sieht Erfahrung als Vorteil. „Ich habe immer gern Wahlkämpfe gemacht“, sagte er, und erinnerte daran, dass er viermal auf Landesebene und dreimal als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde Frauenkirchen angetreten sei.
Wehrpflicht als Kernthema
Thematisch hat Niessl bereits klare Positionen markiert, allem voran bei der Sicherheitspolitik. Er spricht sich ausdrücklich für eine Verlängerung der Wehrpflicht aus: „Wir sind mittendrin in einer geopolitischen Veränderung. Ein verantwortungsvoller Politiker muss sagen: Ja, wir konnten mit sechs Monaten Grundwehrdienst leben, aber jetzt kommt eine Zeit, wo Österreich Milliarden in modernes technisches Gerät investiert, und da braucht man entsprechend Mitglieder beim Bundesheer, die Österreich schützen können.“
Zugleich betont er den hohen Stellenwert der Neutralität. Eine Volksbefragung über die Verlängerung der Wehrpflicht, wie sie Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) vorgeschlagen hat, würde Niessl unterstützen. „Wenn die Bevölkerung gut informiert ist und die Befragung rasch abgewickelt wird, kann es schneller zu einer Einigung kommen als bei langwierigen Verhandlungen in der Regierung“, ist er überzeugt.
Stimmen aus Politik und Partei
In der SPÖ nehme man das Gesagte „mit Interesse zur Kenntnis“, heißt es heute zurückhaltend. Über Kandidatinnen und Kandidaten entscheide die Partei in ihren Gremien, sobald die Zeit gekommen sei. Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil reagierte dagegen erwartungsgemäß deutlich positiver. Niessl habe sich als Landeshauptmann „große Verdienste erworben“ und genieße „Anerkennung über Parteigrenzen hinweg“. Die Bundes-SPÖ sei gut beraten, diese Option „ernsthaft zu prüfen und nicht leichtfertig vom Tisch zu wischen“, so Doskozil.
Auch aus anderen Parteien kam Resonanz. Der frühere FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer erklärte auf Anfrage, Niessl sei „integer“ und er wünsche ihm „alles Gute“. Eine eigene Kandidatur schließt Hofer vorerst weiter aus: „In der Politik kann man nicht so weit in die Zukunft blicken, aber es steht nicht auf meiner To-do-Liste.“
Organisation, Finanzierung, Zeitplan
Eine endgültige Entscheidung hat Niessl noch nicht getroffen. „Es braucht ein Budget, eine Plattform und eine bundesweite Organisation – das ist eine Herausforderung“, ist er realistisch. Zunächst wolle er die Reaktionen aus der Bevölkerung abwarten und dann entscheiden, ob und wie er antritt.
Für Niessl wäre eine Kandidatur der Abschluss einer langen politischen Laufbahn. Der gebürtige Burgenländer war von 2000 bis 2019 Landeshauptmann des Burgenlandes, führte das Land in mehreren Koalitionen, zuletzt auch mit der FPÖ, und übergab 2019 an seinen Nachfolger Hans Peter Doskozil. Seither steht er an der Spitze von Sport Austria und gilt als versierter Verhandler mit Nähe zu den Kommunen.