Kickl wider die Covid-Ketzerei

Da setzt sich doch tatsächlich ein Politiker, noch dazu ein ehemaliger Minister der Republik - vor die Presse und legt einen Beweis dafür vor, dass er nicht geimpft ist. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. So als ob er des Drogenkonsums beschuldigt worden wäre. So als ob er beweisen müsste, kein Junkie zu sein. Und das, weil ein PR-Berater das Gerücht in die Welt setzte, Kickl habe sich heimlich impfen lassen. Nicht etwa der Bundeskanzler, nicht etwa der Bundespräsident, nicht etwa eine der bösen Zeitungen haben dieses Gerücht verbreitet, nein ein PR-Berater. Damit ist eigentlich eh schon alles gesagt.

Hilfe, ich bin ein Opfer

Nun fragt man sich: Warum ignoriert Kickl die Beschuldigung einer Privatperson nicht einfach und geht darüber hinweg? Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen ist es eine gute Gelegenheit, Stunk zu machen, wieder einmal um sich schlagen zu können und alles und jeden zu beschimpfen, der außerhalb der freiheitlichen Blase lebt. Und es ist wieder einmal die Chance, sich in die Opferrolle begeben zu können. Jeder weiß, dort fühlt sich die FPÖ am wohlsten, das ist quasi ihre Komfortzone, ihr zweites Wohnzimmer.

Wer ist reinen Blutes?

Auch der zweite Grund liegt auf der Hand. Am Sonntag sind in Oberösterreich bekanntlich Landtagswahlen, wo die FPÖ wegen der ruchbar gewordenen „Abweichler“ in den eigenen Reihen massiv unter Druck steht und Gefahr läuft, noch mehr abzustürzen als sie es ohnehin tun wird. Es hat nämlich seit Corona in der Partei ein Wähleraustausch stattgefunden. Impfwillige sind gegangen, Impfgegner sind gekommen. Und die verstehen keinen Spaß, wenn es um die reine Lehre und das reine Blut geht. Da steht man schnell als Ketzer am Pranger. Schon beim kleinsten Verdacht suchen die Impfverweiger nach einre neuen politische Heimat. Und ein Wahldesaster kann sich der eben gekürte FPÖ-Obmann halt nicht leisten. Denn: Sieger erkennt man am Start.

Autor: Robert Eichenauer, 24.09.2021