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Eine Person mit mehreren Einkaufssackerln auf der weihnachtlich beleuchteten Mariahilferstraße
Weihnachtsshopping auf der Wiener Mariahilferstraße
Weihnachtsshopping auf der Wiener Mariahilferstraße
it GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com

Streik abgewendet: So viel mehr Geld gibt's im Handel

30.11.2022 um 06:40, Stefanie Hermann
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Bei den KV-Verhandlungen für den Handel gibt es eine Einigung. Die angedrohten Streiks im Weihnachtsgeschäft sind damit vom Tisch.

Es hätte nach dem Streik der ÖBB der nächste große Stillstand werden können. Im fünften Anlauf ist eine Einigung dann quasi in letzter Sekunde doch noch geglückt. Am späten Dienstagabend konnten sich Gewerkschaft GPA und Handelsvertreter auf einen Kompromiss einigen. Die befürchteten Streiks mitten im Weihnachtsgeschäft bleiben damit aus.

Der neue Handels-KV

GPA und Arbeitgeber haben einen neuen Kollektivvertrag für die rund 430.000 Angestellten und Lehrlinge im Handel ausgehandelt. Gehälter und Lehrlingsentschädigungen steigen laut Gewerkschaft GPA im Schnitt um 7,31 Prozent. Für kleinere Einkommen bedetuet dies ein Plus von mindestens 145 Euro brutto. Durch den Mindestbetrag bedeute dies eine Erhöhung um bis zu 8,67 Prozent. Das Einstiegsgehalt für Berufseinsteiger nach der Lehre wird um 8,06 Prozent von derzeit 1.800 auf 1.945 Euro angehoben. Bestehende Überzahlungen bleiben aufrecht. Für Lehrlinge gibt es eine Erhöhung zwischen 8 und 9,6 Prozent. Im ersten Lehrjahr wird auf 800 Euro, im zweiten Lehrjahr auf 1.025 und im dritten auf 1.350 Euro angehoben.

Auf einen Blick

  • Die Gehälter steigen im Schnitt um 7,31 Prozent.
  • Der Mindestbetrag beträgt 145 Euro brutto.
  • Das Einstiegsgehalt wird somit von 1.800 auf 1945 Euro angehoben (plus 8,67 Prozent).
  • Lehrlinge erhalten im ersten Lehrjahr 800 Euro, imf 1.025 und im dritten auf 1.350 Euro.
Das Verhandlungsergebnis soll die Rekordinflation ausgleichen.

Gewerkschaft glücklich

Der Abschluss liegt leicht über der rollierenden Inflationsrate von 6,9 Prozent. Die Gewerkschaft sieht ihr Ziel erreicht, Einmalzahlungen abzuwenden und eine stärkere Anhebung unterer Gehaltsgruppen zu erreichen. "Eine Einmalzahlung wäre auf Perspektive ein riesiges Verlustgeschäft für die Beschäftigten gewesen. Es steht ja den Handelsbetrieben frei, zusätzlich zur kollektivvertraglichen Erhöhung steuerfreie Prämien auf betrieblicher Ebene zu gewähren", so GPA-Chefverhandlerin Helga Fichtinger.

Handel hadert

Auf Wirtschaftsseite sieht man das anders. "Die Gewerkschaft hat sich für die lineare Erhöhung entschieden. Das ist aus unserer Sicht bedauerlich, denn das andere Modell hätte unterm Strich mehr gebracht und außerdem aufgrund der Steuerbefreiung einen enormen Nettovorteil für die Arbeitnehmer:innen bedeutet, in vielen Fällen sogar noch heuer. Im Durchschnitt hätte die Prämie rund 1000 Euro netto betragen“, so Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Dennoch zeigt man sich auf Handelsseite erleichtert, etwaige Streiks abgewendet zu haben. Mit sieben Prozent Plus bewege man sich jedoch auf der absoluten Oberkante, heißt es in einer Aussendung des Handelsverbands. Die Erhöung würde viele Händler überfordern. "Der großzügige 7-Prozent-Abschluss wird die Inflation mehr als ausgleichen, wenngleich jeder Euro mehr bei den Personalkosten den Handelsbetrieben in der Substanz fehlen wird", erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer ersten Stellungnahme.

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