Temu unter Druck: Österreich zwingt Online-Riesen zu Änderungen
- Temu unter Druck in Österreich
- Irreführende Tricks
- Beschwerde aus Österreich
- Fall Fussl
- Neue Regeln
- Politik erhöht Druck
- EU-Verfahren
Die Billig-Plattform Temu steht in Österreich massiv unter Druck. Nach Beschwerden und behördlichen Prüfungen hat der Online-Marktplatz Temu mehrere umstrittene Geschäftspraktiken eingestellt. Im Fokus stehen irreführende Verkaufsstrategien, mangelnder Konsumentenschutz und unfairer Wettbewerb gegenüber heimischen Händlern.
Irreführende Tricks: Behörden greifen gegen Temu durch
Die Bundeswettbewerbsbehörde hat bestätigt, dass Temu gezielt Kaufdruck erzeugt hat. Hinweise wie „fast ausverkauft“ oder „nur noch zwei übrig“ suggerieren potzenziellen Käufern Verknappung, obwohl tatsächlich zumeist ausreichend Ware verfügbar ist. Auch zeitlich begrenzte Angebote sollen Konsumenten zum schnellen Kauf drängen – klassische psychologische Verkaufstricks im Onlinehandel, wie die Wettbewerbshüter kritisieren.
Zusätzlich entsprechen Produktbilder nicht immer den tatsächlichen Artikeln. Diese Methoden hat Temu inzwischen eingestellt.
Auslöser war Beschwerde aus Österreich
Den Stein ins Rollen gebracht hat eine Beschwerde des Handelsverbands. Die Vorwürfe gegen Temu hätten sich laut Behörde demnach bestätigt. Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will spricht von einem „wichtigen Meilenstein“ für faire Wettbewerbsbedingungen im Onlinehandel. Auch große internationale Plattformen in Österreich dürften nicht außerhalb der Regeln agieren.
Die Wirtschaftskammer ortet weiter Handlungsbedarf. Plattformen wie Temu würden laut Handelsobmann Rainer Trefelik Methoden nutzen, die klar unter unlauteren Wettbewerb fallen.
Fall Fussl zeigt konkrete Auswirkungen
Besonders brisant: Auch österreichische Marken sind von Temus Praktiken konkret betroffen, wie der Fall der Modemarke Fussl zeigt. Ihre Marke ist ohne Zustimmung auf Temu verwendet worden.
Nach dem Einschreiten der Behörden hat Temu die Nutzung beendet. Fussl geht dennoch vor Gericht und fordert Schadenersatz in sechsstelliger Höhe. Der Fall könnte rechtlich Signalwirkung für ähnliche Fälle haben.
Neue Regeln: Jugendschutz und Transparenz
Zudem hat nun auch eine Klage des Vereins für Konsumenteninformation zu einem gerichtlichen Vergleich geführt. Für Temu gelten nun strengere Regeln in punkto Jugendschutz und Transparenz. Bei sensiblen Produkten wie Erotikartikeln oder Waffen gelten künftig Alterskontrollen. Personalisierte Empfehlungen müssen abschaltbar sein, die Algorithmen transparent erklärt werden. Damit sollen Nutzer erstmals nachvollziehen können, warum bestimmte Produkte angezeigt werden.
„Wer trickst, verliert“, fasst Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig zusammen. „Wer in Europa Geschäfte macht, muss sich auch an europäische Regeln halten“.
Politik erhöht Druck auf Temu und Co
Die Bundesregierung betont erneut, dass Temu sich an europäische Regeln halten muss. Österreich dürfe kein Ausweichmarkt für Billigware und unfaire Wettbewerbsvorteile werden, hält Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) fest. „Internationale Onlineplattformen müssen sich an dieselben Regeln halten wie unsere heimischen Händler." Ziel sei ein fairer Wettbewerb zwischen internationalen Plattformen und heimischen Betrieben.
EU-Verfahren laufen bereits
Der Fall Temu ist kein Einzelfall. Auf EU-Ebene laufen bereits mehrere Verfahren gegen große Online-Marktplätze. Im Zentrum steht der Digital Services Act, der strengere Regeln für Plattformen durchsetzen soll.