Grosz schreibt Brief an Putin: "Selbstmord unerwünscht"

Versprechen an Putin: Der BP-Kandidat Grosz wendet sich im Wahlkampf an den russischen Machthaber.
Autor: Stefanie Hermann, 27.07.2022 um 07:22 Uhr

Noch sind es zwei Monate bis zur Wahl des Bundespräsidenten und trotzdem befindet sich der Wahlkampf in vollem Gang. Nach der heftigen Brandrede von Bundespräsident Alexander Van der Bellen ("Putin ist ein Diktaktor") lässt jetzt auch einer seiner Herausforderer mit drastischen Worten aufhorchen. Im Juni hat der ehemalige BZÖ-Politiker Gerald Grosz seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl bekanntgegeben.

Skurrile Wahlkampfaktion

Im Rennen um die Hofburg grenzt er sich scharf vom Amtsinhaber ab. In einem offenen Brief wendet sich Grosz direkt an den russischen Machthaber Wladimir Putin. "Es ist nicht unser Krieg, es sind nicht unsere Sanktionen! Die Österreicher wünschen sich Frieden und Wohlstand!", so Grosz an Putin. Ob der sich von Grosz Brief beeindrucken lässt, darf aber bezweifelt werden. Grosz hingegen rechnet fix mit einer Antwort. Bemerkenswert ist nicht nur die eher eher skurrile Aktion an sich, sondern auch der Inhalt.

"Fügen uns selbst Schaden zu"

Mit diesem richtet sich der Ex-BZÖ-Politiker klar gegen den offiziellen österreichischen Kurs. Der von Europa angezettelte Wirtschaftskrieg geschehe nicht im Namen der Bevölkerung. "Nicht in unserem Namen, nicht im Namen einer Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher hat die Bundesregierung der neutralen Republik Österreich der Russichen Föderation im Verband mit den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mittel sechs Sanktionspaketen einen Wirtschaftskrieg erklärt", heißt es in dem Brief. Die Situation füge "uns selbst den größten Schaden" zu.

Nicht in unserem Namen, nicht im Namen einer Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher hat die Bundesregierung [...] einen Wirtschaftskrieg erklärt.

Krieg ist "regional begrenzter Konflikt"

Den Krieg in der Ukraine nennt Grosz einen "regional begrenzten Konflikt", der zwar nicht zu rechtfertigen sei, mit dem Österreich aber nichts zu tun habe. Solidarität mit der Ukraine könne nicht bedeuten, dass "wir unser soziales, gesellschaftliches, wirtschafliches und demokratisches Gefüge dafür opfern wollen".

Solidarität bedeutet eben nicht, aus Solidarität mit den Opfern Selbstmord begehen zu wollen.

Versprechen an Putin

Die Mehrheit der Österreicher sei gegen die Sanktionen. Und Grosz wendet sich quasi von Präsident zu Präsident an Putin. Sollte er tatsächlich in den Hofburg einziehen, würden sich die Beziehungen wieder ändern. Als Präsident würde er eine neue Regierung angeloben, die sich für Verhandlungen und Diplomatie einsetzt.