Temu: 200 Millionen Euro Strafe wegen gefährlicher Produkte
- Illegale Produkte für Verbraucher ein Risiko
- EU kritisiert mangelhafte Risikobewertung
- Temu-Geschäftsmodell verstärkt laut EU die Probleme
- Temu weist Vorwürfe zurück
- Frist bis Ende August gesetzt
- EU erhöht Druck auf große Online-Plattformen
- Handel begrüßt Entscheidung der EU
- Milliardenumsatz und wachsende Paketflut
Temu Strafe: Die EU-Kommission hat eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen die Online-Plattform Temu verhängt. Grund sind Verstöße gegen den Digital Services Act (DSA). Das Unternehmen geht laut Brüssel nicht ausreichend gegen illegale Produkte auf seiner Plattform vor.
Temu erreicht inzwischen rund 130 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in Europa, damit erreichen auch problematische Produkte eine große Zahl an Konsumenten. Laut EU-Kommission handelt es sich um einen besonders schwerwiegenden Verstoß gegen den Digital Services Act.
Illegale Produkte für Verbraucher ein Risiko
Nach Ermittlungen der EU stoßen Verbraucherinnen und Verbraucher mit hoher Wahrscheinlichkeit auf illegale Produkte. Dazu zählen gefälschte, gefährliche oder gesundheitsschädliche Waren.
Bei Testkäufen sind in der Vergangenheit zahlreiche Produkte durchgefallen. So bestehen etwa etliche Ladegeräte grundlegende Sicherheitstests nicht. Auch sensible Produkte wie Babyspielzeug weisen teils gravierende Mängel auf, etwa zu hohe Chemikalienwerte oder Erstickungsgefahr durch abnehmbare Teile.
EU kritisiert mangelhafte Risikobewertung
Die zentrale Kritik der EU-Kommission richtet sich gegen die internen Kontrollen von Temu. Die gesetzlich vorgeschriebene Risikobewertung ist aus Sicht der EU unzureichend.
„Die Risikobewertung von Temu unterschätzt konkrete Risiken, ist zu unspezifisch, stützt sich nicht auf solide Beweise und ist nicht umfassend“, erläutert EU-Vizepräsidentin Henna Virkkunen. Die unternehmenseigene Analyse basiere zudem zu stark auf allgemeinen Brancheninformationen und nicht auf konkreten Daten zur eigenen Plattform.
Temu-Geschäftsmodell verstärkt laut EU die Probleme
Auch die Gestaltung der Plattform selbst steht in der Kritik: Empfehlungssysteme und Influencer-Werbung könnten laut EU das Risiko zusätzlich verstärken, da sie problematische Produkte gezielt verbreiten. Die EU-Kommission sieht darin ein strukturelles Risiko für Verbraucher.
Temu weist Vorwürfe zurück
Temu bezeichnet die Strafe als unproportional. Die Entscheidung beziehe sich auf frühere Bewertungen und würde aktuelle Entwicklungen nicht ausreichend berücksichtigen.
Gleichzeitig kündigt der chinesische Konzern an, weiter mit der EU-Kommission zusammenzuarbeiten. Man wolle europäischen Kunden weiterhin „Zugang zu einer breiten Palette erschwinglicher Produkte“ bieten.
Frist bis Ende August gesetzt
Temu hat jetzt bis Ende August Zeit, einen Maßnahmenplan vorzulegen, um die festgestellten Mängel zu beheben.
Sollte der Online-Gigant die Anforderungen nicht erfüllen, drohen weitere Strafzahlungen.
Today, we have imposed a €200 million fine on Temu under the Digital Services Act, for failing to identify, analyse, and assess the systemic risks of illegal products being offered on its platform.
🔗 https://t.co/fchhxqcEZv pic.twitter.com/J73VAW0MmN— European Commission (@EU_Commission) May 28, 2026
EU erhöht Druck auf große Online-Plattformen
Der Fall Temu ist Teil eines größeren Vorgehens der EU gegen große Online-Plattformen. Grundlage ist der Digital Services Act (DSA), der seit 2024 strengere Regeln für den Schutz von Konsumenten vorsieht. Bei schweren Verstößen sieht der DSA Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor.
Auch Anbieter wie Shein oder AliExpress stehen im Fokus der Behörden.
Handel begrüßt Entscheidung der EU
Auch österreichische Händler sehen sich durch die günstigen Direktimporte zunehmend unter Druck. In der Strafe sehen sie ein wichtiges Signal.
„Die heutige Entscheidung der EU ist ein wichtiges Signal für fairen Wettbewerb, Produktsicherheit und den Schutz europäischer Konsumentinnen und Konsumenten“, begrüßt Handelsverband-Chef Rainer Will die Entscheidung.
Milliardenumsatz und wachsende Paketflut
Temu zählt zu den größten Online-Plattformen weltweit. Gleichzeitig wächst die Zahl der Importpakete stark an. 2024 erreichten laut EU täglich rund zwölf Millionen Pakete die Europäische Union, ein Großteil davon aus China.
Die Kommission plant zusätzliche Maßnahmen gegen Billigimporte, um Produktsicherheit und fairen Wettbewerb zu stärken.
Quellen und weiterführende Informationen
- EU-Kommission – Pressemitteilung: EU verhängt Strafe gegen Temu
- EU-Kommission – Detaildokument (DSA-Verstoß): Offizielles Dokument zur Entscheidung
- Handelsverband – Reaktion zur Strafe: „Klare Kante“: Handelsverband begrüßt EU-Strafe