Orban hetzt in deutschen Medien gegen EU

Viktor Orban sorgt einmal mehr für Kopfschütteln. Dem stark in der Kritik stehenden 58-Jährigen wird schon länger vorgeworfen, Ungarns Rechtsstaat zu untergraben. Mit dem umstrittenen Anti-LGBTQ-Gesetz sorgte er in der EU für großes Aufsehen. Nun wird auch erstmals öffentlich über die Zugehörigkeit Ungarns zur Europäischen Union diskutiert.

Orban gegen den Rest Europas

Jetzt folgte der nächste Schlag von Seiten Orbans: Nach großem Gegenwind aus Brüssel hat sich der Ministerpräsident dazu entschlossen, seine Ansichten über ein Inserat in der deutschen Bild zu verbreiten. In der Annonce stehen sieben Vorschläge zur Zukunft der Europäischen Union. Diese sogenannten Vorschläge sind jedoch eher als EU-Kritik und Forderung zu verstehen. „Das EU-Parlament habe sich als „Sackgasse“ erwiesen,“ so der Regierungschef.

Europäische Demokratie muss sich wehren

Das ganzseitige Inserat der Orban-Propaganda kommentierte der deutsche EU-Abgeordnete Dennis Radtke auf Twitter.

Viele Twitter-Nutzer kritisierten unterdessen auch die „Bild“-Zeitung, da sie Orban eine mediale Bühne geboten haben.

„Bild“ verteidigt sich mit einem Statement

„Freiheit, insbesondere Meinungsfreiheit ist für uns bei Axel Springer (Verlag) ein Grundpfeiler von allem wofür wir stehen und etwas was die Redaktionen all unserer Medien verteidigen", meint ein Sprecher des Verlags. „Orban scheint eine eigene Weltsicht zu haben. Schon seit mehreren Jahren werden Menschenrechte in Ungarn angegriffen,“ beklagt Amnesty International in einer Petition.

"Feinde der Pressefreiheit"

Genau am selben Tag der Veröffentlichung der EU-kritischen Anzeige führt die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ eine Liste der "Feinde der Pressefreiheit". Erstmals steht mit Viktor Orban ein Regierungschef aus der Europäischen Union darauf. Die aktuelle Liste umfasst 37 Staatsoberhäupter und Regierungschefs, die in besonders drastischer Weise die Unterdrückung der Pressefreiheit verkörpern. Orban reiht sich nun beispielsweise neben Politiker wie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, Syriens Machthaber Baschar al-Assad ein.

Autor: Maximilian Sperr, 06.07.2021