A bisserl Mussolini schadet doch nicht

Schlechte Zeiten läuten für die Rechtspopulisten gute Zeiten ein. Italien ist schon in die Falle getappt.
Autor: Robert Eichenauer, 01.10.2022 um 08:29 Uhr

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird der Narrensaum breiter, der Horizont enger. Daher ist es wenig verwunderlich, dieser Tage einmal mehr die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch zu erleben. Ob Giorgia Melonis Sieg in Italien freute man sich regelrecht einen Haxen aus. Von Orban bis Weidel, von Le Pen bis Kickl wurde ausgelassen gefeiert. Auch Putin soll trotz der ukrainischen Kalamitäten ein Flascherl Krimsekt geköpft haben.
Da macht es auch nichts, dass die Frau Meloni ein bisserl Mussolini ist. Schließlich ist man selber ja auch ein bisserl dings – na eh schon wissen. Wegen der Autobahnen und so. Und der Beschäftigungspolitik. Und überhaupt. Alles war ja nicht schlecht. Das sagen viele.

Ohrwürmer

Unser Dasein wird komplizierter, unser Verlangen nach einfachen Antworten immer stärker. Und der gemeine Populist hat jede Menge simpler Lösungen auf Lager: Wir testen nicht, dann gibt es kein Corona. Wir setzten die Sanktionen aus, dann gibt´s keine Teuerung. Wir verhandeln mit Putin, dann hört der Krieg auf. Wir bauen einen Zaun, dann kommen keine Flüchtlinge mehr.

Das geht doch runter wie Öl - und ins Ohr wie ein Song von Andreas Gabalier.

Unbotmäßig

Das Chaos wolle man beenden, sagen sie. Die Menschen von den Eliten befreien und dem Volk zu seinem Recht verhelfen. Alles edle Motive. Und wie gut das funktioniert, kann man immer wieder an Regierungsbeteiligungen der FPÖ ablesen oder an Vorzeigedemokratien wie Orbans Ungarn oder Putins Russland. Ja, dort ist die Welt schon heil, frei von unbotmäßigen Journalisten, frei von unabhängigen Gerichten und frei von lästigen Oppositionellen. Und wer sich nicht fügt, fällt aus dem Fenster. Wohl nicht zu Unrecht. Darauf können Sie Gift nehmen. Ja, lasst uns diese wackeren Männer und Frauen wählen. Wir brauchen noch viel mehr Rechtspopulisten an den europäischen Schalthebeln. Dann kommt auch das einfache Leben wieder zu uns zurück. So wie es früher war. Die gute alte Zeit mit der gsunden Watschn, den stinkenden Autos und den Frauen hinter dem Herd.