Kartenspiele in der österreichischen Kultur

Seit Jahrhunderten sind Kartenspiele ein wichtiges Element der Freizeitgestaltung unterschiedlicher Länder und Kulturen. Auch in Österreich haben die Spiele eine lange Tradition und zählen in der Ära der Digitalisierung weiterhin zu den beliebten Alternativen der Alltagsunterhaltung. Sowohl in Wirtshäusern als auch im Internet kultivieren österreichische Gelegenheitsspieler weiterhin ihr traditionsreiches Hobby.
Autor: Weekend Online, 07.12.2022 um 12:50 Uhr

Die ersten Spielkarten der Geschichte wurden vermutlich im 12. Jahrhundert im Fernen Osten hergestellt. Ausgehend von Ostasien gelangten sie im 14. Jahrhundert auf den europäischen Kontinent. Als Folge der Ausbreitung entstanden über Jahrhunderte zahlreiche Kartenspiele mit unterschiedlichen Variationen je nach Interesse, Region und Kultur. Auch in Österreich entstand eine ganz eigene Kultur für das Kartenspielen, die ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert erlebte. Als Folge der zunehmenden Industrialisierung und dem wachsendem Bürgertum in Städten stieg die Nachfrage nach Verpflegung und Versammlungsstätten in der Bevölkerung deutlich an. Die Anzahl der Wirts- und Kaffeehäuser als neue Orte des Austausches und der Unterhaltung wuchs infolgedessen explosionsartig im ganzen Land.

Blütenjahre des Kartenspielens

Brennpunkt dieser Entwicklung war die österreichische Hauptstadt Wien. In der Stadt florierte die Spielkultur, allen voran das Kartenspielen. Die Wiener Kaffeehäuser wurden zum Treffpunkt der europäischen Intellektuellen, die sich in ihren freien Minuten an Spieltischen trafen. Der Bedarf an Spielkarten wuchs so stark an, dass Fabriken wie Piatnik zu dessen Produktion gegründet wurden. In dieser Zeitspanne verbreiteten sich lokale Kartenspiele in ganz Österreich und sind bis heute ein fester Bestandteil der Alltagsunterhaltung.

Kartenspiele in der Ära der Digitalisierung

Nach dem 19. Jahrhundert hat sich auch die Ära der Digitalisierung zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte der österreichischen Spielkultur entwickelt. Das aktuelle Gaming mit Spielkarten setzt sich in Österreich aus zwei Elementen zusammen: Online-Plattformen und reales Gaming in Kneipen, Casinos und Vereinen. Der Wechsel zu Online-Plattformen erfolgte, wie überall auf der Welt, in den 90er Jahren, als der Zugang zum Internet und die Nutzung des PCs zum Mainstream wurden.

Heute gibt es zahlreiche Online-Anbieter, welche die traditionsreichsten Kartenspiele wie Poker, Skat oder Rommé ohne Änderungen an deren Grundregeln in digitaler Form anbieten. Neben den Games bieten spezialisierten Webseiten vielfältige Informationen rund um das Spielen an. Vom Grundwissen wie die Regeln des Skatspiels oder Pokerstrategien für Anfänger bis hin zu Informationen über Profispieler sowie lokale Veranstaltungen und Turniere ist alles online zu finden, was das Spielerherz begehrt. Dabei haben die gängigsten Traditionsspiele Österreichs auch ihre Integration ins Internet abgeschlossen und erreichen nicht nur Gelegenheitsspieler aus dem eigenen Land, sondern auf der ganzen Welt.

Wiener Kaffeehaus von außen | Credit: get.pxhere.com

Die beliebtesten Kartenspiele in Österreich

So ist Schnapsen nicht nur an realen Spieltischen hochbeliebt, sondern auch auf digitalen Seiten. Das österreichische Original wird mit einem Deck aus 20 Karten gezockt. Beim Austeilen bestimmen die Spieler eine Trumpf-Farbe, die über alle anderen Farben steht. Anschließend werden mithilfe von Stichen und Ansagen Punkte gesammelt. Populär ist außerdem Königrufen oder Tarock. Hier wird durch Reizen ein Alleinspieler ausgewählt, der sich dann einen Partner aussuchen bzw. einen König rufen darf. Ziel des Spieles ist, um die Mehrheit der Kartenwerte zu kämpfen. Bei Jolly alias Rummy schätzen die Österreicher die Kniffligkeit beim Karten kombinieren. Es wird mit zwei Kartendecks zu je 52 Karten und sechs Jokerkarten gezockt. Das Ziel jeder Runde ist die Ordnung und Auslegung der Hand nach bestimmten Kartengruppen. Schließlich gehört auch Préférence zu den Favoriten der Österreicher. Dieses ist ein spannendes Stichspiel für drei Personen, bei dem das Reizen im Mittelpunkt steht. Der Person mit der höchsten Stichzahl gewinnt.

Die Kartenspiel-Kultur an realen und Online-Tischen beschränkt sich natürlich nicht auf diese vier Beispiele. Die vielfältigsten Kartenspiele aus der ganzen Welt werden inzwischen ausprobiert, dank des vereinfachten Zugangs durch das Internet. Den Österreichern ganz eigen werden zudem in privaten Runden oft neue Regeln, Punktwerte und Prämien festgelegt, die nochmals zur Vielfalt der Spielkultur beitragen. Wer Spaß am Zocken hat, sollte in Österreich deswegen eine Einladung zu einer Runde Kartenspielen niemals ablehnen. Spannende Stunden beim Zocken sind da garantiert. Für ein vorheriges Üben sind schließlich die gängigsten Traditionsspiele mit wenigen Klicks im Internet zu finden.