Familienleben - der ganz normale Wahnsinn

Familie – das gibt’s nur "all inclusive". Ganz oder gar nicht. Tage wie dieser hat "frau" dabei einfach nicht kommen sehen. Oder einfach nur das Kleingedruckte überlesen?
Autor: Judith Locher, 10.06.2022 um 10:45 Uhr

Es gibt Tage, an denen man als Frau von morgens bis spät in die Nacht hinein von einem Termin zum nächsten hetzt. Alles soll sofort erledigt sein, bis am Ende des Tages (oder der angebrochenen Nacht) einen das Bett endlich verschlingt. Aber bis es soweit ist, wird es noch lange dauern. Das merke ich schon, als ich aufwache.

Morgens um 6 …

Morgens kurz vor 6 Uhr klingelt der Wecker, und das "Aus-dem-Haus"-Programm läuft wie von selbst ab: Duschen, Frühstück machen, Jause richten, anziehen, Kater versorgen, schminken und beiläufig die Biotonne rausstellen. Um Letzteres nicht zu übersehen, schreibe ich mir eine meiner berühmten Haftnotizen und kleb‘ sie mir auf die Handyhülle. Damit ich meine Pflichten nur nicht vergesse. Der Organizer auf dem Smartphone ist mir dafür zu aufwendig – übersehe ich ja auch viel zu leicht. Da hilft auch kein Klingelton, um mich zu erinnern. Würde ihn wohl im entscheidenden Moment einfach nur wegdrücken.

Überhaupt feiern meine Post-its ein buntes Eigenleben. Man findet sie auch auf der Federschachtel meines Sohnes, um ihm die Mühe zu ersparen, sich Ausreden für mich ausdenken zu müssen, wie etwa die, dass die Schulsachen lieber zum Lernen in der Schule bleiben wollten. So bin ich. Mutterliebe – what else?

Frau sitzt entnervt vor ihrem Notebook | Credit: iStock.com/fizkes

Feierabend - ohne freien Abend

Meinen Arbeitstag im Büro lasse ich mit diesem Satz auch schon stehen. Erwähnenswert ist ohnehin viel mehr mein "Feierabend". Was ich von meinem denkwürdigen Morgen noch in Erinnerung habe, ist, dass, wenn ich nicht am nächsten Tag morgens um sechs ohne Jausenkäse und Katzenfutter in der Küche stehen will, ich auf dem Heimweg noch schnellstens einen Zwischenstopp beim Supermarkt einlegen sollte.

Bevor ich also bei meinen Eltern reinschaue, die ich ja auch noch besuchen wollte, fällt mir wieder ein, dass der Laden, der eigentlich so günstig am Weg liegt, ausscheidet, weil er kein Futter im Sortiment hat, das unsere Katze anrührt. Wäre ja auch zu einfach gewesen! Egal.

Eingekauft, Eltern besucht, erledigt. Da war ja noch was. Das Zuhause des Freundes meines mittleren Sohnes liegt praktischerweise auf der Strecke. Also hol' ich ihn gleich ab, damit er nicht mit dem Bus zu uns fahren muss. Darauf kommt’s mir jetzt auch nicht mehr an.

Endlich zu Hause angekommen, begrüße ich meinen Mann, der bereits auf der Couch vor dem Fernseher entspannt. Muss Liegen schön sein. Wie gern läg' ich jetzt auch dort. Klar, mir geht's gut ... warum denn auch nicht? Danke der Nachfrage.

Junge Frau mit kehrt ermüdet den Boden zusammen | Credit: iStock.com/nicoletaionescu

Empfehlung der Küche: Tiefkühlpizza

Weil ich Hunger habe und den ganzen Tag keine Zeit zum Essen hatte, ist "Couch Time" keine Option. Hält zwar schlank, wenn man nur von Frühstück lebt, aber auch schlecht gelaunt. Kraft und Lust zum Kochen habe ich heute nicht. Die Tageskarte empfiehlt Tiefkühlpizza. Nehm' ich. Wort mit sieben Buchstaben, mehr fällt mir zum Thema Energie heute nicht ein.

Last Call: Das Bett ruft

Gesättigt begebe ich mich ein Zimmer weiter, sacke neben meinem Mann aufs Sofa, kuschele mich an ihn.

"Mama ..."

Beim Zu-Bett-Gehen drückt mir mein jüngster Sohn noch eine Schulmitteilung in die Hand, die bis morgen gelesen und unterschrieben sein soll. Wär‘ ja gelacht, wenn ich das nicht auch noch hinbekomme. Wer sagt's denn: Mission completed.

Irgendwie krieg' ich von der Serie, die im Fernsehen läuft, nicht viel mit. Aber sie muss gut gewesen sein, denn ich habe bestens dabei gedöst. Irgendwann schickt mich mein Schatz sanft ins Bett. Liebe ohne Worte. Er weiß auch so, was heute los war.

Endlich schlafen

Im Bad beim Abschminken fällt mir dann noch ein, dass die Wäsche noch ganz dringend aus der Waschmaschine in den Trockner muss. Danach geh' ich aber wirklich schlafen. Und das tu' ich dann auch, kaum, dass ich die letzten Meter zum Bett geschafft habe. Schlaf, den ich dringend brauche – für den nächsten Tag. Gut nur, dass nicht jeder so wie der heutige ist. Sonst wüsste ich schon, was ich auf die nächste bunte Haftnotiz schreiben und wohin ich sie mir kleben würde: Gut sichtbar auf meine Stirn mit den Worten "Außer Betrieb".

Junge Frau entnervt beim Kochen und Backen in der unaufgeräumten Küche | Credit: iStock.com/Maria Korneeva

Zur Autorin

Wer wie Judith Locher Mutter von drei Söhnen ist, schöpft aus einem großen Fundus, wenn es um das Thema "Männer im Alltag" geht. Mit Augenzwinkern und einer Prise feinem Humor teilt die Oberösterreicherin ihre Erlebnisse und Erkenntnisse auf www.weekend.at.