Wie man dank Make-up um Jahre jünger aussieht

Ich war in einer Ecke von Wien gelandet, in der ich glaube, noch nie in meinem Leben gewesen zu sein. Unterwegs, um für das Enkelkind einer Freundin eine Elsa-Puppe mit Pferd und Kutsche, diversen Kleidern und Schminksachen von einer Familie abzuholen, deren Tochter diese Phase bereits abgeschlossen hatte. Und so hatte ich trotz bereits 25-minütiger Parkplatzsuche am Weg zu der genannten Adresse das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Mit einer pinken Umhängetasche am Arm machte ich mich glücklich auf den Rückweg zu meinem Auto.

Kurs statt Auto

Mein Auto, es war weg. Oder war ich in der falschen Gasse? Es soll ja Menschen geben, die das Straßenschild fotografieren oder das Navi aktivieren - ich gehöre nicht zu dieser Spezies. Einzig, das Bild einer Bäckerei tauchte vor meinem geistigen Auge auf, da bin ich vorbeigegangen. Jetzt aber stand ich planlos vor einem Kosmetikinstitut. In der Auslage zeigte ein Monitor:

"Neuer Kurs – Jünger Schminken, heute Gratisinformation!"

Ich betrat das Geschäft wohl schon ziemlich gestresst. Eine maximal 25-jährige Naturschönheit empfing mich mit den freundlichen Worten: "Herzlich willkommen, für welchen der Kurse interessieren Sie sich?" dabei sah sie mich fragend an.  "Wir machen extra Gruppen für Frauen 30+, 40+, 50+, 60+. Welchen wollen Sie besuchen?" -  Und ich: "Ich möchte den 60+ Kurs, ich bin zukunftsorientiert."

Fit for Future!

Ein konturloses Breigesicht - will ich nicht!

Bis mein Auto am anderen Ende der Welt landen würde, hatte ich noch genügend Zeit. Während die junge Schönheit schon mit ihrem Power Point-Vortrag begann, überschlug ich noch die Kosten der günstigen „Elsa“ samt Zubehör um 35 Euro. Dazu rund 400 Euro Abschleppgebühr, plus rund 50 Euro für das Taxi ins Nirwana. Da musste sich mein Schicksal schon was dabei gedacht haben, oder?

Jana, so stellte sie sich vor, hatte scheinbar beobachtet, dass ich nicht ganz bei der Sache war, schenkte sich die einzelnen Bilder der Präsentation und klickte zur Zusammenfassung. Diese zeigte ein Frauengesicht, das im Zeitraffer bei gleichbleibender Schminktechnik immer älter wurde. Ein fahles, konturloses „Breigesicht“.

Erschreckend, selbst ich dachte jetzt nicht mehr an mein Auto, sondern sah fasziniert dieser unerfreulichen Verwandlung zu. Jana bemerkte mein plötzliches echtes Interesse – ein Bild sagt eben mehr als tausend Worte. Danach „schminkte“ das Programm die Augen- und Lippenkontur, und die 60+-Variante sah jetzt richtig gut aus.

Frau wird professionell geschminkt | Credit: iStock.com/dikushin

Sieben wichtige Tipps

Worauf man achten sollte, je älter man wird, erfuhr ich jetzt:

  1. Je älter man ist, desto heller sollen die Make-up-Farben sein
  2. Concealer ist das wichtigste Kosmetikutensil
  3. Cremige Konsistenz ist besser, Puder dafür nur sparsam verwenden (setzt sich in den Falten ab und betont sie)
  4. Augenbrauen, Augenform und Lippen geben dem Gesicht den nötigen Rahmen
  5. Contouring ist alles: das Spiel von Licht und Schatten nutzen, um Vorzüge zu betonen und Makel zu kaschieren. Dunkle Töne „verschmälern“, helle Töne „heben“ die Gesichtspartie hervor, Farben stets gut verblenden
  6. Produkte mit hohem Pigmentanteil verwenden und mit speziellem Pinsel oder Schwämmchen auftragen
  7. Bei jedem Schminkschritt innerlich denken – sprich nach oben (die Schwerkraft zieht automatisch nach unten)

Die Foundation

Wenn ich ehrlich bin, ich bin beim Schminken ein „Gewohnheitsmensch“ und habe seit Jahrzehnten meine bewährte Schminktechnik automatisiert. Heute allerdings war ich komplett ungeschminkt, Jana stand vor mir und sagte: "Soll ich?" - "Ja, bitte!"

Als erstes verteilte sie Foundation am gesamten Gesicht mit einem Pinsel, danach wurden Augenringe mit einem Concealer, besser gesagt die gesamte Partie unter den Augen bis zum Jochbein, aufgehellt und auch das Oberlid bis zu den Augenbrauen miteinbezogen ("Wie wenn du eine große Sonnenbrille tragen würdest", sagt sie).

Auch die Nasolabialfalte wurde reichlich aufgehellt, genau wie die Stirn- und Kinnmitte. Schon jetzt sah mein Gesicht wesentlich strahlender aus, obwohl ich eigentlich noch „ungeschminkt“ war.

Mit einem neutralen Braunton setzte sie zwei Striche unter den Backenknochen, von den Mundwinkeln in Richtung obere Ohrkante. Auch entlang der Kinnlinie und dem Haaransatz wurde der Licht- und Schatteneffekt eingesetzt. Im Spiegel erkannte ich mein Gesicht mit definierter Kontur statt meiner sonst röserlichen Apfelbäckchen - welch ein Unterschied.

Foundation in verschiedenen Farben | Credit: iStock.com/TanyaRow

Die Augenbrauen

"Jetzt kommt der wichtigste Schritt", kommentierte Jana meine spärlichen Augenbrauen mit einem in die Jahre gekommenen Permanent-Make up. "Der Rahmen – gut gesetzt - bringt dir fünf bis zehn Jahre."

Ich lehnte mich entspannt zurück, der 40er war in Sichtweite. Wenn das so weitergeht, schaffe ich hier und heute noch den 30er, wenigstens optisch!

"Farbe im Ton deiner (echten) Haarfarbe wählen, nicht zu dunkel", betont Jana. "Von der Innenkante der Augen zwei Drittel ansteigend, ein Drittel bis zum äußeren Punkt der Augen verlängern – in Richtung oben", wie sie betont.

Nachdem sie den Rahmen gesetzt hatte, füllte sie vorsichtig von unten meine Augenbrauen auf. Dicke Balken sind ein absolutes Tabu, sie drücken so schwer nach unten, wie wenn man zwei Nächte nicht geschlafen hat.

Junge Frau mit geschlossenen Augen | Credit: iStock.com/ValuaVitaly

Die Augen

Ich richtete mich im Sessel zur vollen Körpergröße auf, in Richtung oben. Während ich mich fasziniert im Spiegel betrachtete, machte sie sich an meine Augen heran. Perfekte Augen bringen locker sieben Jahre! Ich überschlug meine bisherige Verjüngungsberechnung.

Beiger Lidschatten wurde auf dem gesamten Augenlid verteilt, mit zartbraunem entlang des Augenknochens verblendet und ein Tupfer Highlighter im inneren Augenwinkel, ich erkannte meine blauen Augen. Ein feiner Lidstrich entlang des oberen Wimpernrandes, minimal verlängert in Richtung oben (kein Schwalbenschwanz), weiße Basis-Mascara und eine tiefschwarze Mascara mit gebogenen Bürsten hoben meine Wimpern maximal nach oben.

Lidschatten-Palette | Credit: iStock.com/FabrikaCr

Die Lippen

Noch einen Tupfer Highlighter in der Mitte der Oberlippe, Konturenstift in natürlicher Lippenfarbe und ein sanfter Rosenholzton für meine Lippen machten mein Gesicht perfekt.

"Niemals zu dunklen oder grellen Lippenstiftfarben greifen", mahnte mich Jana, "sie verschmälern die Lippen und heben kleine Fältchen unnötig hervor."

Lippenstift in Rosenholz | Credit: iStock.com/Santje09

Plötzlich Prinzessin

Ich bin so schön, ich erkenne mein Gesicht mit Augen und Mund, es strahlt – ich strahle! Alter egal. Jana überreicht mir eine gefüllte Kosmetiktasche: "Da ist alles, was du brauchst – schenk ich dir." Ich bin sprachlos, und das passiert mir sehr selten.

Was für ein Tag, es hat doch alles einen Sinn im Leben. Mit den Öffis fahre ich direkt zu meiner Freundin, für den Beamten der KFZ-Verwahrstelle vergeude ich mich jetzt nicht. Meine Freundin murrt, ihr Enkerl läuft mir voller Freude entgegen. "Du bist sooo schön", sagt die Kleine und tappt mit ihren Patschhändchen in mein Gesicht. "Wir spielen heute Zauberfee", sagt sie entschlossen. "Du bist die Prinzessin, die Omi ist die Hexe, und ich bin die Zauberfee." Omis Mundwinkel schauen traurig - nach unten.

Zur Autorin

Mit ihren wohl überlegten Gedanken und praktischen Tipps liefert die in Wien lebende freie Autorin Valerie Vonroe wertvolle Anstöße für einen bewussteren Umgang mit den eigenen Potenzialen und Ressourcen – in jedweder Hinsicht.

Autor: Valerie Vonroe, 10.12.2021