Dry January: Was ein Monat ohne Alkohol wirklich bringt
- Kater am Neujahrsmorgen
- Dry January als moderner Fastenmonat
- Österreich als Land der Trinker
- Nüchtern betrachtet
- Hype oder hilfreich
- Wie sich der Körper regeneriert
- Genuss ohne Verzicht
Der Kopf dröhnt, die Augen rot, die Haut fahl: Frisch ins neue Jahr? Von wegen. Am Neujahrsmorgen hat der Kater den Körper fest im Griff. Der Jänner beginnt für viele mit Schädelweh, Übelkeit und dem festen Schwur: „Nie wieder.“
Kater am Neujahrsmorgen
Der körperliche Ausnahmezustand nach der Silvesternacht ist für viele ein fixer Bestandteil des Jahresstarts. Kopfschmerzen, Übelkeit und Kreislaufprobleme erinnern deutlich daran, dass der Körper Alkohol nicht einfach wegsteckt. Gerade in den ersten Tagen des neuen Jahres wird vielen bewusst, wie sehr der Konsum zur Gewohnheit geworden ist.
Dry January als moderner Fastenmonat
Der „Dry January“, also trockener, sprich alkoholfreier Jänner, ist der perfekte Zeitpunkt für den Selbstversuch auf Zeit. Ein Monat ohne Alkohol ist für viele jetzt ein Resetknopf. Nach den exzessiven Weihnachtsfeierlichkeiten, in denen der Alkoholkonsum traditionell um ein Drittel steigt, liegt das soziale Leben zum Jahresanfang brach.
Halb Österreich hält fastend an den (noch) frischen Neujahrsvorsätzen fest. Kein Wunder, dass der Dry January inzwischen als moderner Fastenmonat an Fahrt gewinnt. Das Durchhalten fällt dank kollektiver Disziplin jetzt leichter.
Österreich: Land der Trinker
Österreich zählt seit Jahren zu den Hochkonsumländern. In kaum einem anderen Staat der Welt wird so viel gebechert wie in der Alpenrepublik. Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 11,6 Litern Reinalkohol belegt Österreich im internationalen Vergleich den dritten Platz weltweit(!).
Nüchtern betrachtet
Nur 4 Prozent der Österreicher leben abstinent, rund 9 Prozent trinken laut Suchtbericht in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. Für viele ist der alkoholfreie Monat eine echte Challenge. 31 Tage keine Weinbegleitung, kein Bier am Match und auch kein Sekt zum Anstoßen?
So manchem wird mit dem Abstand erst bewusst, wie sehr sie sich an das Achterl am Abend gewöhnt haben und dass der Griff zum Glas in Österreich im Alltag oft zum guten Ton gehört. Der bewusste Verzicht hilft, das eigene Trinkmuster im wahrsten Sinne des Wortes nüchtern einzuordnen.
Dry January: Hype oder hilfreich?
Fakt ist: Ein regelmäßiger Pegel belastet Psyche, Leber, Kreislauf und Schlaf, macht die Haut fahl und das Denken träge. Viele merken die Auswirkungen erst, wenn für ein paar Wochen nichts mehr nachkommt und sich der Schleier hebt. Dann zeigt der Vergleich, wie stark der Körper tatsächlich gelitten hat.
Wie sich der Körper regeneriert
Schon nach wenigen Tagen wird der Schlaf tiefer, weil der Körper nicht mehr gegen Alkohol anarbeiten muss. Energie und Konzentration nehmen merklich zu. Die Haut wirkt klarer, weil Entzündungen zurückgehen und sich der Flüssigkeitshaushalt erholt.
Nach zwei Wochen startet die Leber mit echter Regeneration und setzt schließlich Reparaturprozesse frei, die im Alltag oft von stetigem Konsum blockiert werden. Gleichzeitig stabilisieren sich Blutdruck und Herzfrequenz. Nach vier Wochen bessern sich die Leberwerte merklich.
Viele beschreiben im Laufe des Monats ein Gefühl von Leichtigkeit, dessen Fehlen sie zuvor nicht mit ihrem Konsum in Verbindung gebracht haben. Eine Studie der Universität Sussex zeigt, dass Teilnehmer eines alkoholfreien Monats auch sechs Monate später deutlich weniger trinken.
Genuss ohne Verzicht
Trotz der Pause muss niemand auf Genuss verzichten. Das Angebot an alkoholfreien Bieren, Weinen und Sekten ist in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. In Österreich wächst er jährlich zweistellig, besonders bei 0,0-Bier. Das spiegelt sich im wachsenden Angebot wider. Bars setzen auf durchdachte Mocktails, Winzer füllen hochwertige 0,0-Varianten ab und selbst Craft-Brauereien haben eigene Linien ohne Alkohol entwickelt. Den Dry January kann man damit durchaus als Chance nutzen, neue Gewohnheiten auszuprobieren, ohne sich selbst etwas wegzunehmen.