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Porträt
Parfümerie Nägele & Strubell Geschäftsführer Silvia Schwab-Stubenvoll_und Georg Oelschlägel
Parfümerie Nägele & Strubell Geschäftsführer Silvia Schwab-Stubenvoll_und Georg Oelschlägel
Nägele & Strubell

Wie ist das, wenn Burschen die Parfümerie stürmen?

28.01.2026 um 12:03, Andrea Schröder
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Sie kommen nicht allein, nehmen sich Zeit und diskutieren Duftnoten wie Experten. In der Parfümerie trifft sich heute eine ganz besondere Zielgruppe: Teenager.

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Was früher ein schneller Griff ins Regal war, ist heute ein bewusstes Erlebnis – mit Anspruch, Wissen und Leidenschaft für hochwertige Düfte. Nägele & Strubell Geschäftsführer Silvia Schwab-Stubenvoll und Georg Oelschlägel im Interview.  

WEEKEND: Spürt man den Trend in den Filialen? Wie drückt sich das aus?

S. Schwab-Stubenvoll, G. Oehlschlägel: Ja, diesen Trend spüren wir sehr deutlich in unseren Parfümerien. Vor allem jüngere Männer kommen meistens zu zweit oder in Gruppen, probieren gemeinsam Düfte aus, vergleichen, tauschen sich gegenseitig aus und nehmen sich bewusst Zeit, sich durchzusprühen. Duft ist für diese Zielgruppe weniger ein klassischer Kaufakt, sondern ein soziales Erlebnis. Das beobachten wir seit knapp drei Jahren standortübergreifend.

Allen voran hat es ihnen das Nischenduft-Segment angetan. Dabei stehen Individualität, die Duftentwicklung auf der Haut, Haltbarkeit sowie die Stories hinter den Düften – bis hin zum Parfumeur und der genauen Analyse der Inhaltsstoffe – im Fokus. Diese Kunden sind echte Duft-Sommeliére.

Silvia Schwab-Stubenvoll

Vor der Kaufentscheidung

WEEKEND: Geben sie auch tatsächlich Geld aus oder bleibt es häufig beim Ausprobieren?

S. Schwab-Stubenvoll, G. Oehlschlägel: Beides kommt vor. Ein Teil bleibt beim Ausprobieren, ein anderer Teil kauft sehr bewusst – oft nicht sofort, sondern beim zweiten oder dritten Besuch. Gerade bei hochwertigen Nischendüften ist der Entscheidungsprozess länger. Das entspricht auch absolut unserem Qualitätsanspruch. Daher lassen wir alle interessierten Kund:innen testen und reflektieren.
Dafür erhält man bei uns von seiner Favoriten-Auswahl bis zu drei Proben, um die Entwicklung des Duftes vor der Kaufentscheidung über einen Tag erleben zu können. Das ist ein wichtiges Tool, damit jede und jeder mit seinem neuen Parfum langfristig glücklich ist.

Blick in den Verkaufsraum
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Was wird besonders gern aufgesprüht?

WEEKEND: Ist das für das Unternehmen in Ordnung oder nimmt es überhand?

S. Schwab-Stubenvoll, G. Oehlschlägel: Grundsätzlich ist das absolut in Ordnung und sogar erwünscht. Wir verstehen uns als Ort der Inspiration und des Entdeckens. Natürlich braucht es klare Rahmenbedingungen, damit das Ausprobieren respektvoll bleibt und das Einkaufserlebnis für alle Kund:innen angenehm ist. Unsere Teams sind dafür gut geschult. Solange Wertschätzung für Produkt, Raum und Miteinander vorhanden ist, sehen wir diesen Trend klar als Chance.

WEEKEND: Welche Marken sind bei den Jungs besonders beliebt?

S. Schwab-Stubenvoll, G. Oehlschlägel: Besonders gefragt sind charakterstarke, wiedererkennbare Nischendüfte – oft mit intensiven Noten, klarer Handschrift und hoher Performance. Marken mit starkem Storytelling, Exklusivität, Handwerkskunst und Individualität sprechen diese Zielgruppe besonders an. Der Duft wird als Teil der eigenen Persönlichkeit verstanden.

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Ort für Austausch und Empfehlungen

WEEKEND: Wie gut sind sie informiert – und lassen sie sich auch beraten?

S. Schwab-Stubenvoll, G. Oehlschlägel: Erstaunlich gut. Viele kommen bereits mit konkretem Vorwissen – aus Social Media, Duftforen oder durch Empfehlungen. Gleichzeitig sind sie sehr offen für persönlichen Austausch, wenn dieser auf Augenhöhe stattfindet. Sie schätzen ehrliche Empfehlungen und Hintergrundgeschichten zu Düften. 

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