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Porträt
Immer mehr Teenager geben ihr Geld für Parfüms aus.
Immer mehr Teenager geben ihr Geld für Parfüms aus.
JackF/istockphoto.com

Teures Trend-Hobby für Burschen: Edle Parfüms

27.01.2026 um 12:13, Andrea Schröder
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Überraschung: Die größten Duft-Auskenner sind heute Teenager. Statt Axe & Co. stehen bei vielen Jungs hochwertige Nischenparfüms hoch im Kurs.

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Wer heute eine Parfümerie betritt, trifft dort sehr häufig auf Gruppen männlicher Teenager auf der Suche nach einem "Signature-Duft". Das Wichtigste: Er soll die eigene Persönlichkeit unterstreichen. Doch der Trend zu edlen Düften ist nicht frei von Snobismus.

Duft von morgens bis abends

Wo früher der typische Pubertätsgeruch dominierte, riecht es heute nach Eichenholz, kalabrischer Bergamotte oder warmen Rum-Akkorden. Nach der Dusche vor der Schule kommt ein frischer Duft zum Einsatz, am Wochenende darf es intensiver sein. Begriffe wie Haltbarkeit, Sillage oder Drydown gehören für viele Jugendliche längst zum Standardvokabular.

Liebe zum Duft: Influencer

Dass sich gerade junge Männer so intensiv mit Parfüm beschäftigen, ist kein Zufall. Soziale Medien wie Instagram und TikTok spielen eine zentrale Rolle. Duft ist Teil der Selbstdarstellung geworden – und ein gemeinsames Hobby. Auf Social Media erklären Influencer komplexe Duftprofile, vergleichen Nischen- mit Designerdüften und geben Kaufempfehlungen.  Sie erreichen damit Hunderttausende Follower und prägen maßgeblich den Geschmack ihrer Community.

Jeremy Fragrance

Gruppenbild, er in der Mitte mit einem Flakon sprühend
Crazy in vielerlei Hinsicht: der Duft-Influencer Jeremy Fragrance

Mit plattformübergreifenden 6,4 Mio. Followern der international wohl bekannteste DuftInfluencer, aber auch der umstrittenste (Nähe zu Rechtsextremisten, sexistische Aussagen).

Philip Deml

Porträt mit Flakon in der Hand
Philip Deml gibt sich gern Gentleman-like

Der Lifestyle- und Fashion-Creator aus Frankfurt hat bereits eine eigene Parfüm-Marke gegründet: Casa Far Niente, erhältlich z. B. auf breuninger.com.

Max Aoud

Porträt
Max Aoud (von dem teuren Duft-Öl Oud) heißt eigentlich Max Wendel.

Neben Nischenparfüms stellt der Influencer (Typ: WU-Student will hoch hinaus) auch Drogeriedüfte vor. Gesamtreichweite auf Social Media: ca. 423.000 Follower.

Was die Branche sagt

In den Parfümerien zeigt sich der Trend deutlich. Junge Männer kommen oft gemeinsam, probieren Düfte aus und tauschen sich intensiv aus. Der Kauf ist dabei weniger Impulsentscheidung als bewusster Prozess – hochwertige Düfte werden häufig erst beim zweiten oder dritten Besuch gekauft, so die Geschäftsführerin der Parfümerie Nägele & Strubell Silvia Schwab-Stubenvoll im Interview mit weekend.at.

Viele junge Kunden bringen bereits fundiertes Vorwissen mit. Gerade bei hochpreisigen Nischendüften wird die Entscheidung sorgfältig abgewogen.

Silvia Schwab-Stubenvoll

Nischendüfte können mehrere Hundert Euro kosten. Wer einsteigen möchte, findet aber auch bei Designermarken hochwertige Alternativen. Diese sind preislich moderater, handwerklich gut komponiert und oft kaum von exklusiven Marken zu unterscheiden. Das deutsche Traditionsunternehmen Mäurer & Wirtz („4711 Echt Kölnisch Wasser“) etwa ist 2023 mit der Acqua Colonia Absolue Kollektion in ein höherpreisiges und vor allem hochqualitatives Segment vorgestoßen. Im Interview mit weekend.at sagt Frederic Schuckert, Duftexperte bei Mäurer & Wirtz:

Für junge Männer sind vor allem Intensität und Langlebigkeit entscheidend.

Frederic Schuckert

Parfüms für Einsteiger und Profis

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