Polarwirbel: Warum uns minus 20 Grad drohen
- Rekordwinter: Wenn die Ostsee gefriert
- Amoc-Kollaps: Warnsignale aus Meer und Luft
- Polarwirbel-Split: Wie die Arktis-Kälte ausbricht
- Eis-Szenario: Was der Winter für Österreich bedeutet
- Wetter-Ausblick: Kommt die große Kälte im Februar?
Das Wetter in Mitteleuropa steht an einem Scheideweg. Meteorologen beobachten den Polarwirbel genau, Klimaforscher warnen vor einem Muster, das Erinnerungen an die härtesten Extremwinter der Geschichte weckt. Droht Österreich nun eine wochenlange Eiszeit?
Rekordwinter und vergessene Kälte
Der kälteste Winter der letzten 200 Jahre liegt bereits knapp ein Jahrhundert zurück. Die tiefste in diesem Winter in Wien gemessene Temperatur betrug minus 25,8 °C.
Im Verlauf der damaligen Kälteperiode – die sich vom Jänner bis Februar 1929, über die Dauer von 37 Tagen erstreckte – bildete sich an der österreichischen Donau, von der Wachau bis nach Hainburg, eine fast durchgehende Eisdecke von circa 50 cm Dicke und mehr. An vielen Stellen konnte man "über die Donau" gehen. Da Anfang März 1929 fast ganz Österreich mit Schnee bedeckt war, wurde zu Beginn der Tauperiode ein Hochwasserereignis befürchtet, das durch die Behinderungen des Eisabganges und der damit verbundenen Rückstaueffekte ein hohes Schadensrisiko hatte.
Warnsignale aus Meer und Luft
Trotz globaler Erwärmung sind Kältewellen realer denn je. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnt vor der Schwäche der Atlantischen Umwälzzirkulation (Amoc). Stefan Rahmstorf vom PIK erklärt, der folgenschwere Kipppunkt könne „in den nächsten Jahrzehnten erreicht sein“. Danach drohe ein Stillstand der „Heizung Europas“.
Ohne diesen Wärmetransport würden blockierende Hochdrucklagen zunehmen. Andreas Walter vom DWD betont gegenüber dem deutschen Medium T-Online: „Ein stabiles Hochdruckgebiet über Osteuropa bedeutet im Winter große Kälte.“ Es saugt die Arktis-Luft förmlich nach Österreich.
Was der Polarwirbel bewirkt
Parallel dazu gerät der Polarwirbel ins Wanken. Wenn dieser Kaltluftsee über dem Nordpol ausfranst oder sich aufspaltet (Split), bricht die Kälte nach Süden aus. Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut fand bereits 2017 heraus, dass schmelzendes Meereis die Polarwinde stört: „Wenn das Meereis nördlich von Skandinavien schmilzt, gibt der freigelegte Ozean mehr Wärme in die Luft ab. Das stört die Polarwinde“, so ihre Erklärung für das Phänomen.
Folgen für das Wetter in Österreich
Für Österreich bedeutet ein schwacher Westwinddrift Dauerfrost. Historische Daten von Geosphere Austria (ehemals "ZAMG") zeigen, dass Wien bei solchen Lagen auf unter minus 20 Grad fallen kann. Ein Amoc-Kollaps würde Extremwinter zur Regel machen. Modelle der Universität Utrecht skizzieren düstere Szenarien: München könnte jährlich über hundert Frostnächte zählen – Ostösterreich wäre direkt betroffen.
Wetter-Blick auf die nächsten Wochen
Anfang Februar 2026 deutet alles auf eine brisante Lage hin. Ein kräftiges Hoch über Finnland leitet kalte Kontinentalluft ein. Das europäische Wetterzentrum (ECMWF) sieht Anzeichen für einen Polarwirbel-Split in der zweiten Februardekade.
Andreas Walter vom DWD warnt vor Selbstgewissheit: „Das Risiko eines Amoc-Kollapses ist real und sehr ernst.“ Stefan Rahmstorf ergänzt: „Ein vollständiger Zusammenbruch wäre eine gewaltige Katastrophe planetaren Ausmaßes.“ Für Österreich bleibt der Winter ein unberechenbares Risiko.
Quellen und weiterführende Informationen
- t-online: Polarwirbel und Amoc schwächeln – Es droht ein langer, arktischer Winter (Analyse von Matti Hartmann)
- Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft: Eisstoß 1929 – Chronik eines historischen Kälteereignisses in Österreich