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Teddybär in dunklem Raum als Symbolbild für Gewalt gegen Kinder in Österreich, nachdem mehrere Kinder in kurzer Zeit getötet wurden.
Fünf ermordete Kinder in zwei Monaten: Experten sind alarmiert und fordern mehr Gewalt-Prävention.
Fünf ermordete Kinder in zwei Monaten: Experten sind alarmiert und fordern mehr Gewalt-Prävention.
dall.e / weekend.at

5 tote Kinder in 2 Monaten: Wie sicher sind Österreichs Kinder?

10.03.2026 um 15:22, Stefanie Hermann
min read
Fünf getötete Kinder in nur zwei Monaten erschüttern Österreich. Die tragischen Fälle werfen eine dringende Frage auf: Wie sicher sind Österreichs Kinder?

Fünf getötete Kinder in nur zwei Monaten: Mehrere dramatische Fälle erschüttern derzeit Österreich und rücken ein Thema in den Mittelpunkt, das oft im Verborgenen bleibt: Gewalt gegen Kinder im engsten familiären Umfeld.

Während aktuell eine Gerichtsverhandlung wegen versuchten Mordes an einem Kind beginnt, zeigen die jüngsten Fälle, wie gefährdet Kinder gerade dort sein können, wo sie eigentlich Schutz finden sollten.

Fünf getötete Kinder: Familie zur Gefahr wird

Expertinnen und Experten warnen seit Jahren davor, dass Kinder besonders häufig im privaten Umfeld Opfer schwerer Gewalt werden. Täter sind in vielen Fällen Eltern oder andere nahe Bezugspersonen.

„Diese Fälle führen uns schmerzhaft vor Augen, dass Kinder gerade im engsten Umfeld besonders gefährdet sein können. Gewalt gegen Kinder passiert meist dort, wo sie eigentlich Schutz und Geborgenheit erfahren sollten“, sagt Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation die möwe.

Studien zeigen, dass insbesondere Säuglinge und Kleinkinder zu den am stärksten gefährdeten Gruppen bei Tötungsdelikten zählen. Vor allem bei sehr jungen Kindern kommt es immer wieder zu schweren Misshandlungen.

Gewalt gegen Kinder passiert häufig in der Familie

Gewalt gegen Kinder entsteht häufig im direkten familiären Umfeld. Viele Fälle werden erst spät erkannt, weil sie sich hinter verschlossenen Türen abspielen.

Gerade Säuglinge und Kleinkinder sind besonders verletzlich. Schwere Misshandlungen wie Schütteltraumata können massive körperliche und psychische Schäden verursachen und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Leoben: Elfjähriger Bub mit Stichverletzungen tot aufgefunden

Ende Jänner wurde ein elfjähriger Bub leblos in einer Wohnung in Leoben aufgefunden. Laut Polizei wies das Kind schwere Stich- und Schnittverletzungen auf.

Die 39-jährige Mutter hatte gegen 14:40 Uhr selbst das Rote Kreuz verständigt. Sie ist im Zuge der Ermittlungen selbst unter Mordverdacht geraten.

Tragödie in Kitzbühel: Mutter und Sohn tot

Einer der erschütterndsten Fälle ereignete sich im Februar in Kitzbühel. In einer Wohnung wurden eine 48-jährige Mutter und ihr fünfjähriger Sohn leblos aufgefunden. Die Ermittler gehen von einem erweiterten Suizid aus.

Totes Baby in Nickelsdorf: Mutter festgenommen

Ein weiterer Fall beschäftigt die Ermittler im Burgenland. Am Grenzübergang Nickelsdorf wurde im Jänner ein totes Neugeborenes entdeckt.

Die Obduktion ergab, dass das Mädchen lebend geboren wurde und durch ein Schädel-Hirn-Trauma infolge von Fremdeinwirkung starb. Im Zuge der Ermittlungen wurden vier Verdächtige festgenommen, darunter die 17-jährige Mutter. Für alle Genannten gilt die Unschuldsvermutung.

Ursachen für Gewalt gegen Kinder sind oft komplex

Die Hintergründe solcher Taten sind unterschiedlich und häufig komplex. Fachleute nennen unter anderem massive Überforderung, soziale Isolation, psychische Erkrankungen oder akute Krisensituationen als mögliche Auslöser.

„Gerade weil Gewalt gegen Kinder meist im privaten Umfeld passiert, braucht es starke Präventionsstrukturen und niederschwellige Unterstützungsangebote für Familien“, betont Hedwig Wölfl.

Frühe Hilfe soll Gewalt verhindern

Ein wichtiger Bestandteil der Prävention sind in Österreich die sogenannten Frühen Hilfen. Dabei handelt es sich um freiwillige und kostenlose Unterstützungsangebote für Familien. Sie sollen Eltern frühzeitig begleiten und Belastungssituationen entschärfen, bevor Konflikte eskalieren.

„Eltern müssen wissen, dass sie Hilfe bekommen können, bevor Situationen eskalieren“, erklärt Christina Gerstbach, Leiterin des Bereichs Frühe Hilfen bei der möwe.

Kinderschutz bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die fünf getöteten Kinder der ersten beiden Monate dieses Jahres zeigen, wie verletzlich Kinder sind – besonders dann, wenn Gewalt im eigenen Umfeld entsteht. Kinderschutzorganisationen fordern deshalb mehr Aufmerksamkeit für Prävention, stärkere Unterstützungsangebote für Familien und ausreichend Ressourcen für Beratungsstellen.

Jedes getötete oder misshandelte Kind ist eines zu viel.

Hilfe in einer verzweifelten Lebenssituation

Wenn Sie sich in einer belastenden Situation befinden oder merken, dass Sie an Ihre Grenzen kommen, sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Unterstützung ist anonym und kostenlos verfügbar.

  • TelefonSeelsorge – Notrufnummer: 142 (rund um die Uhr, kostenlos und anonym)
  • Rat auf Draht (für Kinder und Jugendliche): 147 (kostenlos, rund um die Uhr)
  • Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums: www.suizid-praevention.gv.at
  • die möwe – Kinderschutz: www.die-moewe.at
  • Frühe Hilfen Österreich: www.fruehehilfen.at 

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