Direkt zum Inhalt
Ansicht einer Zapfsäule einer Tankstelle um die Pleite der WVRAST Gastronomie GmbH zu bebildern
Die drei von der WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH betriebenen ENI-Stationen sollen trotz des Insolvenzverfahrens geöffnet bleiben.
Die drei von der WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH betriebenen ENI-Stationen sollen trotz des Insolvenzverfahrens geöffnet bleiben.
fish studio/Shutterstock

Millionen-Pleite bei Tankstellen-Kette: 34 Mitarbeiter betroffen

08.06.2026 um 16:04, Marcel Toifl
min read
Die WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH hat Insolvenz angemeldet. Drei betriebene Eni-Tankstellen sind von der Sanierung betroffen. Man will den Betrieb fortführen.

Wirtschaftlicher Paukenschlag im westlichen Niederösterreich und Oberösterreich: Der bekannte Tankstellenbetreiber WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH mit Sitz in Bärnkopf hat beim Landesgericht Krems ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung beantragt. Für Kunden und die Belegschaft gibt es in dieser Schrecksekunde jedoch eine erste Entwarnung: Das Unternehmen strebt eine geplante Fortführung des Betriebs an, akute Schließungen der Tankstellen sind zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorgesehen. Betroffen von der Insolvenz sind insgesamt 34 Dienstnehmer sowie rund 45 Gläubiger, während sich die Passiva laut Schuldnerangaben auf rund 1,025 Millionen Euro belaufen.

Die betroffenen Standorte: Diese drei ENI-Tankstellen werden weitergeführt

Das Hauptgeschäft der Schuldnerfirma konzentriert sich auf den Betrieb von drei gepachteten ENI-Stationen, die neben dem Treibstoffverkauf jeweils auch einen Shop und eine Trafik beinhalten. Autofahrer an folgenden Standorten können vorerst aufatmen, da der Fortbetrieb aus den laufenden Einnahmen finanziert werden soll:

  • Amstetten (Niederösterreich): Die ENI-Station in 3300 Amstetten läuft im Rahmen des Verfahrens normal weiter.
  • Behamberg (Niederösterreich, Bezirk Amstetten): Auch der Standort in 4441 Behamberg bleibt für Kunden geöffnet.
  • Dietach (Oberösterreich, Bezirk Steyr-Land): Die Filiale in 4407 Dietach ist ebenfalls Teil des Sanierungskonzepts.

Ehemals gehörte auch eine eigene Tortenproduktion zum Portfolio des Gastronomiebetriebs, welche in der Vergangenheit jedoch komplett eingestellt werden musste.

Die Insolvenzursachen: Fehlende Zuschüsse und das Aus für die Tortenproduktion

Wie der Kreditschützerverband KSV1870 vermeldet, liegt der finanzielle Engpass in einer unglücklichen Verkettung mehrerer Faktoren begründet. Zum einen investierte das Unternehmen in weitreichende Umbauten an den Standorten Behamberg und Amstetten. Diese Modernisierungen brachten im Anschluss jedoch nicht den erhofften Erfolg einer spürbar höheren Kundenfrequenz.

Zum anderen gab es gravierende Unstimmigkeiten und Verzögerungen mit dem Verpächter ENI:

  • Einstellung der Backstube: Die ehemals profitable Tortenproduktion wurde explizit auf Wunsch des Verpächters ENI liquidiert.
  • Fehlende Abrechnungen: Da die wichtige Jahresabschlussrechnung für das Jahr 2025 seitens ENI bis heute noch nicht vorliegt, wurden vertraglich vereinbarte Betriebskostenzuschüsse noch nicht an die WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH ausbezahlt.

Diese ausbleibenden Gelder führten letztlich zu massiven Liquiditätsengpässen, wodurch der Gang zum Insolvenzgericht für das Unternehmen unumgänglich wurde.

Sanierungsplan steht: 40-Prozent-Quote und wichtige Fristen im Verfahren

Um das Unternehmen nachhaltig zu entschulden und die Arbeitsplätze der 34 Mitarbeiter zu sichern, wurde ein konkreter Sanierungsplan ausgearbeitet. Die WVRAST Gastronomiebetriebs-GmbH bietet den betroffenen Gläubigern eine Sanierungsplanquote von 40 Prozent an, welche innerhalb von zwei Jahren abbezahlt werden soll. Zum Insolvenzverwalter wurde der St. Pöltner Rechtsanwalt Dr. Christian Lind bestellt.

Für Gläubiger gelten im Rahmen des Verfahrens am Landesgericht Krems folgende Fristen:

17. Juni 2026: Erste Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung.
15. Juli 2026: Ende der offiziellen Anmeldefrist für Forderungen.
29. Juli 2026: Prüfungstagsatzung vor Gericht.
12. August 2026: Sanierungsplantagsatzung, bei der über die Quote abgestimmt wird.

Laut Brigitte Dostal vom KSV1870 werden erst die kommenden Wochen zeigen, ob der vorgelegte Finanzplan der Eigenverwaltung hält und die Sanierungsbestrebungen der Tankstellen erfolgreich aufrechterhalten werden können. Kunden können die Shops und Zapfsäulen in Amstetten, Behamberg und Dietach bis auf Weiteres wie gewohnt nutzen.

more