Wohnen in luftigen Höhen

Wenn es um hoch­wertigen Wohnraum in der Stadt geht, wachsen die Preise sprichwörtlich in den Himmel. Als simple Regel gilt: Je höher man wohnt, desto höher der Quadratmeterpreis des Apartments. Filetstück jeder mehrgeschoßigen ­Wohnimmobilie bildet das Penthouse. Wer so ein Objekt in guter Lage sein Eigen nennen will, muss meist tief in die Tasche greifen. Penthouse-Wohnungen zählen zu den begehrtesten und teuersten Wohnadressen. Lifestyleartige Bilderstrecken von luftigen Luxus-Domizilen mit Blick über New York, London oder Singapur beflügeln die Phantasien vom eigenen Wohntraum und zählen zu den beliebtesten Klick-Themen im Internet. Den angeblich teuersten Ausblick derzeit hat man vom Dachgeschoß des „Tour Odéon“ über ­Monaco. Kostenpunkt: 380 Millionen Euro. Inbegriffen sind dafür 2.800 Quadratmeter Wohnfläche, ein hauseigener Catering-Service und ein Infinity­pool. Das höchstgelegene Schwimmbecken dieser Art wurde vor ­kurzem im 70.   Stockwerk des 319   Meter hohen Wolkenkratzers „­Australia  108“ in Melbourne verwirklicht. Aber es ist nicht nötig, in die Ferne zu schweifen: Um „himmlische“ Angebote sind auch Wien oder Linz nicht verlegen – wenn auch nicht in dieser Bauhöhe oder Exklusivität.

Neue Wohn-Perspektiven

Wer eine Zweizimmerwohnung mit 60 Quadratmetern Wohnfläche samt Balkon des im Bau befindlichen Bruckner Towers kaufen möchte, kann von Etage zu Etage wählen. Es ist wie beim Brettspiel „Monopoly“: Mit jedem Höhen-Fortschritt steigen die Preise.

Zitat Günter Penz

Der Aufpreis für eine Wohnung im 24. Geschoß gegenüber einem vergleichbaren Wohnsitz in den bodennahen Sphären beträgt rund 25 Prozent. Ist es das wert? Und was macht den höheren Preis aus? „Es ist vor allem die Aussicht“, sagt Günter Penz von Penz Immobilien in Linz. Im oberen Bauabschnitt sind Privatsphäre und freier Blick über die Dächer garantiert. „Ich bin nicht der ausgesprochene Ausblick-Freak, aber diese Aussicht ist schon außergewöhnlich. Nicht nur die Donau wird in neuer Perspektive wahrgenommen. Wenn das Wetter passt, wird man mit einem Panoramablick bis zu den Bergen belohnt“, sagt der Makler. Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Apartments in den oberen Geschoßen deutlich höher ist als bei Wohneinheiten in Parterre-Nähe – und damit steigt der Preis. Wer es sich also leisten kann, wohnt so weit oben wie möglich.

Wer einst oben lebte, war arm

Dabei war das nicht immer so. Wer ­Mitte des 19. Jahrhunderts im aufstrebenden Bürgertum der österreichisch-ungarischen Monarchie statusgerecht wohnen wollte, war in der Beletage zu Hause. Die luxuriösen Wohnstätten mit ihren hohen Räumen befanden sich meist im Hochparterre, also im ­ersten Stockwerk, die leicht über eine schöne ­Treppe zu erreichen waren. Im Parterre waren wegen der Feuchtigkeit meist ­Arbeitsräume vorgesehen. Im Dachgeschoß zu leben war damals eher nicht angenehm, wie das berühmte Spitzweg-Gemälde des „armen ­Poeten“ anschaulich zeigt. Ganz oben war das Dienstpersonal untergebracht: Es ­musste sich nach getaner Arbeit schwitzend nach oben schleppen. Der mehrgeschoßige Wohnbau war bereits bei den alten Römern üblich. Fünf, sechs und sogar sieben Stockwerke hoch lebten unterschiedliche sozialen Schichten in einem Block.

Pool mit Weitblick

Die wohlhabendsten Bewohner – nicht selten waren es die Hauseigentümer – residierten im Erd­geschoß. „Je höher man das Treppenhaus hinaufstieg, desto schlimmer wurde es“, schreibt der britische Historiker Matthew Kneale. Im obersten Stockwerk herrschten slumähnliche Zustände für die Parteien, die undichte Dächer und dünne Holzwände ertragen mussten.

Ausgleichende Gerechtigkeit

Heute ist die Wertigkeit der oberen und ­unteren Wohnetagen auf den Kopf gestellt. Von der Tiefgarage ist man trockenen Fußes mit dem Lift im Handumdrehen in den obersten Wohnbereichen. Bei Gebäuden, die vor mehr als 50 Jahren errichtet wurden, ­hatte das Wohnen im Erdgeschoß noch ­Vorzüge, heute sind deren Bewohner nicht selten dem Lärm und Gestank der Straße ausgesetzt. Selbst in den Hitlerbauten, die in Linz vielerorts noch das Stadtbild prägen, herrschte lange Zeit eine Art ausgleichende Gerechtigkeit. Bewohner in den obersten Stockwerken hatten zwar mehr Ruhe und Exklusivität, dafür mussten sie im Winter den Voest-Koks vom Keller nach oben schleppen. Inzwischen sind die in die Jahre gekommenen Gebäude nicht nur sehr gut gedämmt, sondern haben vielfach auch Außenlifte, was zur Wertsteigerung beiträgt.

Schönes Wohnen hat seinen Preis

„Wir suchen Penthouse-Wohnungen für zahlreiche Kunden in Linz und Wien. Gefragt ist unter anderem: Eine gewisse Größe, Barrierefreiheit und ein uneinsehbarer Außenbereich – da wird die Angebotsluft schon dünn“, sagt Penz. Großzügige Ausbauten auf einer ­Ebene mit unkomplizierter Nutzung aller Räume inklusive Terrasse sind am gefragtesten – und am teuersten. Als ­eventuelle zusätz­liche Pluspunkte gelten laut Penz eine gewisse Raumhöhe, Klimatisierung, Pool oder ­Jacuzzi im Außenbereich, Aufzug und Tiefgaragenplätze sowie die Lage: Wie ist die Lärmentwicklung? Ist die Innenstadt zu Fuß erreichbar? Wie ist die Ausrichtung der ­Terrasse? „Penthouse-Wohnungen werden von unseren Kunden für die Eigennutzung sowie als Anlage gesucht.“

Penthouse mit Aussicht
Autor: Klaus Schobesberger, 07.04.2021