Ideen brauchen Raum
Herr Bürgermeister, Herr Stadtrat – wenn Sie auf Linz 2030 blicken: Welche Rolle spielen Innovation, Startups und Bildung für die Entwicklung der Stadt?
Dietmar Prammer: Linz soll 2030 eine wirtschaftlich starke, soziale und klimafitte Stadt sein. Innovation ist dafür die Grundlage – in der Industrie genauso wie bei Startups oder in der Stadtentwicklung. Es geht darum, gute Arbeitsplätze zu schaffen und gleichzeitig die Lebensqualität weiter zu verbessern.
Thomas Gegenhuber: Und dafür braucht es ein starkes Gesamtsystem und der Schlüssel sind gut ausgebildete Fachkräfte. Dank dem dualen System in der Lehre, den zahlreichen Schulen und den Hochschulen sind wir am Standort gut aufgestellt. Unser Ziel muss es aber sein, noch mehr junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Lehrberufe bzw. Studienfächer zu begeistern.
Ein Schwerpunkt liegt auf Bildung und Talenten. Wie schaffen Sie es, mehr Menschen für Technik und Innovation zu begeistern?
Gegenhuber: Wir setzen sehr früh an. Mit der Auszeichnung als „MINT-Region OÖ Zentral“ haben wir ein starkes Netzwerk geschaffen – von Kindergärten über Schulen bis hin zu Universitäten und Unternehmen. Bei diesem Thema ziehen Politik, Unternehmen und Zivilgesellschaft an einem Strang.
Ein Beispiel: Gemeinsam mit der Digitalen Meile – ein Zusammenschluss von IT-Unternehmen im Hafenviertel – unterstützen wir die Initiative „TECHNIKTALENTE“. Bei dieser Initiative kommen Kinder und Jugendliche in den Schulen früh und spielerisch mit Technologie in Kontakt und werden dafür begeistert. Veranstaltungen wie die „World Robot Olympiad“, für die sich Schüler*innen aus Linz qualifiziert und die Österreich damit in Singapur vertreten haben, zeigen, welches Potenzial hier vorhanden ist.
Prammer: Das ist entscheidend für die Zukunft. Wenn wir Talente früh fördern und jungen Menschen Chancen bieten, sichern wir langfristig unseren Standort. Gleichzeitig eröffnen wir echte Perspektiven.
Parallel dazu wird das StartupÖkosystem ausgebaut. Welche konkreten Maßnahmen stehen hier im Mittelpunkt?
Gegenhuber: Wir arbeiten auf mehreren Ebenen. Das Gründer*innenstipendium unterstützt in der frühen Phase und hilft, Ideen überhaupt erst entstehen zu lassen. Gleichzeitig setzen wir stark auf Vernetzung. Mit „Linz Connects“ bringen wir Entscheidungsträger*innen aus Wirtschaft und IT zusammen und integrieren mittlerweile auch gezielt Startups, die ihre Ideen präsentieren können. So entstehen konkrete Kooperationen. Mit Formaten wie „Linz hACkT“ schaffen wir zusätzlich Räume, in denen junge Gründerinnen und Gründer ihre Ideen präsentieren und Feedback von erfahrenen Mentor*innen bekommen.
Prammer: Das Entscheidende ist das Zusammenspiel. Wir fördern Ideen, bringen Menschen zusammen und schaffen die richtigen Rahmenbedingungen. Genau daraus entsteht Innovation. Das belegen auch die Zahlen bei den Unternehmensgründungen: Im Jahr 2025 stieg die Zahl der Neugründungen von 860 im Jahr 2024 auf 981 – ein Plus von beachtlichen 14,1 Prozent.
Linz war immer stark,
wenn Industrie und
Innovation zusammengedacht
wurden.
Linz setzt gleichzeitig große Industrie- und Infrastrukturprojekte um. Wie passt das zur Startup-Strategie?
Prammer: Sehr gut. Linz war immer stark, wenn Industrie und Innovation zusammengedacht wurden. Die voestalpine geht mit Projekten wie dem Elektrolichtbogenofen konsequent den Weg in Richtung einer klimafreundlichen Industrie. Gleichzeitig investieren wir mit der LINZ AG mit dem Wärmewandler oder der Fernkälte in eine nachhaltige Energieversorgung. Das sind wichtige Grundlagen für die Zukunft der Stadt.
Gegenhuber: Für Startups ist genau das ein Vorteil. Sie treffen hier auf starke Leitbetriebe und reale Anwendungsfelder, etwa in den Bereichen Energie, Industrie oder Digitalisierung. Eine Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Startups am Standort hat enormes Potenzial.
Was macht Linz insgesamt zu einem attraktiven Standort für Gründer*innen und Unternehmen?
Prammer: Die Kombination aus wirtschaftlicher Stärke und hoher Lebensqualität. Linz ist eine Stadt der kurzen Wege, man kommt schnell ins Tun und findet die richtigen Partner*innen.
Gegenhuber: Und wir haben eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Wirtschaft und Forschung. Das schafft Dynamik und Geschwindigkeit. Zwei entscheidende Faktoren für erfolgreiche Innovation.
Abschließend: Wo soll Linz im Jahr 2030 stehen?
Gegenhuber: Als führender Bildungsund Innovationsstandort im MINTBereich mit einer starken Startup-Szene und internationaler Sichtbarkeit.
Prammer: Als Stadt, die zeigt, dass wirtschaftliche Dynamik und Lebensqualität zusammengehören. Linz soll ein Ort sein, an dem Menschen gerne leben und ihre Ideen erfolgreich umsetzen können.
Kontakt
Dietmar Prammer
Altes Rathaus
Hauptplatz 1
4041 Linz
Tel: +43 732 7070 1000
Mail: dietmar.prammer@mag.linz.at
Web: www.linz.at/politik/stadtsenat