Direkt zum Inhalt
IT & more
IT & more
Google Data Centers

Die Mouse vom Mars

07.04.2026 um 00:00, Jürgen Philipp
min read
Rechenzentren. Während in Kronstorf Google in KI-Power investiert, reicht das anderen noch lange nicht.

Inhalt

Ein paar Zahlen vorab: 42.000 Qua­drat­meter Grundfläche, 290 Meter langes Hauptgebäude und 35 ­verbaute Fußballfelder für die Hallen des 12.  Rechenzentrums von Google in Europa. In Krons­torf gab es kürzlich das ultimative Go für ein Jahrhundertprojekt. Nur kurz zur Verdeutlichung: 2008, als sich der Tech-Gigant für den Standort entschied, überschritt der damals stärkste Supercomputer namens „Roadrunner“ die 1-Petaflop-Marke. Im ­November 2025 erreichte „El Capitan“ eine Leistung von 1,7 Exaflops, also 1.700 Petaflops. Auch wenn so manch einer in Anbetracht einer Vorlaufzeit von 18  Jahren von einem „Flop“ in Krons­torf sprach, nun ist es so weit. Die Bagger planieren den Weg zur ersten Serverfarm dieser Art in Österreich.
 

Sehen so schon bald KI-Datencenter im Weltall aus? So zumindest stellt die KI sie sich vor.

Energie ohne Ende

Genaue Daten wie Rechenleistung oder Investitionsvolumen gibt es (noch) nicht. Google weiß zwar scheinbar alles über jeden, aber es muss nicht jeder alles über Google wissen. Und doch gibt es einiges, was sich allein schon aus den Daten der UVP ableiten lässt. Die Anschlussleistung soll zwischen 800 und 1.000  MW betragen und es arbeiten bis zu 700  Menschen an der Baustelle. Das rief gleich die Finanzpolizei auf den Plan, die 31  Übertretungen feststellte. Doch Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Finanz­polizisten sind irdische Themen, die Elon Musk aktuell nicht jucken. Er denkt nicht nur out of the box, sondern gleich out of space. Der extreme Hunger nach Rechenzentren für KI-Anwendungen stößt auf der Erde auf einige Hürden. In Indien ließ die Kühlung eines KI-Datencenters das Trinkwasser für die Bevölkerung versiegen. In den USA steigen Menschen vermehrt auf die Barrikaden, weil sich ihre Energie­kosten aufgrund von – in ihrer Kommune neu in Betrieb genommenen – Datencentern vervielfacht haben. Also warum nicht gleich in den Weltraum? Was nach Science-Fiction klingt, soll bereits 2036 funktionieren. Im Zentrum steht dabei die Nutzung von „Dawn-Dusk Sun-Synchronous“ (DDSS)-Orbits. Mit ihnen wird die Nutzung von 24/7-Solarstrom ohne Unterbrechung möglich. ­Ideale Entfernung von der Erde – in etwa 1.600 Kilometern. Zum anderen könnte Kernfusion für ebenfalls endlose Energie eingesetzt werden, wenn die Rechenzentren näher an die Sonne rücken. 
 

Die 1,5-Billionen-Company

Apropos Fusion. Auch Musks Firmen fusionieren. Vor dem Hintergrund der außerirdischen Pläne ein fast schon logischer Schritt. Musk fusioniert sein SpaceX mit seiner KI-Company xAI und bringt somit den größten Tech-Deal in der Geschichte auf Spur. 1,25  Billionen US-Dollar sollen die beiden ­Firmen zusammen wert sein. Der geplante Börsengang soll den Wert auf 1,5 Billionen steigern. Analysten geben dieser Gigantomanie den Namen „­Muskonomy“. Und Musk braucht das wohl. Zum einen schwächeln die Tesla-Verkäufe massiv, zum anderen steht sein LLM „Grok“ in vielen Ländern auf der Abschussliste. Nicht nur, dass Grok seinen Schöpfer zu einem größeren Genie macht als Leonardo da Vinci, sondern auch, weil es kinderpornografische Fotos erstellt. SpaceX hingegen bereitet Musk uneingeschränkte Freude.
 

Solch farbenfrohe Leitungen zur Wasser­kühlung von Anlagen, wie hier im Google Data Center in Douglas County (Georgia), könnten auch bald in Kronstorf zu sehen sein.

Wettlauf im All

Doch nicht nur Musk macht sich auf eine Odyssee ins Weltall, auch andere Unternehmen. Thales Alenia Space ist mit „Ascend“ Europas erstaunlich starker Player im technologischen „Krieg der Sterne“. Konkurrent ­Google will mit dem „Project Suncatcher“ schon 2027 TPU-basierte Satelliten-­Cluster zu Testzwecken ins All schicken. Auch das US-Startup Lumen Orbit will mit Starcloud in den Ring steigen. Die (noch theoretischen) Vorteile liegen auf der Hand: Faktisch keine CO2-Emissionen und kein natürlicher Ressourcenverbrauch auf Erden, denn auch gekühlt wird mit passiver Strahlungskühlung. Ascend rechnet vor, dass die Emissionen um den Faktor zehn fallen könnten. 
 

Krieg der Tech-Sterne

Und wie kommen die Daten wieder auf die Erde? Zum einen über die Nutzung bestehender Systeme wie Musks Starlink, zum anderen über Data ­Shuttles, an denen noch geforscht wird. Was noch sehr „abgespact“ klingt, soll sich aber auszahlen. Lumen Orbit rechnet vor, dass die Energiekosten im All bei einer Amortisation über zehn Jahre bei etwa 0,002 $/kWh liegen sollen – also ­deutlich günstiger als auf Erden. Zudem rechnet man mit einem Verfall der Startkosten für Schwerlast­raketen. Damit könnte auch der „Baustellenverkehr“ ins All deutlich gesenkt werden. Und wie bei jeder Baustelle müssen auch Schutt und Kehricht beseitigt werden. Die Systeme sollen dabei so ausgestattet sein, dass sie am Ende ihrer Lebensdauer gezielt zum Absturz gebracht werden können. Ja, auch im All gibt es irdische Themen … genau wie in Kronstorf. 

more