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Professorin Gabriele Kotsis, Leiterin des Instituts für Telekooperation an der JKU
Professorin Gabriele Kotsis, Leiterin des Instituts für Telekooperation an der JKU
JKU

Maschinen haben keine Botschaft

08.04.2026 um 00:00, Jürgen Philipp
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Professorin Gabriele Kotsis, Leiterin des Instituts für Telekooperation an der JKU, im Interview über KI als Imitator und Golem.

CHEFINFO: Mit welchen Themen ­beschäftigen Sie sich genau am Institut?
Gabriele Kotsis: Wir analysieren, wie Mensch und Maschine zusammenarbeiten. In letzter Zeit ­beschäftigten wir uns natürlich stark mit KI. Ich betreue auch einige spannende Dissertationen am Institut zum ­Thema, etwa eine, die untersucht, wie eine autonome KI-gesteuerte Drohne auf menschliches Verhalten und Emotionen reagiert. Ein weiteres Beispiel wäre eine Master­arbeit, die eine Drohne einsetzt, um Menschen am Laufband, wie eine Art virtueller Trainer, zu begleiten.  

Hat Ihrer Meinung nach KI ein Bewusstsein?
Maschinen können definitiv nicht nur physikalisch messbare Dinge wahrnehmen, sondern auch menschenähnliche Schlussfolgerungen ziehen. Sie können Stimmungen anhand menschlicher Sprache oder Mimik analysieren. Das ging vor ein paar Jahren nur sehr schlecht. Maschinen haben trotzdem kein Bewusstsein, weil ihnen der ­Wille fehlt – wenn man so will, der freie Wille. Maschinen wollen nicht von sich aus etwas gestalten oder entdecken. Das können sie nicht. Sie können nur vortäuschen. Maschinen haben im Gegensatz zum Menschen keine Botschaft. Auch nachdem KI den Turing-Test bestanden hat, ist KI nicht menschlich geworden. Sie kann uns einfach nur gut imitieren. Ich bringe auf der Uni immer wieder das Beispiel des Golem. Ich hoffe aber doch, dass uns KI nicht über den Kopf wächst, etwa, wenn wir so blöd wären, der Maschine zu viel Macht zu geben. Fazit: Es wäre also nicht erstrebenswert, wenn Maschinen ein Bewusstsein hätten. Der Mensch hat ein ambivalentes Verhältnis zur Technik. Zum einen geben wir ihr unheimlich viel Macht – sogar über unser Leben, wie etwa beim autonomen Fahren –, zum anderen behalten wir gerne selbst die Kontrolle.

Es gibt oft dystopische ­Szenarien rund um KI. Sind Sie eine Zukunftspessimistin oder -optimistin?
Ich bin absolut Zukunftsoptimistin. Es gibt genug kluge Köpfe, welche die Technologie im Griff haben und ich glaube nicht, dass wir uns selbst komplett wegrationalisieren. Allerdings muss es uns gelingen, das Thema in seiner gesamten Dimension den jungen Menschen zu vermitteln. Ich habe viele Studierende, die sich zu sehr auf das Sammeln von ECTS-Punkten konzen­trieren. Außerdem gibt es Studierende, die sich damit brüsten, auf Elite-Universitäten einen Bachelor bekommen zu haben, ohne dafür gelernt zu haben, weil sie alles der KI überließen. 

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