Ein starker Impuls für den Standort
Messe Wels-Geschäftsführer Robert Schneider im großen Chefinfo-Interview.
Markiert der Bau der neuen Halle 22 den Aufbruch in eine neue Ära für die Messe Wels?
In den vergangenen 20 Jahren ist auf dem Messegelände in Wels sprichwörtlich kein Stein auf dem anderen geblieben. Rund 100 Millionen Euro wurden in dieser Zeit investiert – ein Volumen, das den Neubau der Hallen 20 und 21 sowie die nun planmäßig fertiggestellte, hochmoderne Messehalle 22 umfasst. Damit festigt der Standort seine Position als modernster Messeplatz des Landes und unterstreicht seine internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wer regelmäßig auf internationalen Messen unterwegs ist, bescheinigt dem Standort Wels eine Qualität, die dem Vergleich mit europäischen Metropolen absolut standhält.
Öffnet ein architektonisches Statement wie die Halle 22 Türen zu neuen Event-Formaten?
Jedenfalls ist das ein richtig starker Impuls für den Standort. Wir haben bereits 26 Veranstaltungen heuer in der neuen Halle reserviert. Allein für 2026 kommen vier komplett neue Messeformate dazu, darunter die Elektro-Autoshow „E-Car Days“ und Österreichs frische Buchmesse „Buchrausch“. Da bereits zahlreiche Anfragen für die Jahre 2027 und 2028 vorliegen, zeigt sich deutlich, dass die neue Infrastruktur die Attraktivität des Standorts spürbar steigert.
Mit der Halle 22 sind wir absolut zukunftsfit. Wir brauchen künftig nur noch minimale Investitionen, um ganz vorne mitzuspielen – und wir haben jetzt realistische Chancen, uns bei internationalen Großveranstaltungen in Ausschreibungen durchzusetzen.
Gibt es eine Veranstaltung oder Messe, die Sie unbedingt nach Wels holen möchten?
Wünsche gibt es natürlich immer – und ja, vielleicht träumt man ab und zu von einer der ganz großen europäischen Leitmessen. Aber man muss realistisch bleiben. Wir sind in Österreich, wir sind in Wels – und Erfolg entsteht hier genau durch das Zusammenspiel vieler kleiner, aber entscheidender Zutaten. Wenn die alle passen, dann wird‘s richtig gut. Und genau darauf arbeiten wir jeden Tag hin.
Was macht heute einen erfolgreichen Messestandort aus?
Ein Messeplatz definiert sich über zwei Säulen – die Hallen und die Menschen. Dabei ist das Team hinter den Kulissen sogar noch entscheidender als die Infrastruktur. Es sind die Mitarbeiter, die Aussteller und Gastveranstalter professionell betreuen und neue Formate entwickeln. Die Messehallen bilden die notwendige „Hardware“ dazu. Alles andere – von der Hotelkapazität bis zur Verkehrsanbindung – sind wichtige Hygienefaktoren, die einfach funktionieren müssen.
Welchen konkreten Benefits bietet die neue Halle 22 für den Messestandort?
Es ist ein massiver Qualitätsunterschied, ob eine Veranstaltung in einer hochmodernen Halle auf dem Standard von 2025 stattfindet oder in einer Infrastruktur, die jahrzehntealt ist. Die neue Halle gibt uns vor allem Flexibilität: Wir können nun mehrere Events gleichzeitig abhalten. Früher mussten wir Absagen erteilen, weil Termine kollidierten oder die alten Hallen den Ansprüchen der Veranstalter nicht mehr genügten. Die moderne Infrastruktur ist ein Magnet für neue Formate. Dennoch bleiben wir bei aller Freude über das Wachstum realistisch und bodenständig, was die weitere Entwicklung betrifft.
Die Messe Wels konnte ihre für 2025 gesteckten Ziele deutlich übertreffen und positiv bilanzieren. Dank der neuen Messehalle 22 wird der Messestandort Wels weiter aufgewertet – ich freue mich bereits auf eine glanzvolle Eröffnung der Halle im Rahmen der Energiesparmesse.
Auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen: Für das laufende Geschäftsjahr planen Sie einen Rekordumsatz?
Unser Ziel ist es, 21 Millionen Euro an Umsatz für das Jahr 2026 zu realisieren – das wäre in der Tat der höchste Wert in unserer Geschichte. Entscheidender als Rekordzahlen ist für uns jedoch die Kontinuität: Wir verzeichnen sowohl vor als auch nach der Pandemie ein moderates, aber sehr stabiles Wachstum. Diese Stabilität verdanken wir unserer starken Diversifizierung. Wir führen eine Vielzahl unterschiedlicher Messen in ähnlicher Größenordnung durch, wodurch wir Klumpenrisiken vermeiden. Wir sind – auch wenn ich diese Floskel eigentlich nicht mag – inhaltlich sehr breit und solide aufgestellt. Sich als Messe zu spezialisieren, funktioniert nicht. Der Markt in Österreich lässt diese Strategie nicht zu. Stattdessen muss man jede Chance nutzen – von Industriemessen über Publikumsmessen bis hin zu Kleinveranstaltungen. Genau das spiegelt sich bei uns wider: Wir decken alle Messeformate ab und haben das entsprechende Know-how für jedes Format im Haus.
Entgegen aller Skeptiker erleben Messen nach der Pandemie einen neuen Boom. Warum?
Messen bieten einen Mehrwert, den kein digitales Format ersetzen kann. Während das Internet dominiert und KI fast jede Frage beantwortet, fehlt dort das physische Erlebnis. Erst die Kombination aus persönlichem Kontakt, Live-Vorführungen und dem direkten Ausprobieren der Produkte – wie etwa bei unseren Motorrad- und Bike-Messen oder beim Fishing Festival – macht den Unterschied. Man trifft Experten und Stars hautnah, statt sie nur auf einem Bildschirm zu sehen. Mein Leitspruch: Ein Handschlag sagt mehr als tausend Klicks. Der persönliche Kontakt bleibt das Herzstück unseres Geschäfts.
