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Der Jurist Markus Schröcksnadel ist Vorstandsvorsitzender der feratel media technologies AG.
Der Jurist Markus Schröcksnadel ist Vorstandsvorsitzender der feratel media technologies AG.
APA-Images / Harald Dostal, feratel

Mit Bits, Bytes und Bergbahnen ganz oben

20.02.2026 um 08:30, Klaus Schobesberger
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Familiensaga. Markus Schröcksnadel hat das IT-Business des Familienunternehmens aus Innsbruck aufgebaut.

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Über Weihnachten war der Andrang gewaltig, Anfang Jänner etwas ­verhaltener – insgesamt zeichnet sich aber eine der besten Saisonen der vergangenen Jahre ab“, resümiert Markus Schröcksnadel. Der 61-jährige ­Tiroler Unternehmer ist eine maßgebliche Figur im oberösterreichischen Wintertourismus. Seine Familie hält die Mehrheit an der Hinterstoder-Wurzeralm Bergbahnen AG und ist zur Hälfte Eigentümer der Hochficht Bergbahnen GmbH. Es gab auch schon wärmere und schnee­ärmere Winter, Grund zur Klage sieht er dennoch nicht. Skigebiete mit einer halbwegs ordentlichen Größe seien in Österreich weiterhin ein rentables Geschäft. Berichte über das Ende der Ski-Nation Österreich wegen des Klimawandels und steigender Kosten hält er für stark übertrieben. „Die Zahl der einheimischen Skifahrer liegt auf einem Höchststand, und die der internationalen Gäste ist relativ konstant – teilweise sogar leicht steigend. Skifahren war nie ein günstiges Freizeitvergnügen, aber wenn man die Preise indexiert und mit früher vergleicht, ist es gar nicht so viel teurer geworden“, rechnet ­Schröcksnadel vor. Was sich in den vergangenen 40 Jahren radikal verändert hat, sind die riesigen Beschneiungsanlagen und die damit verbundene Garantie für gute Pistenverhältnisse bereits zu Saisonbeginn. Dadurch können Skigebiete und Tourismusregionen deutlich sicherer kalkulieren.

 

Der findige Patriarch

Die Schröcksnadel Gruppe mit Sitz in Innsbruck beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter und ist über ein Geflecht aus etwa 30  Unternehmen in den ­Bereichen Bergbahnen, Hotellerie, Gastronomie und IT weit über Österreich hinaus aktiv. Den Grundstein für das heutige Imperium legte Vater Peter Schröcksnadel bereits 1964 mit der Vermarktung von Werbe­flächen im alpinen Raum: Er gründete Sitour, das bis heute mit Liftstützenwerbung, Gondel-Branding oder Digital Signage erfolgreich tätig ist. 1979 stellte Sitour den ersten Informator in Galtür auf, 1982 folgte die erste Panorama­-Kamera am Kitzsteinhorn. „Informatoren waren früher diese Tafeln mit roten und grünen Lämpchen – sie zeigten, ob ­Lifte offen sind, ob Betten frei sind oder nicht“, erinnert sich Schröcksnadel. „Als 25-Jähriger habe ich damit angefangen: Ich habe diese Flächen an Hoteliers und Tourismusverbände für sechs Jahre vermietet. Die Gemeinde oder der Verband stellten Platz und Infra­struktur – weil es ja noch keine Handys und kein Internet gab. Daraus hat sich der IT-Sektor im Unternehmen entwickelt, der heute in der feratel media technologies AG gebündelt ist.“ Die Live-Bilder der 4K-Panorama-Kameras verzeichnen allein online jährlich Milliarden von Zugriffen. Mit den Softwarelösungen ist feratel in vielen Tourismusregionen fest verankert: vom automatisierten Gästemeldewesen über Card-Systeme (z. B. Pyhrn-Priel Card) bis zum Destinationsmanagementsystem. „Unsere Software läuft auch im Hintergrund vieler Buchungsportale wie Booking.com oder Airbnb – auch in Italien, Deutschland, der Schweiz und punktuell in Tschechien“, erklärt Schröcksnadel, der auch an der Tech-Firma keyone seines Sohnes Moritz beteiligt ist. Das Startup unterstützt Eigentümer von Ferienwohnungen, Chalets und Apartments dabei, diese professionell zu vermarkten und zu verwalten – mit dem Ziel, Leerstände zu minimieren und Erträge zu maximieren.
 

Sessellift in Hinterstoder. Im Skigebiet wird laufend investiert, zuletzt die Tal-Gondelbahn zu den Hutterer Böden um 22 Mio. Euro.

Mühlviertler Wurzeln

Der Umsatz aus dem IT-Geschäft und den Bergbahnen hält sich in etwa die Waage. Peter Schröcksnadel, der im Juni 85 wird und als ehemaliger ÖSV-Präsident zu den prominentesten und streitbarsten Unternehmern Österreichs zählt, stieg 1989 mit dem Kauf des Skigebiets Kössen in den Kitzbüheler Alpen ins Seilbahngeschäft ein. Später folgten u. a. Beteiligungen an Großglockner/Heiligenblut, Hochkar, den ­Schnalstaler Gletscherbahnen in Südtirol sowie den Saastal Bergbahnen in der Schweiz. Vor rund 25 Jahren erwarb die Gruppe Anteile des Landes Oberösterreich an den Bergbahnen Hinterstoder-Wurzer­alm und Hochficht. „Der Hochficht ist ein kleines, aber profitables Skigebiet im Dreiländereck – mit vielen deutschen und tschechischen Gästen“, sagt Schröcksnadel. Den 50-Prozent-Anteil teilen sich die Innsbrucker mit dem Stift Schlägl. Die Zusammenarbeit bezeichnet der Unternehmer als „sehr gut“. Gemeinsam errichten das Stift Schlägl und die Schröcksnadel Gruppe aktuell das Aparthotel-Projekt „­Alprima Hochficht“ in Ulrichsberg. „Lustigerweise stammen die Schröcksnadels ursprünglich aus dem ­Mühlviertel“, erzählt Schröcksnadel. „Im 19. Jahrhundert sind sie als Arbeits­migranten nach Tirol ausgewandert.“ Großes Ausbaupotenzial sieht er vor allem bei den Nächtigungen. Der Anteil der Skifahrer in Europa bleibt ungefähr kon­stant – ­tendenziell sogar leicht steigend. Gleichzeitig schrumpft das Angebot: 
Viele Skigebiete auf 500  Metern Höhe fallen wegen des Klima­wandels komplett weg. „Das eine oder andere Gebiet wird aufgeben müssen“, sagt er, und die verbleibenden – also die schneesicheren – ­Skigebiete werden in Zukunft deutlich mehr Nachfrage bewältigen müssen. „Neue Ski­gebiete zu entwickeln halte ich politisch für ausgeschlossen.“

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