Die Business Class probt den Aufstand
Inhalt
Manfred Zorn ist, nun ja: zornig. Und wenn sein eigener Name in Bezug auf den Airport Linz nicht ohnehin längst Programm wäre, so würde er spätestens jetzt in die Luft gehen: „Es reicht endgültig, die Personalie Wöginger kann doch bestenfalls ein schlechter Scherz sein!“ In Wiener Parlamentskreisen hält sich nämlich hartnäckig das Gerücht, dass ÖVP-Klubchef August Wöginger im Falle einer erstinstanzlichen Verurteilung heim nach Oberösterreich komplimentiert werden könnte – um hier den amtierenden Linzer Flughafen-Direktor Norbert Draskovits, dessen Arbeitspapier im Sommer ausläuft, zu beerben: VP-Mann Wöginger übernimmt von SP-Mann Draskovits – und das schwarze Land übernimmt den städtischen Hälfteanteil am Airport vom roten Linz, das gegenwärtige Verluste und anstehende Großsanierungen (Rollbahn) finanziell nicht mehr stemmen kann.
Üppiges Sponsoring
Auf der einen Seite ist da Zorn, der erfolgreiche Wirtschaftskapitän, CEO des Metallverarbeiters SMW. Und auf der anderen Seite die politischen Bruchpiloten: „Wie kann es denn sein, dass wir in Linz gerade einmal ein Viertel der Passagiere von Graz haben?“, poltert Zorn. Und: „Wie kann es denn sein, dass der schwer defizitäre Flughafen üppiges Sportsponsoring betreibt?“
Im Jahr eins vor der Landtagswahl erklärt Landeshauptmann Thomas Stelzer den Airport nun zwar zur Chefsache, nimmt, auf vier Jahre verteilt, bis zu 36 Millionen in die Hand, um die Verbindung zwischen Linz und Frankfurt unter Patronanz des dänischen Carriers DAT zu reaktivieren. Doch auch das lassen Zorn und Mitstreiter nur bedingt gelten: „Ohne Gesamtkonzept ist und bleibt das ein politisches Totalversagen. Der unternehmerische Mittelstand muss jetzt aufstehen, um Veränderungen zu erwirken.“ Denn was am Beispiel Flughafen augenscheinlich wird: Die Kluft zwischen Privatwirtschaft und Politik wird im viel beschworenen Exportbundesland Nummer eins immer größer – zumal dem Investorenteam um Zorn immer mehr heimische Unternehmer-Schwergewichte zur Seite stehen. 60 Firmen hat er für seine Übernahmepläne an den Linzer Anteilen bereits an Bord, alle aus der echten Business Class: Wolfgang Hochreiter, der Fleischwaren-Multi aus Bad Leonfelden, ist einer von ihnen. „Ich habe selbst ein großes Unternehmer-Netzwerk und ich bin überzeugt, dass man viele für Ihre Idee gewinnen könnte“, versichert er Zorn.
Das Übernahme-Konzept
Der Zorn-Plan im Detail: Für die Beteiligung wird eine eigene GmbH gegründet, die den 50-Prozent-Anteil der Stadt Linz erwirbt. „Die GmbH ist als unternehmerische Beteiligungsplattform konzipiert und verfolgt eine langfristige Standort- und Infrastrukturentwicklung“, erklärt Zorn. Zudem wolle, nein, müsse man unternehmerische Kompetenz und Verantwortung aktiv einbringen. Wie das funktionieren soll? Engagierte Personen aus dem Kreis der Beteiligungspartner wirken an klar definierten Themenkreisen direkt mit. Und diese umfassen die Komplexe Linienflug (Entwicklung und Ausbau von drei Linienverbindungen) und Cargo (Ausbau zum leistungsfähigen Logistikstandort) ebenso wie Betriebsansiedlung (Dienstleister und Infrastruktur im Flughafen-Umfeld), Gastronomie (Entwicklung tragfähiger Konzepte) und die Kooperation mit anderen Regionalflughäfen.
Der schmale Grat
Wie schmal der Grat zwischen Aufbruch und Absturz tatsächlich ist, lässt sich anhand konkreter Zahlen festmachen: Für 2025 geht man von einem negativen operativen Ergebnis von elf Millionen aus, weshalb das Land für 2026 wohlweislich einen Zuschuss von zehn Millionen im Budget veranschlagt hat. „Und selbst wenn es gelingt, den jährlichen Verlust ab heuer auf etwa acht Millionen zu reduzieren, ergibt sich für die kommenden vier Jahre ein Kapitalbedarf von 32 Millionen. Dazu kommen noch die 36 Millionen für die Frankfurt-Anbindung“, kalkuliert Zorn. Aufgrund dieser Zahlen sei davon auszugehen, dass eine Unternehmensbewertung im Rahmen eines Wertgutachtens zu einem Minus von etwa 40 Millionen kommen könnte. Berücksichtige man auch noch die unumgängliche Pistensanierung, so ergäbe sich daraus ein gesamter Kapitalbedarf von etwa 100 Millionen Euro. Wovon Zorn fix ausgeht: „Unabhängig vom Ausgang unseres Verhandlungsprozesses, der nun beginnt, wird das politische Konsequenzen nach sich ziehen.“ Denn wenn man die Privaten jetzt nicht ins Boot hole, so bliebe eigentlich nur eines: „Zusperren – im Sinne der Steuerzahler.“