Margund Lössl: Ein Leben für die Kunst

Gibt es ein Patentrezept für Ihren Erfolg als Galeristin?
Margund Lössl: Ich habe meine Leidenschaft für die bildende Kunst zu meinem Beruf gemacht und das lebe ich bis heute. Hinter einer guten Galerie steckt viel Arbeit – der überwiegende Teil aller Tätigkeiten geschieht im Hintergrund. Ehrlichkeit und Transparenz – im Hinblick auf Künstler als auch Kunden – sind mir sehr wichtig. Das Vertrauen in mich und mein Gespür für Qualität ist wahrscheinlich eines meiner Rezepte (lacht). Ich denke, eine unermüdliche Freude im Umgang mit Kunst ist essenziell. Als Galeristin ist man Teil des Systems Kunst und trägt am Erfolg oder Misserfolg eines Künstlers maßgeblich bei.

Nach welchen Kriterien erfolgt die Auswahl Ihrer Künstler?
Lössl: Wir versuchen, von jungen aufstrebenden bis zu arrivierten Positionen einen schönen und spannenden Mix zu zeigen. Neben bekannten Größen am Kunstsektor findet man bei uns in der Galerie immer einen oder mehrere Künstler, die wir erstmalig im Zuge von Ausstellungen präsentieren.

Was macht einen erfolgreichen Künstler aus?
Lössl: Eine akademische Ausbildung ist heute notwendig. Früher waren Auto­didakten am Kunstmarkt präsenter. In den letzten Jahren ist die Anzahl der ­Uni-Absolventen stark angestiegen. Während der akademischen Ausbildung können sie in den Kunstbetrieb eintauchen, aber das „harte“ Leben – das Leben von der eigenen Kunst – kommt erst später. Ein guter Künstler muss seinen eigenen Weg finden, seine eigenen ­Ideen verfolgen und kontinuierlich an einem unverkennbaren Stil arbeiten. Das geht nicht von heute auf morgen. Von v­ielen Absolventen schaffen es nur einige wenige, erfolgreiche Künstler zu werden. Künstler wecken mein Interesse durch „Das Neue“ – das muss nicht zwingend etwas Spektakuläres sein, aber das ­gewisse Etwas haben.

Welche Rolle spielt eine Galerie für den Erfolg eines Künstlers?
Lössl: Für eine Positionierung am Kunstsektor bedarf es einer oder mehrerer guter Galerien. Die Aufgabe der Galerie ist es, den Künstler bekannt zu machen. Sei es durch gemeinsame Ausstellungen oder durch die Präsentation auf Messen. Das bedeutet aber auch, dass der Künstler die beste Ware zur Verfügung stellt – dies wiederum ist dem Renommee der Galerie zuträglich.
Was hat sich mit der zunehmenden Präsenz des Internets verändert?
Lössl: Es ist leichter geworden, sich ortsunabhängig einen ersten Überblick über künstlerische Werke zu verschaffen. Nach einem positiven Ersteindruck folgt der persönliche Kontakt, um das Werk real zu sehen. Aber an eine ausschließliche Selbstvermarktung via Internet glaube ich nicht, da viele Facetten – zwischenmenschliche, emotionale oder kontextbezogene – nicht via Internet bedient werden können. Und es sind eben diese Bereiche, die den Besuch in einer Galerie zu einem besonderen Erlebnis machen.

Wie hat sich der Kunstmarkt in letzter Zeit verändert?
Lössl: Als ich begonnen habe, war der Kunstmarkt wenig präsent. Man muss auch sagen, dass die Zeiten andere waren. Heute ist viel Kapital vorhanden und Kunst ist u. a. auch eine Form der Anlage geworden. Die Covid-19-Pandemie hat den Markt nochmals verändert. Das Interesse am Erwerb von bildender Kunst ist enorm angestiegen, das lässt folglich auch die Preise steigen.

Bleibt die Galerie ein analoger Ort?
Lössl: Ich bin überzeugt davon, dass die Galerie auch zukünftig ein „analoger“ Ort sein wird. Viele haben den Wunsch, Kunst „hautnah“ vor Ort zu erleben. Virtuelle Bilder können oft täuschen, sind teilweise nachbearbeitet. Für eine Galerie ist es wichtig, in diversen sozialen Medien präsent zu sein, virtuelle Rundgänge anzubieten etc. Interessenten holen sich über diese Kanäle einen Vorgeschmack und besuchen uns anschließend real. Es passiert auch immer wieder, dass wir „günstigere“ Werken über das Internet verkaufen, aber bei Schlüsselwerken war dies bisher noch nicht der Fall.

Was raten Sie jemandem, der in Kunst investieren möchte?
Lössl: Das Gefallen des Werks steht für mich an erster Stelle. Eine garantierte zukünftige Wertsteigerung kann nie vorausgesagt werden – und wenn die gewünschte Wertsteigerung doch nicht eintritt, hat man jedenfalls Freude am Werk. Im Gegensatz zur Aktie, wo man dann lediglich das Papier hat, bietet die Kunst viel mehr. Daher mein Credo: Gefallen steht an erster Stelle, ein Werterhalt ist erfreulich und ein Wertzuwachs perfekt.

Autor: Friederike Ploechl, 01.12.2021