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PostWerkstatt / Hermann Walkolbinger, Thomas Brunner, Fotostudio Eder / factory300

Gemeinsam statt Homeoffice

20.03.2026 um 00:00, Andreas Hamedinger
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Coworking als Alternative. Flexible Arbeitsplätze statt fixes Büro: Coworking-Spaces entwickeln sich auch in Oberösterreich zu wichtigen Treffpunkten.

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Coworking-Spaces gelten als Symbol einer neuen Arbeitswelt: flexible ­Arbeitsplätze, kreative Netzwerke und eine Alternative zum klassischen Büro oder Homeoffice. Auch in Oberösterreich hat sich diese Form des Arbeitens in den ­vergangenen Jahren stark entwickelt. Vom kleinen Gemeinschaftsbüro am Land bis zum großen Innovationshub in der ­Linzer Tabakfabrik reicht hier die Bandbreite. ­Hinter den Konzepten stehen unterschiedliche Geschichten, Motive und wirtschaftliche Realitäten. 
 

Informelle Treffpunkte

Ein Beispiel dafür ist die PostWerkStatt in Ottensheim. Der Coworking-Space entstand in einem ehemaligen ­Gasthof – genauer gesagt im früheren Festsaal des Gebäudes. Betreiber Stefan Parnreiter-Mathys erinnert sich: „Der ­Hauseigentümer suchte nach einer sinnvollen Verwendung für den großen Raum, während ich vor allem ein Büro in Wohnnähe wollte. Mein Ziel war einfach: Dort arbeiten, wo man lebt – ohne täglich nach Linz pendeln zu müssen.“ 2018 eröffnete schließlich der Coworking-Space. Der Start verlief allerdings schwieriger als erwartet. Zum einen war der Begriff „Co­working“ damals noch vielen Menschen unbekannt. Zum anderen kam kurz nach der Eröffnung die Corona-Pandemie – denkbar ungünstige Bedingungen für ein Konzept, das auf gemeinschaftlichem Arbeiten basiert. Heute hat sich die PostWerkStatt etabliert, wie Parnreiter-Mathys erklärt: „Rund 30  Menschen arbeiten regelmäßig vor Ort, dazu kommen zahlreiche Unternehmen, die die ­Adresse als virtuellen Firmensitz nutzen.“ Etwa 120 Firmen haben ihren offiziellen Unternehmenssitz dort gemeldet, ohne täglich im Büro zu arbeiten. Das Modell ist vor allem für Selbstständige interessant, die ihre Privatadresse nicht als ­Geschäftsadresse verwenden möchten. Die Branchen der Nutzer sind vielfältig. IT-Spezialisten, Grafikdesigner, Coaches, Unternehmens­berater, Versicherungsvertreter oder Yogalehrer arbeiten Tür an Tür. Gerade diese Mischung ist Teil des Konzepts. Gleichzeitig soll der Zugang möglichst unkompliziert ­bleiben: Wer einen Arbeitsplatz braucht, kommt vorbei, steckt den Laptop an und beginnt zu arbeiten – ohne ­komplizierte Buchungssysteme oder Reservierungen. Ganz einfach ist das Geschäftsmodell jedoch nicht, denn Coworking-Spaces müssen hohe Investitionskosten stemmen, während die Einnahmen pro Arbeitsplatz vergleichsweise niedrig bleiben. Gleichzeitig verändern sich die Arbeitsgewohnheiten der Menschen ständig. Manche ­Unternehmen in Oberösterreich holen ihre Mitarbeiter wieder stärker ins eigene Büro zurück, während andere weiterhin auf ­flexible Modelle setzen.
 

Mario Pramberger Plattform „Coworking Oberösterreich“

Die soziale Komponente

Trotz dieser Herausforderungen hat sich in Oberösterreich eine lebendige Szene entwickelt. Um diese sichtbarer zu machen, haben sich zahlreiche Betreiber zusammengeschlossen. Einer der Initiatoren dieses Netzwerks ist der Unternehmensberater Mario Pramberger aus Schlierbach. Die Plattform „Coworking Oberösterreich“ entstand vor rund zweieinhalb Jahren, als immer mehr Spaces im Bundesland eröffneten. Viele Betreiber kannten sich bereits aus der Szene, und so entstand die Idee, gemeinsam aufzutreten und das Thema „Coworking“ stärker zu bewerben. 
 

Gegenseitige Unterstützung

Heute umfasst das Netzwerk rund 50  Coworking-Spaces in Oberösterreich. Besonders bemerkenswert ist dabei die geografische Verteilung: Neben den großen urbanen Standorten in Linz, Wels oder Steyr gibt es auch viele ­kleinere Spaces in ländlichen Regionen. ­Gerade dort ­erfüllen sie eine wichtige Funktion. Viele Selbstständige möchten ihre Privatadresse nicht auf Visitenkarten oder Websites verwenden und suchen einen professionellen Ort für Kundentermine. Gleich­zeitig spielt die soziale Komponente eine große Rolle, wie Pramberger erklärt: „Viele Ein-Personen-Unternehmen arbeiten jahrelang allein im Homeoffice. Anfangs mag das bequem sein, doch auf Dauer fehlt vielen der Austausch.“ Nachdem er sich selbstständig gemacht hatte, arbeitete auch Pramberger mehrere Jahre von zu Hause aus. Anfangs genoss er die Freiheit, doch irgendwann fehlten ihm Gespräche mit Kollegen und der Austausch im Alltag. Genau hier setzt das Coworking-Modell an. Menschen kommen nicht nur wegen eines Schreibtisches oder einer Geschäftsadresse, sondern auch wegen der Gemeinschaft. „Viele Spaces organisieren deshalb regelmäßige Treffen – gemeinsame Frühstücke, kleine Veranstaltungen oder einfach ein Feierabendbier. Diese informellen Begegnungen stärken die Community und sorgen dafür, dass sich Nutzer gegenseitig unterstützen. Gerade Selbstständige profitieren davon, wenn sie bei Problemen oder Fragen unkompliziert andere Experten ansprechen können“, so Pramberger.
 

Stefan Parnreiter-Mathys PostWerkStatt Ottensheim

Informelle Treffpunkte

Während viele Coworking-Spaces eher klein und regional geprägt sind, zeigt ein Blick nach Linz eine ganz andere Dimension. In der Tabakfabrik betreibt Bernhard Lehner mit der factory300 einen der größten Coworking-Spaces des Bundeslandes. Die Anlage umfasst gemeinsam mit angrenzenden Flächen mehr als 3.300  Quadratmeter und beherbergt eine Community von rund 400 Mitgliedern. Gegründet wurde der Space bereits 2017 und wächst seither ­kontinuierlich. „Wir wachsen im Schnitt um etwa 20  bis  30 Members pro Jahr“, erklärt Lehner. Coworking funktioniert dort ähnlich wie ein dynamisches Netzwerk. Jedes Jahr kommen zahlreiche neue Mitglieder dazu, während andere wieder gehen. Diese Fluktuation ist Teil des Konzepts, denn viele Freelancer oder ­Startups nutzen den Space nur für bestimmte Projektphasen. Insgesamt treten jährlich rund 120 bis 130  neue Mitglieder bei, während andere wieder ausscheiden. „Coworking bedeutet ja auch, dass Leute kommen und gehen. Das ist eine der Stärken dieses Modells“, sagt Lehner. Auch saisonale Muster lassen sich beobachten: Manche Freelancer kündigen ihre Mitgliedschaft im Winter und arbeiten einige Monate aus Ländern wie Portugal oder Thailand, bevor sie im Frühjahr wieder zurückkehren. Die Nutzerstruktur ist vielfältig. Etwa ein ­Drittel sind klassische Freelancer, ein weiteres Drittel arbeitet in Startups, während das letzte Drittel aus Mitarbeitern größerer Unternehmen besteht. Gerade große Firmen nutzen Coworking-Spaces zunehmend als Ergänzung zu ihren eigenen Büros. ­Manche betreiben dort Innovationsprojekte oder schicken Teams bewusst in ein kreatives Umfeld. Andere suchen den Kontakt zu jungen Technologieunternehmen und Startups. Zusätzlich spielt der Wettbewerb um Fachkräfte eine ­Rolle, wie Lehner erzählt: „Für viele digitale Talente ist ein modernes Arbeitsumfeld attraktiver als ein traditionelles Büro im Industriegebiet.“ Einige Unternehmen verlegen deshalb gezielt Teams in Coworking-Spaces. So können Mitarbeiter in einem urbanen Umfeld arbeiten und gleichzeitig Teil eines größeren Innovationsnetzwerks sein. Coworking-Spaces bieten daher eine Mischung aus professioneller Infrastruktur und kreativem Umfeld. Schnelles Internet, ­flexible Arbeits­bereiche, Meetingräume und Gemeinschaftsflächen gehören ebenso dazu wie Cafés oder offene Begegnungszonen. Gerade diese informellen Treffpunkte sind wichtig. Lehner: „Wenn man sich einen Kaffee holt, trifft man fast immer jemanden und kommt ins Gespräch.“

In Coworking-Spaces wie der factory300 in der Linzer Tabakfabrik arbeiten Selbstständige, Startups und ­Mitarbeiter verschiedener Unternehmen Tür an Tür und vernetzen sich im Arbeitsalltag.

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